Etwa im Supermarkt

Virologe Drosten rät zu Halstuch-Schutzmasken als mögliche Alternative

Seine Stimme hat Gewicht in der Corona-Krise: Virologe Christian Drosten erklärt den Deutschen, wieso es sinnvoll ist, alternative Schutzmasken zu tragen. 

Berlin - In einer neuen Folge des NDR-Podcast „Das Coronavirus-Update“ mit Virologe Professor Christian Drosten ging es am Montag schwerpunktmäßig um Schutzmasken. Dabei hatte Drosten eine Empfehlung für seine Hörer. 

Auf den Straßen, in den Supermärkten oder bei den restlichen Bahnreisenden sieht man immer mehr Menschen, die zum Teil auch alternativen Mundbedeckungen tragen. Die Menschen wollen sich schützen - jedoch gibt es momentan einen Lieferengpass bei Schutzmasken

Auch interessant: Virologe Kekule: Alle müssen ständig OP-Masken tragen - keine Normalität bis mindestens Ende 2020

Corona-Krise: Krankenhäuser und Pflegeheime müssen weiter mit Schutzmasken beliefert werden

Drosten weiß: „In ganz Europa gibt es einen Mangel am Markt. Die Krankenhäuser werden schon noch beliefert, aber es ist nicht so, dass es unbegrenzte Bestände gibt“. Deshalb würden sich die Einkaufsabteilungen der Kliniken schon „berechtigte Sorgen“ machen, sollte die breite Öffentlichkeit nun auf die selben Bestände zugreifen wollen und auch noch bereit sein, „Mondpreise“ zu zahlen. 

Lesen Sie auch: Kommt jetzt die Schutzmasken-Pflicht in Deutschland?*

Zudem würden immer wieder Kisten mit OP-Masken aus Krankenhäusern gestohlen. Schon vor Wochen seien neue Bestellungen aufgegeben worden, doch die „Produktion braucht Zeit“. Bis dahin sei es entscheidend, dass um die Schutzmasken keine „Marktkonkurrenz“ entstehe, weil sie nicht nur dringend in Kliniken gebraucht werden, sondern auch etwa in Pflegeheimen. Eben überall dort, wo Menschen sehr patientennah arbeiten und in diesem Nahbereich das Ansteckungsrisiko deutlich erhöht ist. 

Lesen Sie auch: Experte Drosten erwartet „ein Jahr im Ausnahmezustand“*

Mundschutz vor Corona-Ansteckung: Tatsächlich hat eine Maske zwei andere Effekte

Dabei gibt es in der Forschungsliteratur „keine oder fast keine Evidenz“, dass ein Mundschutz tatsächlich wirksam vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus schützt. Dennoch sieht der Virologe durchaus, dass es sinnvoll sein kann, Masken in der Öffentlichkeit zu tragen, etwa beim Einkauf im Supermarkt. Zwar weniger als Eigenschutz, wohl aber als Fremdschutz. Dann nämlich, wenn man sichergehen will, niemanden unbewusst anzustecken. Schließlich geht man derzeit davon aus, dass eine Infektiosität schon am Tag vor dem Einsetzen der ersten Corona-Symptome gegeben ist. Drosten spricht von einer „Höflichkeitsgeste“, die er sehr befürwortet. 

Auch interessant: Lungenarzt kritisiert den Umgang mit dem Coronavirus - Virologie-Experte Drosten kontert scharf

Coronavirus: Virologe Drosten spricht bei Mundschutz von „Höflichkeitsgeste“

Zudem könne diese Maske noch einen zweiten psychologischen Effekt haben - nämlich den einer Selbstdisziplinierung. Man werde ständig an die Gefahr einer Ansteckung erinnert und verhindert somit, dass man sich unbewusst auch weiterhin ins Gesicht fasst, die Augen reibt oder den Mund berührt. Jedoch müsse man gleichzeitig aufpassen, dass man durch den vermeintlichen Schutz nicht zu sorglos wird und andere Hygiene-Maßnahmen wie das Händewaschen schleifen lässt. 

Insgesamt findet es Drosten durchaus gut, eine Maske zu tragen, solange es keine ist, die man den Kliniken wegnimmt. Somit solle man sich entweder selber eine alternative Maske basteln bzw. aus Stoff nähen - oder aber auch einen runden Schal oder ein Halstuch verwenden.

mag

*Merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerkes

Rubriklistenbild: © dpa/Markus Scholz, dpa/Michael Kappeler

Das könnte Dich auch interessieren

Kommentare