„Schluss mit dem Schweinesystem“

Coronavirus bei Tönnies: Massenschlachtung gestoppt - Behörden haben ein Auge auf den Schlachtbetrieb

Nach vier Wochen Zwangspause hat der Schlachtbetrieb Tönnies in NRW seine Produktion wieder hochgefahren - doch schon am Freitag wurde die Massenschlachtung wieder gestoppt.

  • Nach dem Ausbruch des Coronavirus darf Tönnies wieder schlachten.
  • Am Donnerstagmorgen wurden die ersten Schweine angeliefert.
  • Aktivisten von Greenpeace haben auf dem Dach des Tönnieswerks demonstriert.

Rheda-Wiedenbrück/NRW - Vier Wochen ist es her, dass die Produktion bei Deutschlands größtem Schlachtbetrieb Tönnies in Rheda-Wiedenbrück (NRW) eingestellt wurde. Das Coronavirus hat sich in der Belegschaft ausgebreitet. Es folgten Massentests, ein Lockdown, Demonstrationen, medialer Wirbel.

Update, 17. Juli, 13.19 Uhr: Doch kaum hatte Tönnies in Rheda-Wiedenbrück wieder den Schlachtbetrieb aufgenommen, erfolgte am Freitagmorgen eine überraschende Zwangsunterbrechung der Massenschlachtung. Der Grund: Das Unternehmen in NRW musste bei der Gestaltung der Arbeitsplätze nachbessern.

Arbeitsschützer hätten kritisiert, dass die Arbeiter beim ersten Zerteilen der gerade geschlachteten Schweine, bei dem eine erhöhte Position notwendig ist, nach vorne stürzen könnten. Nach Kontrollen sei Tönnies am Donnerstagnachmittag darüber informiert worden, „dass wir an Arbeitspositionen zusätzliche Umrüstungen vornehmen müssen“, sagte der Sprecher über das Werk in Rheda-Wiedenbrück (NRW). Dies sei schon in der Nacht zu Freitag passiert.

Coronavirus bei Tönnies: Massenschlachtung seit Donnerstag

Seit Donnerstag darf Tönnies an seinem Stammsitz in Rheda-Wiedenbrück (NRW) nach dem Corona-Ausbruch bei seinen Mitarbeitern wieder schlachten. Am Donnerstagmorgen wurden die ersten Tiere geliefert, wie wa.de* berichtet.

Coronavirus bei Tönnies: Greenpeace demonstriert gegen Fleischindustrie

Doch nicht nur Schweine machten sich an diesem Tag auf den Weg zum Schlachtbetrieb: Die Umweltorganisation Greenpeace hat am Donnerstag bei Tönnies gegen die Arbeit der Fleischindustrie demonstriert.  Nach dem Ausbruch des Coronavirus geriet die Fleischindustrie in den Fokus - vor allem die Arbeits- und Wohnbedingungen der Arbeiter.

Am Morgen landeten nach Beobachtungen eines dpa-Reporters Aktivisten von Greenpeace mit motorisierten Gleitschirmen auf dem Dach einer Halle des Werks. Neben dem sich drehenden Firmenlogo von Tönnies an der Firmenzentrale in Rheda-Wiedenbrück und entrollten sie ein Banner mit dem Schriftzug „Schluss mit dem Schweinesystem“. 

Nach Coronavirus-Ausbruch: Tönnies fährt Produktion in Rheda-Wiedenbrück hoch

Nachdem rund 1400 Corona-Infizierte in der Tönnies-Belegschaft nachgewiesen worden waren, hatten die Behörden Mitte Juni die Produktion gestoppt. Jetzt geht es weiter - zumindest bei der Schlachtung*. Eine Genehmigung für die Zerteilung der Tiere hat die Stadt Rheda-Wiedenbrück noch nicht erteilt.

Die angekündigt Wiederaufnahme der Schlachtung bei Tönnies wurden von den Landwirten begrüßt. „Dieser Schritt war dringend notwendig, auch überfällig und schließlich auch ein wichtiges Signal zur Normalisierung der Märkte“, sagte der Generalsekretär des Deutschen Bauernverbandes, Bernhard Krüsken, der dpa am Mittwoch.

Corona-Ausbruch bei Tönnies: Minister fordert Konsequenzen

Für NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann ist Tönnies trotz aufgehobenem Produktionsstopp noch nicht raus aus dem Schneider. Laumann besteht auf politische Konsequenzen des Corona-Ausbruchs bei Tönnies.

Greenpeace-Aktivisten haben am Donnerstag ein Banner am Tönnies-Werk ausgerollt. Sie demonstrierten gegen die Fleischindustrie.

Werkverträge über Subunternehmer seien der Grund für den Ausbruch gewesen. „Für mich ist völlig klar, die Werkverträge in der Fleischindustrie müssen verboten werden“, sagte der CDU-Politiker am Donnerstag im ZDF-“Morgenmagazin“. Das gleiche gelte für die Zeitarbeit in der Branche. Er warte darauf, dass Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) bald Gesetzesvorschläge vorlege. Tönnies durfte am Donnerstag wieder mit der Schlachtung starten.

Tönnies fordert nach Zwangspause Lohnkosten vom Land NRW zurück

Laumann geht davon aus, dass Tönnies keinen Regress für die vierwöchige Zwangspause geltend machen kann. „Ich glaube, dass er keinen Anspruch hat.“ Deutschlands größter Schlachtbetrieb sei nicht nur aus Gründen des Infektionsschutzes, sondern auch „ordnungsbehördlich“ geschlossen worden. „Sie können sicher sein, dass die Behörden in Nordrhein-Westfalen freiwillig keinen Cent an Tönnies bezahlen werden.

Auch die Testungen ihrer Mitarbeiter müssten Großbetriebe in der Fleischindustrie selber zahlen. Und wenn die Behörden dort ständig kontrollieren müssten, könne das auch nicht alles der Staat zahlen.

Nach Corona-Ausbruch bei Tönnies: Quarantäne im Kreis Gütersloh endet

Wegen der befürchteten Ausbreitung des Coronavirus über die Familien der Arbeiter auf die Bevölkerung, hatten die Behörden für die Kreise Gütersloh und Warendorf zeitweise zusätzliche Corona-Einschränkungen angeordnet. Während der Rest von NRW langsam wieder zurück in den Alltag kehrte, gab es in den Landkreisen wieder einen Lockdown.

Einige Urlaubsregionen verweigerten Urlaubern aus der Region die Anreise. In den eiligst aufgebauten Testzentren gab es einen Ansturm, um sich negative Testergebnisse für die Sommerferien ausstellen zu lassen.

In NRW gehen die Infektionszahlen nach dem Corona-Ausbruch bei Tönnies weiter zurück. Mitten in den Sommerferien planen viele Menschen in NRW ihren Urlaub - trotz Coronavirus. Doch in vielen Reiseländern kommt schon jetzt die zweite Welle. Vor allem in den beliebten Urlaubsorten Kroatien, Italien und Mallorca herrschen teils unterschiedliche Regeln. - *wa.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

Rubriklistenbild: © picture alliance/dpa

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