Trump als „Superspreader“

US-Studie enthüllt: Unglaubliche Zahl an „Fake News“ zu Coronavirus geht auf Trump zurück

US-Präsident Donald Trump spricht in ein Mikrofon.
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Da könnte auch Donald Trump mal der Mund offen stehen bleiben: Auf den US-Präsidenten gehen einer Studie zufolge immens viele „Fake News“ zu Corona zurück.

Kurz vor der US-Wahl veröffentlichen Forscher eine Studie, die belegt, welch große Gefahr von Donald Trump gerade in der Corona-Krise ausgeht. Der mächtigste Mann der Welt hat immens vielen Fake News Tür und Tor geöffnet.

  • Donald Trump hat in der Corona-Pandemie zahlreiche merkwürdige Behauptungen aufgestellt, die sich als falsch herausgestellt haben.
  • Eine US-Studie kommt nun zu dem Schluss, dass der US-Präsident der größte Verbreiter von „Fake News“ rund um das Virus ist.
  • Ein Ratschlag von ihm wurde besonders häufig aufgegriffen - mit schwerwiegenden Folgen.

New York/München - Donald Trump schießt sich derzeit mehr und mehr auf Joe Biden ein. Verständlich, schließlich will der US-Präsident mit aller Macht verhindern, dass ihn der Demokrat bei der US-Wahl am 3. November* aus dem Weißen Haus fegt. Auf den höchst streitbaren Staatschef selbst prasseln die Salven derweil aktuell aus verschiedenen Richtungen ein.

Natürlich kommen sie von seinem Herausforderer und dessen Lager. Aber auch von einer der renommiertesten Zeitungen des Landes. Zuletzt hatte die New York Times über die nur in geringem Maße existenten Steuerzahlungen von Trump in den vergangenen Jahren berichtet. So soll der erfolgreiche Unternehmer etwa in den Jahren 2016 und 2017 jeweils nur 750 US-Dollar an die Finanzbehörde abgedrückt haben.

Corona-Krise: Forscher überprüfen Millionen Artikel auf Fehlinformationen

Nun legte das im Big Apple beheimatete Blatt nach, berichtete über eine Studie zur Corona-Krise, die den US-Präsidenten in ein ganz schlechtes Licht rückt. Ein Forschungsteam der gemeinnützigen Organisation Cornell Alliance for Science, die von Bill und Melinda Gates finanziert wird, hat seit Monaten englischsprachige Artikel rund um die Pandemie dahingehend untersucht, inwiefern in diesen Fehlinformationen zu finden sind. Und dabei taucht eben immer wieder der Name Trump auf.

Die Forscher sprechen allumfassend von einer „Infodemie“, von der nicht nur die mehr als 38 Millionen untersuchten Artikel oder Berichte aus der Zeit zwischen dem 1. Januar und dem 26. Mai befallen sein dürften. Unfassbare 37,9 Prozent der zutage geförderten Fehlinformationen würden mit dem mächtigsten Mann der Welt in Zusammenhang stehen. Also fällt mehr als jede Dritte „Fake News“ auf Trump zurück. Folglich sei er der mit Abstand größte Verbreiter von falschen Informationen rund um die Corona-Pandemie*.

Corona-Krise: Trump verglich Virus lange Zeit mit Grippe

Lange Zeit hatte sich der US-Präsident* geweigert, das neuartige Virus ernst zu nehmen und dieses durchgehend mit der klassischen Grippe verglichen. Allerdings gab er bereits zu Beginn der Pandemie in einem lange Zeit unter Verschluss gehaltenen Interview zu, diese Haltung lediglich an den Tag zu legen, um die Bevölkerung nicht zu verschrecken. Mittlerweile hat eine Studie belegt, dass die von SARS-CoV-2 ausgelöste Krankheit Covid-19 in den USA 16 mal tödlicher ist als Influenza.

Für Aufsehen und Kopfschütteln bei Virologen sorgte Trump auch mit den offen geäußerten Empfehlungen, Desinfektionsmittel gegen das neue Coronavirus zu spritzen oder auf einen hochgefährlichen Medikamentencocktail zurückzugreifen. Experten ließen zwar schnell Warnungen folgen, dennoch kam es zu Todesfällen, die durchaus auf die Trump-Tipps zurückgeführt werden könnten. Lange Zeit tat der 74-Jährige das Virus auch als Erfindung der Demokraten ab, die ihn auf diesem Weg aus dem Oval Office kegeln wollten.

Corona-Krise: Fehlinformationen gehen in jedem zehnten betroffenen Artikel allein auf Trump zurück

Bei der nun durchgeführten Studie wurden in mehr als 1,1 Millionen Publikationen Fehlinformationen rund um Corona entdeckt, womit beinahe drei Prozent der untersuchten Texte und Berichte betroffen sind. In 115.216 dieser „Fake News“-Artikel - das entspricht immerhin 10,3 Prozent - gehen jegliche enthaltenen Fehlinformationen auf Trump-Aussagen zurück. Ein weiterer erschreckender Wert, der einmal mehr unterstreicht, welche zusätzliche Gefahr in der Pandemie vom US-Präsidenten ausgeht.

Fast die Hälfte der fehlerbehafteten Publikationen beinhaltet entweder klassische Fehlinformationen oder Verschwörungstheorien - diese haben die Forscher in elf Untergruppen eingeteilt. Mit weitem Abstand wurden dabei am häufigsten vermeintliche Wunderheilmittel thematisiert: in 295.351 Beiträgen - was mehr als ein Viertel der Publikationen mit Fehlinformationen ausmacht. Interessanterweise wurden allein an einem Tag mehr als 17.000 dieser Texte publiziert - kurz nachdem Trump zur Injektion von Desinfektionsmittel geraten hatte. An keinem anderen Tag wurde auch nur die Hälfte dieses Werts erreicht.

Corona-Krise: Häufige Verweise auf Gates oder neue Weltordnung entdeckt

Weitere Untergruppierungen innerhalb der Fehlinformationen und Verschwörungen waren etwa die Befürchtung einer neuen Weltordnung sowie eines sogenannten „deep state“ - also eines Staates im Staate, der Trump kaltstellen wolle - , Corona als Erfindung der Demokraten, das Virus als in einem Labor im chinesischen Wuhan gezüchtete Biowaffe, die Befürchtung eines weltweit vertriebenen Impfstoffes aus dem Hause Bill Gates, aber auch der von Trump höchstens geduldete US-Chefvirologe Dr. Anthony Fauci oder die Fledermaussuppe als Anfang alles Übels. Viele Punkte davon sind ebenfalls auf Trump zurückzuführen.

Das Forschungsteam staunte, wie oft es doch wieder beim US-Präsidenten landete. Sarah Evanega, eine der Studienautorinnen, sagte der Times: „Wir waren überrascht, dass der größte Treiber von Fehlinformationen der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika ist.“ Und weiter:„Das ist besorgniserregend, weil das schwerwiegende gesundheitliche Auswirkungen haben kann.“ Deshalb wollten die Forscher ihre Ergebnisse wohl auch schnell veröffentlicht wissen. So sei die Analyse noch nicht von unabhängigen Forschern untersucht worden. Ein notwendiger Schritt, damit das Werk offiziell anerkannt wird. Zwar wollen die Autoren ihre Arbeit zunächst bei einem Fachblatt eingereicht, sie dann jedoch wegen der mutmaßlich zu langen Wartezeit wieder zurückgezogen haben. Womöglich, damit die US-Bürger noch vor der Wahl schwarz auf weiß lesen können, dass sie von einem Mann regiert werden, der es auch in lebensbedrohlichen Lagen nicht so ernst nimmt mit der Wahrheit, wenn ihm das nutzt. (mg) *merkur.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks

Nach dem ersten TV-Duell mussten sowohl Trump als auch Biden viel Kritik einstecken.

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