Arztpraxen sollen durch Regelung entlastet werden

Telefonische Krankschreibung wieder möglich - doch nur unter einer Bedingung

Ein Arzt telefoniert mit Blick auf einen Computer.
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Die telefonische Krankschreibung bei Erkältungsanzeichen ist wieder möglich.

Ab sofort können Ärzte auch wieder per Telefon eine Krankschreibung ausstellen. Doch nicht jeder Kranke bekommt sie einfach.

Wegen der deutschlandweit steigenden Corona-Infektionszahlen dürfen Ärzte ab sofort wieder via Telefon die Arbeitsunfähigkeit von Patienten feststellen und dann eine Krankschreibung ausstellen. Die Regelung zur Entlastung der Arztpraxen hatte der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) im Gesundheitswesen am vergangenen Donnerstag beschlossen. Wie echo24.de* berichtet, erfolgt die Krankmeldung allerdings nur unter einer Bedingung.

Telefonische Krankmeldung: Regelung soll zur Bekämpfung von Corona beitragen

Schon zu Beginn der Corona-Pandemie hatte es bundesweit eine Regelung für telefonische Krankschreibungen gegeben. Am 31. Mai war diese jedoch zunächst ausgelaufen, wie auch merkur.de* berichtet. Ab da sollten telefonische Krankschreibungen nur noch abhängig vom Infektionsgeschehen und auf Antrag regional und zeitlich befristet per Ausnahmeregelung zugelassen werden.

Coronavirus - häufigste SymptomeFieber, trockener Husten, Müdigkeit
Coronavirus - seltenere SymptomeGliederschmerzen, Halsschmerzen, Durchfall, Bindehautentzündung, Kopfschmerzen, Verlust des Geschmacks- oder Geruchssinns, Verfärbungen an Fingern oder Zehen oder Hautausschlag

Zuletzt hatten unter anderem die Kassenärztliche Bundesvereinigung und der rheinland-pfälzische Hausärzteverband die Wiedereinführung der telefonischen Krankmeldung gefordert. „Das war im Frühjahr ein wichtiger und erfolgreicher Baustein in der Pandemiebekämpfung“, hatte die Vorsitzende des Hausärzteverbands, Dr. Barbara Römer, der Deutschen Presse-Agentur vor wenigen Tagen gesagt.

Grippe und Coronavirus: Telefonische Krankmeldung soll Arztpraxen entlasten

Darüber hinaus soll die Wiederaufnahme der Regelung aber erneut auch zu einer Entlastung der ohnehin stets vollen Arztpraxen führen. Diese hätten ansonsten in der gemeinsamen Hochzeit von Corona und Grippe, die für Laien unter Umständen auch nur schwer zu unterscheiden sind*, sicherlich noch einmal mehr mit Patientenanstürmen zu tun.

Eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung kann nun bei einer leichten Erkältung auch wieder telefonisch ausgestellt werden.

„Wenn wir in dieser ernsten Situation eines nicht brauchen, sind es volle Wartezimmer“, erklärte Professor Josef Hecken, unparteiischer Vorsitzender des G-BA. Krankschreibungen per Telefon bekommt aber nicht jeder Patient.

Krankmeldung am Telefon: Ärzte stellen Krankschreibung unter einer Bedingung aus

Nur wer mit einer Erkältung arbeitsunfähig ist, kann sich vom Arzt auch eine telefonische Krankschreibung besorgen. Wie genau das abläuft, erklärt fr.de*. Professor Hecken: „Die niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte müssen sich dabei persönlich vom Zustand der Patientin oder des Patienten durch eine eingehende telefonische Befragung überzeugen.“

Telefonische Krankschreibungen

Wann? Ab 19. Oktober bis vorerst 31. Dezember 2020

Wo? Telefonisch beim Hausarzt

Wer? Patienten mit leichten Atemwegserkrankungen (Erkältung)

Die parallele Entwicklung von Grippe und Coronavirus, für das derzeit mehrere Impfstoffe entwickelt* wird, sei besorgniserregend. „Wir müssen sie unbedingt unterbrechen, ohne dass die Versorgung der Patientinnen und Patienten darunter leidet“, sagte Professor Josef Hecken.

Telefonische Krankschreibung: Regelung gilt vorerst bis Jahresende

Entscheidend für den Erhalt einer telefonischen Krankschreibung ist, dass ausschließlich leichte Symptome einer Atemwegserkrankung beim Patienten vorliegen. Für alle anderen Beschwerden ist auch weiterhin der Gang in eine Praxis notwendig.

Eine telefonische Krankschreibung gilt für jeweils sieben Tage. Anschließend kann die Arbeitsunfähigkeit einmalig für weitere sieben Kalendertage beim Arzt telefonisch verlängert werden. Die Regelung gilt vorerst bis zum Jahresende.

Telefonische Krankschreibung: Patienten gehen offenbar umsichtig mit Regelung um

Ausgenutzt wurde die Vereinfachung der Bescheinigung der Arbeitsunfähigkeit zu Beginn der Pandemie offenbar nicht. Hecken: „Die Erfahrungen aus dem Frühjahr mit der Krankschreibung per Telefon haben gezeigt, wie umsichtig Versicherte damit umgehen.“

„Die Erfahrungen aus dem Frühjahr mit der Krankschreibung per Telefon haben gezeigt, wie umsichtig Versicherte damit umgehen.“

Professor Josef Hecken, unparteiischer Vorsitzender des G-BA

Rechtzeitig vor Auslaufen der Krankschreibungs-Regelung zum 31. Dezember 2020 wolle der G-BA über eine mögliche Verlängerung abhängig vom Pandemiegeschehen entscheiden.

Der G-BA betont aber, dass Patienten mit Corona-Symptomen oder nach Kontakt mit nachweislich Infizierten auch unabhängig von der Ausnahmeregelung der telefonischen Krankschreibung vor einem Arztbesuch unbedingt telefonischen Kontakt zur betreffenden Praxis aufnehmen sollten.

Krankschreibung via Telefon: Eine von vielen Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus

Die telefonische Krankschreibung ist eine von vielen Maßnahmen, die die Verbreitung des Coronavirus eindämmen sollen. Zuletzt hatte es bundesweit strengere Regeln gegeben. So rief Baden-Württemberg beispielsweise die letzte und kritische Pandemiestufe 3* aus.

Neben den bei der Ministerpräsidentenkonferenz beschlossenen Maßnahmen appellierte Bundeskanzlerin Angela Merkel auch an alle Bürger. Sie rief dazu auf, Kontakte zu verringern und auf Reisen, wo immer möglich, zu verzichten. *echo24.de, merkur.de und fr.de sind Teil des Ippen Digital Netzwerks.

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