Betroffenen-Verein wehrt sich

Loveparade: Wirbel um geplantes Theater-Stück in Duisburg und heftige Vorwürfe

Heftige Vorwürfe gegen die Stadt Duisburg und ein Theater-Stück, das die Loveparade-Katastrophe von 2010 aufarbeiten soll. Betroffene üben Kritik.

  • Ein Theater in Duisburg plant derzeit ein Stück über die Loveparade-Katastrophe.
  • Ein Verein, der sich für die Interessen der Opfer einsetzt, kritisiert das.
  • Vor allem eine Finanzierung durch die Stadt Duisburg sieht der Verein kritisch - doch die Stadt selbst widerspricht.

Duisburg - 21 Menschen kamen bei der Loveparade-Katastrophe von Duisburg im Jahr 2010 ums Leben, weit über 500 Menschen wurden verletzt. Die Veranstaltung gibt es nicht mehr, das Verfahren gegen sechs Angeklagte und den Kreativdirektor wurde im Februar dieses Jahres eingestellt. Doch in Duisburg ist die Loveparade längst nicht verarbeitet.

Theater will Stück über Loveparade-Katastrophe produzieren

Ein Theater in Duisburg will die Katastrophe im kommenden Jahr in einem eigenen Stück aufarbeiten, berichtet die Westdeutsche Allgemeine Zeitung (WAZ). Das "Kom’ma-Theater", ein Kinder- und Jugendtheater, hatte demnach vor einigen Tagen die Absicht präsentiert, sich mit dem harten Stoff befassen zu wollen.

Doch dagegen regt sich jetzt heftiger Widerstand vonseiten der Betroffenen. Der Verein "Lopa 2010" kritisiert das Vorhaben des Theaters. "Es ist unmoralisch, aus dem schlimmsten Tag der Betroffenen und Hinterbliebenen ein Theaterstück zu kreieren", heißt es in einer Pressemitteilung des Vereins, der die Interessen vieler Opfer der Loveparade-Katastrophe vertritt.

Kritik an Stadt Duisburg, Stück über Loveparade mitzufinanzieren

Was den Betroffenen besonders übel aufstößt: Die Stadt Duisburg wolle das Stück über die Loveparade finanziell unterstützen. Der Betroffenen-Verein spricht von "Mitverantwortlichen", die keine Möglichkeit zur "adäquaten Aufarbeitung" geben würden.

Schlimmer noch: Der Verein wirft den Machern des Stücks vor, sich daran bereichern zu wollen. "Wieder einmal wird an unserem Unglück verdient und in die eigene Tasche gewirtschaftet", heißt es in dem Schreiben, das der Stadt eine "mangelhafte Nachsorge" nach der Katastrophe vorwirft.

Betroffene wünschen sich ruhigen Loveparade-Jahrestag in Duisburg

Der Verein wünscht sich nun einen Jahrestag, der 2020 in würdevoller und respektvoller Ruhe stattfinden könne - "Theater oder sonstiger Tamtam haben hier nichts zu suchen", heißt es. In diesem Jahr hatte die Stadt Duisburg  mit einer "Nacht der 1000 Lichter" der Opfer der Loveparade 2010 gedacht.

Ein Opfer-Anwalt sagte der Bild-Zeitung unterdessen, dass es an der Finanzierung des Stücks durch die Stadt grundsätzlich nichts zu beanstanden gäbe - unter der Voraussetzung, dass auch die Rolle der Stadt kritisch aufgearbeitet würde. Unterdessen erfuhr das Blatt vom Regisseur, dass es im Stück nur um die Versäumnisse bei der Planung der Veranstaltung gehe. Zum Hintergrund: Ein Gutachter hatte 2018 festgestellt, dass die Loveparade-Katastrophe hätte verhindert werden können.

Stadt Duisburg äußert sich zur Kritik an Loveparade-Stück

Die Stadt Duisburg hat sich schriftlich auf Anfrage unserer Redaktion zur Kritik geäußert. Sie verweist darin zunächst auf die Kunstfreiheit, die dem Schutz künstlerischer Ausdrucksfreiheit diene. "Auch vor diesem Hintergrund dürfte eine künstlerische Auseinandersetzung mit dem Thema Loveparade kein Tabuthema für eine städtische Unterstützung sein", heißt es von einer Stadtsprecherin. 

Gleichzeitig widerspricht die Stadt Duisburg der Darstellung des Vereins Lopa 2010, nur das Stück über die Loveparade werde durch die Stadt finanziert. "Derzeit ist eine Förderung aus städtischen Mitteln nicht vorgesehen", so die Sprecherin. Unabhängig davon werde aber sowohl das Haus als auch die Theatergruppe finanziell durch die Stadt gefördert. Zum Inhalt der aufzuführenden Stücke der freien Theatergruppe gebe es seitens der Stadt Duisburg keine Vorgaben. "Sie arbeiten autark und suchen sich ihre Themen/Stücke eigenständig aus", so die Sprecherin. dag

Rubriklistenbild: © dpa

Das könnte Dich auch interessieren

Kommentare