Gaffer filmten alles mit

Videos von Stuttgarter Schwert-Bluttat kursieren im Internet: „Widerwärtig und respektlos dem Opfer gegenüber“

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Der Tatort: Auf offener Straße wurde der 36-Jährige in Stuttgart getötet.

Die Bluttat von Stuttgart ist abscheulich genug. Von dem tödlichen Angriff auf offener Straße kursieren im Internet zu allem Überfluss auch noch mehrere Videos. Das geht einigen Usern deutlich zu weit.

Stuttgart - Es klingt wie eine Szene aus einem schlechten Horrorfilm: Mit einem „schwertähnlichen Gegenstand“ ist ein 36-Jähriger in Stuttgart auf offener Straße aus dem Leben gerissen worden. Tatverdächtig ist ein 28-Jähriger, der mit dem Opfer eine Wohngemeinschaft gebildet haben soll. Der grausame Akt vom Mittwochabend wird in Deutschland ebenso nachhallen wie die abscheuliche Attacke eines Mannes am Frankfurter Hauptbahnhof wenige Tage zuvor, der ein Achtjähriger zum Opfer fiel.

Bei beiden Verbrechen gab es zahlreiche Zeugen. Was die Taten jedoch grundlegend unterscheidet: In Stuttgart griffen Anwohner zu Handy oder Kamera, um den Angriff zu dokumentieren. Immerhin: Diese Sequenzen könnten den Ermittlern helfen die Aufklärung zu beschleunigen. Dass verschiedene Zeugenvideos aus Stuttgart jedoch längst im Internet kursieren und über die sozialen Medien verbreitet werden, ist mindestens moralisch verwerflich.

Mann in Stuttgart getötet: Videos im Internet zeigen Tat

Die Bewegtbilder zeigen, wie ein glatzköpfiger Mann immer wieder mit der langen scharfen Tatwaffe auf eine reglos am Boden liegende Person einsticht. Auch Zeugen können ihn in seinem Wahn nicht stoppen. Teilweise werden die Szenen zum Glück von einem abgestellten Fahrzeug verdeckt. Solche - wenn auch nur wenige Sekunden kurzen - Clips können für die Konsumenten extrem verstörend sein. Obendrein haben natürlich auch Minderjährige Zugang zu dem Material.

Einige Twitter-User warnen deshalb bereits vor den Videos. So schreibt ein Twitter-User: „Der Mord in Stuttgart wurde von Gaffern festgehalten und wird hier munter retweetet und repostet. Das ist widerwärtig und respektlos dem Opfer gegenüber. Ich hoffe, die Polizei Stuttgart geht jedem der Accounts auf den Grund!“

Video vom Schwert-Mord im Fasanenhof/Stuttgart: „Einfach nur grausam“

Eine weitere Twitter-Userin sah unbeabsichtigt einige Szenen und reagierte geschockt: „Grade unfreiwillig das Video von dem Mord im Fasanenhof hier in Stuttgart gesehen. Mir ist kotzübel. Schlimm auch, dass wohl ein Bus mit Wahlheimkindern alles mitansehen musste. Ich weiß nicht, warum man so ein Video verbreiten muss. Das ist einfach nur grausam.“ In einem weiteren Tweet ergänzt der User: „Dass man da nicht dran denkt, dass auch Angehörige des Opfers dieses Video sehen könnten.“

Selbst aktiv wurde „HanaBanana“: „Mir wurde gerade das Video aus Stuttgart gezeigt. Ich habe es gemeldet und die Personen geblockt, die es geteilt haben. Bitte, guckt weg.“ Und auch „Sema“ warnt: „Bitte, an alle, klickt keine Videos zum Vorfall an. Ihr seht sonst Dinge, die ihr nicht sehen sollt und/oder gegebenenfalls nicht verarbeiten könnt.“

Video vom Schwert-Mord im Fasanenhof/Stuttgart: Polizei prüft strafrechtlichen Hintergrund

Die Polizei äußerte sich ebenfalls zu den kursierenden Tatvideos. Ein Sprecher sagte dem RedaktionsNetzwerk Deutschland: „Wir haben Hinweise aus ganz Deutschland bekommen und das Video gesichert. Das Video hat auch bei der Fahndung nach dem möglichen Tatverdächtigen geholfen.“ Über die sozialen Medien wie Facebook und WhatsApp hätten sich die Videos regelrecht verselbständigt: „Inzwischen greift der Algorithmus bei Facebook aber langsam und das Video wird gelöscht.“

Zudem erklärte der Mann, dass weitere Schritte eingeleitet würden: „Ein strafrechtlicher Hintergrund der Verbreitung wird sicher geprüft werden - soweit sind wir aber noch nicht.“

So lauten die „Urheber- und Persönlichkeitsrechten in sozialen Netzwerken“

Auch unserer Online-Redaktion sind die Videos der Tat zugespielt worden. Aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes werden wir diese aber selbstverständlich nicht verbreiten.

In den „Urheber- und Persönlichkeitsrechten in sozialen Netzwerken“ heißt es unter anderem: „In bestimmten Konstellationen kann auch bereits das Fotografieren strafbar sein: Das gilt unter anderem, wenn eine unbefugte Aufnahme ‚die Hilflosigkeit einer anderen Person zur Schau stellt‘ und dadurch den höchstpersönlichen Lebensbereich verletzt. Ebenso kann es strafbar sein, unbefugt erstellte Aufnahmen weiterzugeben, wenn sie ‚dem Ansehen der abgebildeten Person erheblich (...) schaden‘ können.“

Über die Bluttat von Stuttgart berichtet auch heidelberg24.de* ausführlich. Der Mordfall von Stuttgart erreicht unterdessen auch die politische Debatte: Der streitbare Grüne Boris Palmer hat in einem Gastbeitrag in der FAZ Vorwürfe erhoben - viele Menschen verharmlosten Gewalt von Asylbewerbern, warnt er. Palmer warnte zugleich aber auch vor einer Bagatellisierung rechter Gewalt.

Ebenfalls auf offener Straße ist in Kassel ein 21-Jähriger erschossen worden. Laut hna.de* sind mindestens fünf Schüsse auf ihn abgefeuert worden.

*heidelberg24.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

mg

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