„Piksen drei Mal so schnell wie ihr“

„Verzeiht uns unsere Schadenfreude!“ - Britische Zeitung teilt gegen deutsche Impf-Trägheit aus

In Großbritannien wird derzeit weit mehr geimpft als in Deutschland.
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In Großbritannien wird derzeit weit mehr geimpft als in Deutschland.

Die britische Tageszeitung „The Sun“ antwortet auf eine Schlagzeile der „Bild“. Dabei macht sie sich über den langsamen Impf-Fortschritt innerhalb der EU und Deutschland lustig.

München - Anders als beim Fußball, konnte die britische Tageszeitung The Sun diesen Corona-Elfmeter nicht liegen lassen. Auf eine Schlagzeile der deutschen Bild, „wir“ - die Deutschen - würden die Briten um ihren Impf-Erfolg beneiden, antwortete das Boulevard-Blatt mit viel Häme. Das einzige deutsche Wort, das der Großteil der Briten kenne, sei der Begriff „Schadenfreude“. Genau die würde man auf der Insel gegenüber der EU und Deutschland derzeit empfinden, wird der Artikel eingeleitet.

„Wir beneiden euch nicht. Wir freuen uns auf einen Sommer mit ungezügelten sozialen Kontakten, warme Monate mit Fußball-Spielen, Konzerten und Bier.“ Es erwarte sie ein glücklicher Sommer wie 1966 - damals gewannen die Engländer die Weltmeisterschaft im legendären Finale von Wembley gegen Deutschland.

Brexit: Befreiung von der Bürokratie? Kritik am europäischen Impfprogramm

Was danach folgt, ist vor allem eine Abrechnung gegen die EU. Die Briten wären „endlosen Schlägen“ von Angela Merkel und ihren „EU-Fanatikern“ ausgesetzt gewesen. „Wie wir es wagen können, ihr geliebtes Kartell zu verlassen? Wie wir es wagen können, 47 Jahre lange verwirrende Bürokratie zu beenden? Wir werden ruiniert sein, wenn sie unseren leuchtenden Stern von der EU-Flaggen entfernen. Doch wir wurden nicht ruiniert, oder?“

Stattdessen hätten sie sich mit dem Brexit von der Bürokratie befreit, schnell gehandelt und somit die metaphorischen Handtücher vor der EU auf die Liegen von AstraZeneca, Pfizer und Moderna ausgebreitet. Das europäische Impf-Programm sei gar ein „Clusterfick“ - eine Abwandlung des Wortes „Clusterfuck“, das ein organisatorisches Chaos beschreibt. „Entschuldigt unser Deutsch. Diese Genies hinter diesem Vorgehen könnten nicht einmal ein Oktoberfest in einer Brauerei organisieren.“

Coronavirus: Schon 19 Millionen Menschen in Großbritannien geimpft

Dazu sei gesagt, dass die Sun im Allgemeinen ein rechts-konservativ ausgerichtetes Blatt ist, das trotz seiner Größe sicherlich nicht für alle Briten spricht. Dabei nutzt sie neben Populismus und unsachlichen Seitenhieben zur Abwechslung auch einen Fakt bezüglich der Impfungen. „Wir piksen drei Mal so schnell wie ihr. Wir impfen euch unter den Tisch. Also ja, ihr solltet uns beneiden.“ Derzeit wurden in Großbritannien ungefähr 19 Millionen Menschen geimpft. In Deutschland sind es gerade einmal 3,6 Millionen Menschen. Und der Vorsprung wächst dementsprechend.

„Wir freuen uns jedoch nicht über euer Unglück. In der englischen Sprache gibt es kein Wort für Schadenfreude. Wir sind nicht selbstgefällig. Wir haben einfach nur einen Rat für euch. Es gibt einen Ausweg.“

Deutscher EU-Ausstieg? Ihr habt eine Position von wahrer Macht

So schlägt die Boulevard-Zeitung vor, dass sich Deutschland selbst einen Weg aus der EU bahnt. „Euer Land ist die größte Wirtschaftskraft Europas - die viertgrößte der Welt. Ihr produziert einige der begehrtesten Waren der Welt. Wir lieben eure Autos und euer Küchen-Zubehör. Ihr habe eine Position von wahrer Macht auf diesen Planeten. Wäre Tinder eine globale Plattform, würde jeder nach rechts wischen, wenn er euch sehen würde.“

Abschließend möchte Autor Colin Robertson wissen, was denn das deutsche Wort für „Brexit“ sei. Nur so könne die deutsche Politik alles wieder geraderücken. Die politischen, kulturellen und wirtschaftlichen Folgen des britischen EU-Austritts ließ er dabei jedoch unerwähnt. Nicht, dass da noch jemand Schadenfreude empfindet. (ta) *Merkur.de ist Angebot von IPPEN.MEDIA.

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