Eltern schreiben offenen Brief

„Ausländerdeutsch“ - Rassismus-Vorwürfe gegen Frankfurter Schulleiterin 

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Ist Schulleiterin Sabine Pressler eine Rassistin? Eltern von Schülern der Leibnizschule in Höchst erheben in einem offenen Brief Vorwürfe.

Ist Schulleiterin Sabine Pressler eine Rassistin? Eltern von Schülern der Leibnizschule in Höchst erheben in einem offenen Brief Vorwürfe.

Frankfurt - Es sind schwerwiegende Anschuldigungen, die eine Gruppe von Eltern und Schülern der Leibnizschule in einem Offenen Brief an die Schulleiterin Sabine Pressler formuliert hat. "Wir erleben als Eltern und Schüler ein System der autoritären und respektlosen Amtsführung, wie sie sich für die Direktorin einer staatlichen Schule nicht geziemt", sagt Joachim Preiser gegenüber dieser Zeitung.

Preiser ist Pfarrer der Evangelischen Kirchengemeinde Nied, Mitglied des Schulelternbeirates und Vater von Manuel, der als "Schüler, der kritisch ist und schon mal aus der Reihe tanzt", wiederholt im Visier der Direktorin gestanden haben soll. Vater Preiser fällt nach eigener Aussage der Schritt nicht leicht, die Beschwerden über die Schulleiterin öffentlich zu machen.

Allerdings sehe er keinen anderen Weg mehr, nachdem er bereits Ende August zweimal um ein Gespräch mit Pressler gebeten habe, sie das aber abgelehnt habe. Da die "grenzüberschreitenden Verhaltensweisen" nicht aufgehört hätten, habe er schließlich beim Staatlichen Schulamt eine Dienstaufsichtsbeschwerde eingereicht. Auf eine Reaktion warte er bis heute. "Die Beschwerde ist in Bearbeitung und wird gründlich geprüft", teilte Schulamtsleiterin Evelin Spyra gestern auf Nachfrage mit.

Frankfurter Schulleiterin Pressler soll von „Ausländerdeutsch“ gesprochen haben

Ein Beispiel dessen, was die Verfasser des Offenen Briefes als rassistisch bewerten, berichtet eine Schülerin: Einer ihrer Mitschüler habe im Unterricht einen Grammatik-Fehler gemacht. "Da hat Frau Pressler erstmal darüber gelacht und ihm sein ,Ausländerdeutsch' vorgeworfen." Das habe sie und viele Mitschüler als "rassistisch und übergriffig" empfunden, beklagt sie und schüttelt den Kopf: "Wir haben den Schüler doch alle verstanden." Das sei kein Einzelfall gewesen, sondern Ausdruck ihrer ganzen Art: "Sie nutzt ihre Position als Schulleiterin aus, um uns Kindern Angst zu machen."

Sie beschreibt eine weitere Szene, die sich abgespielt haben soll, als Manuel Preiser den Entwurf für den Offenen Brief in die Klasse mitgebracht habe, um ihn mit seinen Klassenkameraden abzustimmen. Als die Schulleiterin über eine Kollegin davon Wind bekommen habe, sei sie mit dem stellvertretenden Direktor ins Klassenzimmer gestürmt. "Sie hat gedroht, uns alle anzuzeigen," berichtet die Schülerin von der Situation.

An eine andere unerfreuliche Begegnung mit der Schulleiterin erinnert sich Karin S., Mutter einer Schülerin: Im vergangenen Jahr hätten ihr Mann und sie um ein Gespräch gebeten. Anlass dafür gab ihre Verwunderung über eine "Vier" in Mathematik im Zeugnis ihrer jüngsten Tochter. "Das Sekretariat ließ uns telefonisch wissen, dass Frau Pressler dafür keine Zeit habe", sagt S. 

Doch die Eltern blieben hartnäckig, warteten auf die Direktorin vor dem Sekretariat. "Sie kam mit großen Schritten auf uns zu, stelle sich direkt zwischen uns, mit dem Rücken zu mir", schildert die Mutter. Als ihr Mann sie grüßen wollte, sei sie ihm über den Mund gefahren. "Wie eine Diktatorin führte sie sich auf", schildert Karin S. "Dann sagte sie nur, dass sie für das Thema nicht zuständig sei - und ließ uns einfach stehen." Sie habe als Konsequenz ihre Tochter von der Schule genommen.

Pressler widerspricht, Rassismus-Vorwurf sei „absurd“

Und was sagt Sabine Pressler zu den Vorwürfen? Sie räumt zwar ein, dass sie oft ungeduldig sei oder sich über etwas ärgere. "Dann sage ich schon mal Dinge, die andere nicht schön finden." Keinesfalls aber führe sie Schüler vor - und den Rassismus-Vorwurf nennt sie "absurd". Sie korrigiere, erklärt die Pädagogin, schon mal ein Kind, das mit dem Satz "Kann ich mal bitte Kreide?" ins Sekretariat komme. Es könne sein, dass ihr das als rassistisch ausgelegt werde, "wenn das Kind einen Migrationshintergrund hat".

Wären die Beschwerden alleine vonseiten der Schüler gekommen, hätte sie - auch aufgrund der Erinnerungen an ihre eigene Schulzeit, als sie sich per Flugblatt über ihre damalige Mathelehrerin beschwert habe - Verständnis aufbringen können: "Schließlich herrscht ja Meinungsfreiheit." Dass jedoch auch Eltern in den Offenen Brief involviert seien, finde sie "sehr schade", sagt Sabine Pressler und gibt zu: "Das verletzt mich schon." Zu ihrer Weigerung, sich mit Pfarrer Joachim Preiser zu einem Gespräch zusammenzusetzen, sagt sie: "Da ging es nicht um diese Sache, sondern nur um die Vorfälle mit seinem Sohn." Und für die Bemerkung, die sie "ironisch gemeint habe", habe sie sich per E-Mail bei Preiser entschuldigt. Deshalb habe sich für sie "ein weiteres Gespräch erübrigt." Außerdem kritisiert sie: "Herrn Preiser treffe ich seit drei Jahren immer im Schulelternbeirat - da hat er die Vorwürfe nie angesprochen."

Elternbeiratsvorsitzender Andreas Fiedler machte gestern auf Anfrage dieser Zeitung deutlich: "Wir distanzieren uns von dem Offenen Brief." Den Inhalt kenne man bislang nicht und könne ihn deshalb nicht kommentieren. Die Elternvertretung stoße sich vielmehr am Vorgehen, "uns als demokratisch legitimierte Instanz für die Lösung solcher Konflikte zu umgehen."

An dem Aufarbeiten der Vorwürfe und einer Lösung sei der Schulelternbeirat aber "selbstverständlich sehr interessiert," sagt Andreas Fiedler.

Von Michael Forst

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