Gespräch mit einem Gast 

1000 Gäste feierten illegale Party in Innsbruck: „Man hat das Gefühl, Corona ist vorbei“

In Innsbruck feiern bei einer illegalen Corona-Party rund 1.000 Gäste in der Sillschlucht. Ein Teilnehmer hat „das Gefühl, Corona ist vorbei.“

  • Im österreichischen Tirol gab es zuletzt vermehrt Corona-Partys.
  • Zuletzt trafen sich in der Innsbrucker Sillschlucht rund 1.000 Feiernde.
  • Es folgte ein Polizeieinsatz und Kritik. Wir haben mit jemandem gesprochen, der auf besagter Party war.

Innsbruck - Niedrige Infektionszahlen und steigende Lockerungen*. Das österreichische Tirol scheint die Corona-Pandemie* in den Griff zu bekommen. Corona-Partys wie in Innsbruck sind dennoch nicht erwünscht.

An den vergangenen Wochenenden fanden in der Landeshauptstadt mehrere „Raves“ statt. Diese unter freiem Himmel durchgeführten Partys stehen im Zeichen elektronischer Musik, sind insbesondere bei Jugendlichen beliebt - und darüber hinaus illegal.

Innsbruck: Illegale Techno-Party - nicht zum ersten Mal

Bei diesen nicht angemeldeten Partys nahmen in jüngster Vergangenheit meist etwa hundert Feiernde teil. Vor einer Woche erreichte eine Veranstaltung aber ein ungeplantes Ausmaß. Rund 1.000 Menschen trafen sich am Samstag, den 5. Juli, in der Innsbrucker Sillschlucht außerhalb der Stadt. 

Aufgeflogen ist die illegale Techno-Party wegen eines Polizeieinsatzes. Beamte wollten einen 22-Jährigen am frühen Sonntagmorgen wegen einer Alkoholvergiftung versorgen. Das Bild, das sich der Polizei am Einsatzort zeigte, wird im Polizeibericht wie folgt beschrieben: Die Gäste „befanden sich allesamt offensichtlich in einem beeinträchtigten Zustand (Alkohol und/oder Suchtgift).“ 

Daraufhin gab es von der Politik Kritik an den Veranstaltern der mutmaßlich kostenlosen Feierei. Innsbrucks Bürgermeister Georg Willi meinte gegenüber unipress.at, die Gesundheit der Gäste werde hinten angestellt, denn „die Organisatoren riskieren hier mehr als nur Strafen“. 

Doch ist den Feiernden dieses Risiko bewusst? Ein Teilnehmer der Party, mit unserem Autor entfernt bekannt, schildert seine Eindrücke. Ralph (Name geändert) ist Student, 22 Jahre alt und kommt aus Oberbayern. 

Innsbruck: Besucher der illegalen Corona-Party - „finde es hier nicht so problematisch“

Ralph, wie sind Sie auf die Techno-Party aufmerksam geworden?

Ich war mit Freunden in einer Kneipe und dann haben uns zwei junge Leute angesprochen, ob wir denn Lust hätten, mitzukommen. Und dann dachten wir uns, man könnte ja mal vorbeischauen. 

Aber sind solche Partys in Pandemie-Zeiten nicht bedenklich? 

Grundsätzlich ja, aber man muss hier auch zwischen Bayern und Österreich unterscheiden. Bei uns daheim ist es bestimmt noch mal weniger vorstellbar, aber ich finde es in Tirol nicht so problematisch.

Warum?

Die Infektionszahlen sind stabil, es gilt nicht einmal mehr die Maskenpflicht und ich finde, dass eine Veranstaltung unter freiem Himmel - trotz vieler Menschen - noch einmal etwas anderes ist. Wir waren zuvor in einer Kellerbar auf einem kleinen Konzert, dort machte ich mir mehr Gedanken um eine Infektion.

Die unbekannten Veranstalter stellten einen DJ sowie eine Lichtshow zur Verfügung. Zudem gab es eine Bar. 

Innsbruck: 1.000 Gäste feiern illegale Techno-Party: „Man hat das Gefühl, Corona ist vorbei“

Haben Sie die Party gänzlich unbesorgt besucht?

Nun ja, das war mein erster Rave und ich wusste davor nicht wirklich, worauf ich mich einlasse und hatte dementsprechend auch keine Idee, wie viele Leute kommen werden. Von dem her habe ich mir generell eher weniger Gedanken gemacht. Das liegt aber auch daran, dass Corona in Österreich nicht mehr wirklich präsent ist. 

Wie meinen Sie das?

Das öffentliche Leben wurde viel stärker hochgefahren als in Bayern oder Deutschland. Weil die Maskenpflicht auch nur noch teils in öffentlichen Verkehrsmitteln gilt, hat man das Gefühl, Corona ist vorbei. 

Um noch einmal auf die Party zurückzukommen: Im Polizeibericht ist von exzessivem Drogenkonsum die Rede. Haben Sie etwas in diese Richtung mitbekommen?

Es wurde viel Alkohol konsumiert. An einer etwas abgelegenen Stelle der Sillschlucht habe ich zwei Typen beim Koksen gesehen und ansonsten wurde öfter gekifft. Mehr habe ich nicht mitbekommen, kann aber natürlich gut sein, dass auch härtere Drogen genommen wurden. Die Stimmung war aber insgesamt sehr locker und entspannt, richtige Drogen-Leichen habe ich keine bemerkt.

Coronavirus in Tirol: Entspannte Situation, Sorge vor dem Herbst

Die Covid-19-Lage in Österreich ist aktuell vergleichsweise entspannt. Auch in Tirol, wo es im Moment gar nur 46 aktive Fälle gibt (Stand: 13. Juli, 18 Uhr, Quelle: Tiroler Landesregierung). Dementsprechend wurde im Land auch gelockert. So gilt die Maskenpflicht mittlerweile nicht mehr bundesweit, sondern nur an ausgewählten Orten, etwa in Oberösterreich. 

Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) bat aber darum, „die Maske bitte nicht wegzuwerfen, wir werden sie noch brauchen“. Vor allem im Spätherbst könne es wieder eine schwierige Situation geben, befürchten Virologen. Der aktuelle Schein geringer Neuinfektionen könne trügen. Corona ist eben nicht vorbei. (as) *Merkur.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks

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