Empörte Anwohner sammelten Unterschriften

Nach Touristen-Beschwerden: Kirchenglocken-Streit in Garmisch - Entscheidung gefallen

Pfarrverbandsleiter Josef Konitzer (2.v.l.) verkündet Entscheidung im Pfarrheim Garmisch. Mit dabei waren (l.) Felicitas Lingg (PGR Vorsitzende und Kirchenpflegerin St. Martin),  Andreas Altmiks (Diakon und Vorstand der Kirchenverwaltung) und Georg Fink (Verbundpfleger).
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Pfarrverbandsleiter Josef Konitzer (2.v.l.) verkündet Entscheidung im Pfarrheim Garmisch. Mit dabei waren (l.) Felicitas Lingg (PGR Vorsitzende und Kirchenpflegerin St. Martin),  Andreas Altmiks (Diakon und Vorstand der Kirchenverwaltung) und Georg Fink (Verbundpfleger).

Im Kirchenglocken-Streit um die Pfarrkirche St. Martin in Garmisch ist nun eine Entscheidung gefallen. Über den Uhrschlag in der Nacht hatten sich Touristen beschwert.

  • Im Streit um den Glockenschlag der St. Martins-Kirche in Garmisch ist eine Entscheidung gefallen.
  • Die Glocken schlagen derzeit nicht in der Nacht, da es Lärm-Beschwerden von Touristen gegeben hatte.
  • Dies hatte zu Protesten der Bevölkerung geführt.

Update vom 12. Februar, 15.02 Uhr: Garmisch-Partenkirchen – Es ist die erste Pressekonferenz überhaupt, die Pfarrer Josef Konitzer, 58, geben muss. Seit acht Jahren ist er in der Pfarrei St. Martin in Garmisch tätig. 

Er sitzt im Besprechungsraum des Pfarrheims an einem rund vier Meter langen Holztisch. Er hat die Hände gefaltet. Konitzer wirkt leicht nervös, lächelt aber, begrüßt alle anwesenden Medienvertreter mit Handschlag, fragt nach Kaffee. Für Garmisch-Partenkirchner Verhältnisse sind viele Journalisten der Einladung gefolgt: Radio, Fernsehen, Zeitung, Fotografen. Alle beschäftigt die eine Frage: Werden die Glocken der zwei Garmischer Kirchen in der Nacht wieder schlagen? Eine Frage, auf deren Antwort zigtausend Bürger seit knapp vier Wochen warten. 

Das Ergebnis ist deutlich: über 2500 Unterschriften – also rund zehn Prozent aller Bürger der Marktgemeinde – haben sich für den Erhalt des Glockenschlags ausgesprochen, verkündet Felicitas Lingg, Vorsitzende des Pfarrgemeinderats und Kirchenpflegerin. Sie verlas während der Pressekonferenz die Entscheidung, auf die sich der Pfarrgemeinderat, die Kirchenverwaltung und die hauptamtlichen Mitarbeiter der Pfarrei St. Martin nach intensiver Diskussion einigten: Einstimmig waren sie dafür, nach der vierwöchigen Auszeit ab dem 15. Februar den Uhrschlag der Alten Kirche sowie der Pfarrkirche St. Martin wieder anzustellen. 

Kirchenglocken-Streit hat bundesweit eingeschlagen „wie eine Bombe“

„Das Thema hat bundesweit eingeschlagen wie eine Bombe“, sagt Konitzer. Hunderte von Briefen, Emails und Anrufe aus ganz Deutschland sind bei Konitzer eingegangen, nachdem bekannt wurde, dass er einem Beschwerdeschreiben – ein einziges, wie er betont – eines Touristen aus Bremen zumindest kurzzeitig nachkam. Dieser störte sich vom nächtlichen Uhrschlag der Alten Kirche mit Baujahr 1280. 

Deshalb hatten Konitzer und Franziska Louisot als Privatinitiatorin eine Unterschriftenaktion gestartet, um die Glocken nachts wieder erklingen zu lassen. Das mehr als deutliche Signal hatte dazu geführt, das die Tradition fortgesetzt wird. „Wir haben gesehen, wie wichtig den Menschen der Glockenschlag ist“, erklärt Konitzer. 

Bis auf wenige vereinzelte „sind alle für den Erhalt“. Die Anzahl der Gegner sei hingegen – gelinde gesagt – überschaubar. Ein anonymer Brief ging bei ihm ein. Der Verfasser nennt sich lediglich „ein Beobachter“. Dem Briefschreiber wäre es am liebsten, die Glocken gleich ganz abzustellen. Zudem hielt er dem Pfarrer auch gleich die Hexenverbrennung vor Hunderten von Jahren und die Ungerechtigkeit gegen Frauen vor. Konitzer hört auf zu lächeln. „Wir haben das Thema sehr ernst genommen und intensiv darüber beraten.“ 

Pfarrei Garmisch will der Gegenseite trotzdem entgegenkommen

Trotzdem will man der Gegenseite nun entgegenkommen. Ein unabhängiges Fachbüro wird die Lautstärke des nächtlichen Glockenschlags messen. „Sollte die Dezibel-Höhe die gesetzliche Vorgabe nicht überschreiten, bleibt alles so, wie es war“, versichert Verbundpfleger Georg Fink. Sollte der Schall über dem Höchstwert liegen, handelt die Pfarrei. „Dann müssen wir technische Möglichkeiten prüfen, um die Lautstärke des Uhrschlags in der Alten Kirche zu dämmen.“ Mit einem kleineren Klöppel beispielsweise könnte der Ton leiser werden. „Oder wir verkleiden ihn mit einer Filzschicht“, schlägt Konitzer vor. Ganz genau wisse man das noch nicht. „Das besprechen wir, wenn es soweit ist“, sagt Fink. 

In der Pfarrkirche St. Martin ist das bereits vor zehn Jahren passiert. Im Zuge der Renovierungen sind Maßnahmen ergriffen worden, um den Schall zu reduzieren. „Das empfinden wir als vernünftige Lösung.“ Damit soll dem seit Wochen andauernden Streit um den nächtlichen Schlag Einhalt geboten werden. Nur um den weltlichen Klang ging es bei der Debatte, stellt Konitzer klar. „Das sakrale Läuten, beispielsweise zu Taufen, Hochzeiten oder Beerdigungen ist gesetzlich geschützt“ und daher so gut wie unantastbar. 

Ihm ist freilich dabei klar, dass es in der heutigen Zeit keinen Glockenschlag mehr zum Verkünden der Uhrzeit braucht. Die meisten haben Uhren oder Smartphones. „Es geht um unsere Kultur“, stellt Konitzer klar. Auch Touristen haben sich für den Erhalt der Tradition geäußert: „Einer hat mir geschrieben, dass ihm der Glockenschlag fehlen würde, wie die Berge zum wandern.“ Ähnliche Schreiben kamen unter anderem auch von Touristen aus Hannover, Berlin, Köln oder Dresden.

Originalmeldung vom 12. Februar, 11.12 Uhr: Garmisch-Partenkirchen - Im Streit um die Kirchenglocken der Kirche St. Martin in Garmisch-Partenkirchen ist nun eine Entscheidung gefallen.

Wie Pfarrer Josef Konitzer bei einer Pressekonferenz am Mittwoch verkündet, wird der nächtliche Uhrschlag der Alten Kirche im Ortsteil Garmisch sowie der Pfarrkirche St. Martin wieder angestellt. In der Nacht zum Sonntag, 16. Februar, schlagen zwischen 22 Uhr und 6 Uhr wieder viertelstündlich die Glocken. Zuvor haben Unterstützer aus der Bevölkerung über 2500 Unterschriften gesammelt.

Kirchenglocken-Streit in Garmisch: Pfarrer und Gemeinde fällen Entscheidung

Die Glocken schwiegen seit dem 15. Januar, nachdem sich Touristen über den Lärm in der Nacht schriftlich bei Pfarrer Konitzer beschwert hatten. Die Aktion hat bundesweit für Aufsehen gesorgt. Um weitere Beschwerden zu verhindern, wird nun ein Fachbüro die Lärmemission des Schlages messen. Sollte die Lautstärke die gesetzliche Vorgabe überschreiten, müssen "technische Möglichkeiten überprüft" werden, um den Schall zu dämmen, erklärt Verbundpfleger Georg Fink. 

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