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Wasserstoff-Straßenbahn kommt: Entwicklung schreitet voran

Auch Straßenbahnen könnten je nach Gebiet in Zukunft mit Wasserstoff angetrieben werden. (Symbolbild)
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Auch Straßenbahnen könnten je nach Gebiet in Zukunft mit Wasserstoff angetrieben werden. (Symbolbild)

Wasserstoff-Züge sind in Deutschland nicht mehr weit entfernt vom kommerziellen Einsatz. Doch auch an Straßenbahnen mit dem Antrieb wird gearbeitet.

Leipzig - In der Stadt in eine Straßenbahn zu steigen ist allemal umweltfreundlicher, als alleine ein Auto zu nutzen. Aber es ist noch Luft nach oben, denn auch die mit Oberleitungen betriebenen Straßenbahnen stoßen Treibhausgase wie CO2 aus. In Dresden wird derweil daran geforscht, wie sich das ändern ließe. Die Lösung heißt dort Wasserstoff. Denn bei einem Brennstoffzellenantrieb bleibt am Ende nur Wasserdampf und Wärme übrig.

„Eine Machbarkeitsstudie hat gezeigt: Eine Wasserstoff-Straßenbahn ist möglich, verbunden mit zusätzlicher Ausrüstung und dem Bau neuer Infrastruktur“, sagte Marcel Dinter vom Bahnhersteller Alstom dem Nachrichtenportal Heise. Nach eigenen Angaben brachte das Unternehmen den ersten Wasserstoff-betriebenen Personenzug überhaupt auf die Schiene. Zwischen Buxtehude und Cuxhaven wurden die Züge namens „Coradia iLint“ laut ntv von 2018 bis 2020 bereits testweise im regulären Fahrplan eingesetzt, ab März 2022 sollen sie auf der Strecke in den kommerziellen Betrieb aufgenommen werden.

Europas erste Wasserstoff-Straßenbahn soll aus Sachsen kommen

„Straßenbahnen erleben weltweit – und auch in Deutschland – eine Renaissance. Städte, aus denen die leichte Schiene schon verschwunden war, investieren wieder“, sagte Verkehrswissenschaftler Arnd Stephan gegenüber Heise. Viele Städte, unter anderem Dresden und Leipzig, planen neue Strecken für Straßenbahnen. Die Nationale Organisation Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie, kurz NOW, sehe darin eine Chance für Wasserstoff. Die Bahnen sollen Städten helfen, Stadtteile und -gebiete anzubinden, in denen es keine Oberleitungen gibt.

In Chemnitz ist man sich sicher: „Europas erste Wasserstoffbahn kommt aus Sachsen“, gab sich Volkmar Vogel von der dort ansässigen Firma Hörmann Vehicle Engineering gegenüber Heise überzeugt. Das Unternehmen will demnach zusammen mit der Leipziger Straßenbahnmanufaktur HeiterBlick und der Firma Flexiva Automation & Robotik in den nächsten vier Jahren einen Prototyp auf die Schiene stellen. „Diese Zukunftsbahn wird eine lange Lebensdauer haben mit geringen Wartungskosten, ohne schädliche Emissionen. Zusätzlich produzieren wir noch saubere Luft“, sagte Vogel. Das Team beschäftige sich seit zwei Jahren mit dem Thema.

Wasserstoff-Straßenbahn: Komplizierter Prototyp

Bei der Entwicklung eines Prototypen gilt es allerdings zu bedenken: Die Bahn muss sowohl mit Wasserstoffantrieb als auch über eine Überleitung fahren können, „weil die Fahrzeuge in das normale Stadtnetz eintauchen“, zitiert Heise Samuel Kermelk, den Geschäftsführer von HeiterBlick. „Die Bahn muss trotz des Mehrgewichts der Wasserstofftanks leicht bleiben, weil sie weiter auf bisherigen Strecken fährt. Auch die Abwärme müssen wir effizienter nutzen. Das ist wichtig für den Serienbetrieb.“

Auch wenn der Klassiker Oberleitung bislang noch günstiger ist als wasserstoffgetriebene Bahnen und die Infrastruktur mit entsprechenden Tankstellen fehlt, wachse der Markt. Vor allem ostdeutsche Kohleregionen setzen laut dem Portal auf Wasserstoff-Technik. Im sächsischen Leuna etwa solle die bislang weltweit größte Elektrolyse-Anlage zur Erzeugung von „grünem Wasserstoff“ errichtet werden. Dieser soll von dort aus in verflüssigter Form an Tankstellen und Industrieunternehmen verteilt werden.

Wasserstoff-Straßenbahn könnte 2025 fahren

Ob die Wasserstoff-Straßenbahn eine effiziente Lösung ist, darüber sind sich Experten uneins. Michael Sterner, Professor für Energiesysteme, sagte dem MDR, dass man in Großstädten da, wo man Gleise verlege, auch fast immer immer eine Oberleitung ziehen könne. Am effizientesten sei es, den Strom aus der Leitung direkt zum Fahren zu benutzen: „Wenn ich den Strom erst zur Spaltung von Wasser in Wasserstoff und Sauerstoff verwende und den Wasserstoff anschließend komprimiere, speichere, mittransportiere und in einer Brennstoffzelle wieder in Strom zurückverwandele, dann habe ich hier einen Wirkungsgrad von unter 40 Prozent“, so Sterner. Für ihn ergibt der Wasserstoffantrieb daher eher im Zugverkehr Sinn.

Auch Kermelk vom Straßenbahnbauer HeiterBlick räumt ein: Ersetzen werden Wasserstoff-Straßenbahnen bestehende Systeme nicht, vielmehr eine Lücke füllen in Gebieten, in denen niemand in eine Oberleitung investieren will. Laut dem Verkehrswissenschaftler Arnd Stephan sei es jetzt das Ziel, Europas erste Wasserstoff-Straßenbahn auf die Schiene zu bringen. Für die Jungfernfahrt werde das Jahr 2025 angepeilt, als Standort seien die Städte Leipzig und Dortmund im Gespräch. (ial)

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