USA

Rassismus-Vorfall in New York: Frau ruft wegen schwarzem Vogelbeobachter Polizei und erfindet Angriffsversuche

Ein Anruf bei der Polizei löst in New York Empörung und Rassismus-Vorwürfe aus. Nun gibt es neue Details zu dem Vorfall im Central Park.

  • Ein Rassismus-Vorfall in New York sorgt Ende Mai für Empörung.
  • Eine weiße Frau ruft die Polizei wegen eines Afroamerikaners – ohne triftigen Grund.
  • Nun gibt es neue Details zu dem Vorfall im Central Park.

Update vom Samstag, 17.10.2020, 13.36 Uhr: Zu dem Rassismus-Vorfall Ende Mai im New Yorker Central Park, bei dem die weiße Amy Cooper mit einem rassistischen Anruf bei der Polizei für Empörung gesorgt hatte, gibt es neue Details. So habe die Frau ein zweites, bisher nicht bekanntes Gespräch mit der Polizei gehabt, in dem sie behauptete, der Mann habe versucht, sie im Park anzugreifen, berichtet die „New York Times“ in Bezug auf Oberstaatsanwalt Joan Illuzzi.

Rassismus-Vorfall im Central Park in New York: Zweiter Anruf mit rassistischem Inhalt

„Die Angeklagte berichtete zweimal, dass ein Afroamerikaner sie in Gefahr gebracht habe, indem sie zuerst erklärte, er bedrohe sie und ihren Hund und dann in einem zweiten Anruf darauf hinwies, dass er versucht habe, sie im Ramble-Bereich des Parks anzugreifen“, so Illuzzi.

Am Mittwoch (14.10.2020) ist Amy Cooper erstmals vor Gericht erschienen. Angeklagt ist sie wegen einer fälschlichen Anzeige. Per Video-Telefonschalte musste sich die 40-Jährige vor dem Manhattan Criminal Court verantworten, teilte die Staatsanwaltschaft mit.

Rassismus-Vorfall im in New York: Staatsanwaltschaft und Verteidigung arbeiteten an Vereinbarung

Staatsanwaltschaft und Verteidigung arbeiteten an einer Vereinbarung, bei dem sie ihre Schuld eingestehen, aber nicht ins Gefängnis müsse.

Das Video des Vorfalls, das die Schwester des Vogelbeobachters im Mai auf Twitter veröffentlicht hatte, war millionenfach angesehen worden und hatte in den USA für viel Wirbel gesorgt. New Yorks Bürgermeister Bill de Blasio hatte die Frau schwer kritisiert und gesagt, das Video zeige „Rassismus, ganz einfach“.

Die Frau, die daraufhin von ihrem Arbeitgeber entlassen wurde, entschuldigte sich, wies aber alle Rassismus-Vorwürfe zurück. „Es war inakzeptabel und ich entschuldige mich demütig und vollkommen.“ Der Hobby-Vogelbeobachter hat die Erfahrung inzwischen zu einem Comic verarbeitet.

Rassismus in New York, USA: Frau erhält Morddrohungen

Update vom Donnerstag, 28.05.2020, 13.00 Uhr: Amy Cooper, die Frau, die mit ihrem Anruf bei der Polizei für Empörung gesorgt hatte, erhält inzwischen einige Morddrohungen. Christian Cooper, der Mann, dessentwegen sie die Beamten alarmiert hatte, hat sich nun ausdrücklich gegen derartige Drohungen ausgesprochen. Das mache keinen Sinn, sagte er im Gespräch mit dem TV-Sender CNN.

Für ihren Anruf erntete Amy Cooper viel wütende Kommentare und Rassismus*-Vorwürfe. „Ich bin keine Rassistin. Ich wollte diesen Mann in keiner Weise verletzen“, sagte sie im Zuge einer öffentlichen Entschuldigung. Christian Cooper nahm ihre Entschuldigung zur Kenntnis. Dennoch wies er darauf hin, dass die Handlung der Frau, ob sie sich nun als Rassistin empfinde oder nicht, dennoch rassistisch sei. In einem Gespräch mit der „New York Times“ zeigte er Verständnis. Ohne den Rassismus zu entschuldigen, verstehe er, wie es zu einem Fehler kommen könne. „Ich weiß nicht ob nun ihr Leben auseinander gerissen werden sollte.“

Der für manche womöglich harmlos wirkende Vorfall sorgt besonders in den USA bei vielen für Wut und Unverständnis. Denn dort sind schwarze Männer überdurchschnittlich häufig von Polizeigewalt betroffen. Nicht selten enden dort Anrufe, in denen Afroamerikaner verdächtigt werden schon bei der Festnahme tödlich.    

USA - Rassismus in New York: Polizei gerufen, „weil er schwarz ist“ – Frau suspendiert

Update vom Mittwoch, 27.05.2020, 12.50 Uhr: Nachdem Amy Cooper nach einem harmlosen Wortgefecht mit Christian Cooper einen rassistisch motivierten Notruf getätigt hatte, hat sie ihr Arbeitgeber vorübergehend freigestellt. Auf Twitter schrieb ihr Arbeitgeber: „Wir nehmen den Vorfall sehr ernst und tolerieren keinen Rassismus. Während wir die Ermittlungen abwarten, haben wir unsere Mitarbeiterin vorläufig suspendiert.“ Der Vorfall hatte sich im Central Park in New York ereignet. 

Erstmeldung vom Dienstag, 26.05.2020, 20.23 Uhr: New York - Weil sie nach einem harmlosen Wortgefecht mit einem Afroamerikaner im Park die Polizei verständigte, hat eine Frau aus New York eine Welle der Empörung ausgelöst. Das Video vom Vorfall wurde inzwischen fast 26 Millionen Mal angeklickt und heizt die Debatte über rassistisch motivierte Notrufe in den USA an. Amy Cooper, so der Name der Frau, war im New Yorker Central Park mit ihrem Hund unterwegs, als sie auf Christian Cooper traf, der dort Vögel beobachtete (beide sind nicht miteinander verwandt).

USA: Rassismus-Vorwürfe nach Vorfall in New York

Sie führte ihre Hunde nicht an der Leine, obwohl dies in diesem Teil des Parks vorgeschrieben ist. Als Cooper sie darauf hinwies und mit seinem Handy filmte, rief die Frau die Polizei. „Hier ist ein afroamerikanischer Mann, ich bin im Central Park. Er filmt mich und bedroht mich und meinen Hund“, rief sie in ihr Telefon. Der Vorfall rief wütende Reaktionen hervor. 

New Yorks Bürgermeister Bill de Blasio nannte das Verhalten der Frau „schlicht und einfach rassistisch“. Sie habe die Polizei gerufen, „weil er schwarz ist“. Obwohl sie im Unrecht gewesen sei, habe sie den Mann als kriminell dargestellt. Die Frau zeigte sich reumütig. 

USA: Nach Rassismus-Skandal in New York - Frau entschuldigt sich bei Christian Cooper

In einem Interview mit dem Sender NBC sagte sie, sie habe sich bedroht gefühlt und überreagiert. Sie bat Cooper und seine Familie um Entschuldigung. Ihr Arbeitgeber, die Investmentgesellschaft Franklin Templeton, suspendierte sie zunächst bis zum Abschluss der Ermittlungen. Cooper erklärte, er habe mit dem Video die Aufmerksamkeit auf solche Vorfälle lenken wollen. „Leider leben wir in Zeiten, in denen schwarze Männer als Ziele betrachtet werden, so wie es auch Ahmaud Arbery widerfahren ist“, sagte er dem Sender CNN. 

USA und Rassismus: Ahmaud Arbery wurde erschossen

Ahmaud Arbery war Ende Februar beim Joggen in einem Wohnviertel der Stadt Brunswick erschossen worden. Die Ermittlungen in dem Fall kamen aber erst Anfang Mai nach der Veröffentlichung eines Videos der Tat und der dadurch ausgelösten öffentlichen Entrüstung ins Rollen. Inzwischen wurden drei Tatverdächtige festgenommen. Die tödlichen Schüsse auf den 25-jährigen Afroamerikaner wurden von vielen als Beweis für den tief verwurzelten Rassismus in Teilen der US-Gesellschaft gewertet.*

Es war wohl nicht das erste Mal, dass der Polizist Derek Chauvin im Dienst gewalttätig wurde. Was über den Mann bekannt ist, der George Floyd tötete.

Bei Protesten gegen Polizeigewalt in den USA wird ein junger Schwarzer in der texanischen Stadt Austin von der Polizei schwer verletzt. Auch Helfer werden beschossen.

Im Zuge der aktuellen Aufruhe ist es kaum verwunderlich, dass auch deutsche Talkshows viel Kritik ernten, wenn sie nur weiße Gäste zum Thema Rassismus einladen

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Rubriklistenbild: © Angela Weiss / AFP

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