ECDC mit arger Prognose

EU-Behörde zweifelt an Deutschlands Corona-Maßnahmen: „Es gibt neun Länder, in denen wir vorhersagen, dass ...“

Eine Mitarbeiterin eines Labors überführt einen trockenen Abstrich eines molekularbiologischen Tests auf das SARS-CoV-2-Virus in eine Flüssigkeit.
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Corona in Deutschland: Die Labore sind am Limit. Das RKI empfiehlt eine neue Corona-Test-Strategie (Symbolfoto).

In Deutschland bleiben die Coronavirus-Fallzahlen konstant auf hohem Niveau - trotz Teil-Lockdown. Alle warten vor Weihnachten auf einen Abwärtstrend. Eine aktuelle Prognose sieht dagegen finster aus.

München - Im Oktober und Anfang November sind die Corona-Fälle in Deutschland rasant gestiegen. Im Augenblick pendeln sich die Infektionszahlen nach Angaben des Robert-Koch-Instituts* (RKI) auf einem hohen Level ein. Von Entspannung und einem deutlichen Trend ist bisher nichts zu sehen. Obwohl, seit Anfang November das öffentliche Leben weitgehend lahm liegt. Bars und Restaurants sind geschlossen. Konzerte abgesagt.

Die aktuellen Corona-Maßnahmen in Deutschland stehen zur Debatte. Bund und Länder wollen die Regeln jetzt verschärfen, den Teil-Lockdown bis zum 20. Dezember verlängern. Es ist ein ziemliches Gerangel um verschiedene Punkte, Weihnachten, Silvester, Schulferien, Kontaktverbote und Maskenpflicht. Wer darf wen, wann treffen und wenn ja, wie viele überhaupt...

ECDC gibt bittere Corona-Prognose für Deutschland ab

Wohl zur rechten Zeit gibt die EU-Gesundheitsbehörde ECDC eine Prognose zu der Wirksamkeit der „nicht-pharmazeutischen Maßnahmen“ in den europäischen Ländern ab. Deutschland kommt dabei allerdings nicht gut weg.

„Es gibt neun Länder, in denen wir vorhersagen, dass die momentanen Maßnahmen nicht ausreichend sein werden, um zu einem Abwärtstrend bei der Inzidenz der bestätigten Fälle zu führen“, hieß es in einem am Montag veröffentlichten ECDC-Bericht. Dazu zählt auch Deutschland.

ECDC-Report: Szenario bis Weihnachten

In einem Bericht stellt die ECDC für jedes Land eine längerfristige Prognose bis zum 25. Dezember 2020 vor. „Wir modellieren weiterhin ein ‚Status-quo‘-Basisszenario, wobei wir davon ausgehen, dass alle Anfang November 2020 geltenden Kontrollmaßnahmen bis zum Ende des Projektionszeitraums fortgesetzt werden“, erklärt die ECDC. Das mathematische Modell basiere auf verfügbaren epidemiologischen Daten und wissenschaftlichen Erkenntnissen bis zum Zeitpunkt der Veröffentlichung.

Die Zahl der Coronainfektionen, Todesfälle sowie die Einweisung von Covid-19-Patienten in Krankenhäusern und auf Intensivstationen wurden in der Analyse berücksichtigt. Um die Prognose zu verdeutlichen, stellt das ECDC zwei verschiedene Szenarien in einer Grafik dar:

  • Im ersten Szenario - ‚Status-quo‘-Basisszenario - werden wie schon oben erwähnt, die Corona-Maßnahmen, die seit dem 10. November in Kraft waren bis zum 25. Dezember bewertet.
  • Im zweiten Szenario - 1. April Szenario - wird der Erfolg der Maßnahmen berechnet, wenn das Land auf das Niveau der Maßnahmen vom April 2020 zurückkehren würde.
Corona in Deutschland: Eine Grafik der EU-Gesundheitsbehörde ECDC bewertet zwei Szenarien.

Die ECDC räumt zwar ein, dass die Ergebnisse eventuell an der Methode und Klassifizierung liegen könnten. Doch die Analyse zeige geeignete Strategien im Modell.

Die ECDC schätzt, dass die Zahl der Neuinfektionen in Deutschland nur durch strengere Corona-Maßnahmen sinkt. Auch die Zahl der Krankenhauseinweisungen sowie Todesfälle würden zurückgehen. Die Bevölkerung müsste jedoch zu ihrem Verhalten wie im Frühjahr 2020 zurückkehren. (ml) *Merkur.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks

Auch ein Mediziner gab schon eine düstere Prognose für 2021 ab, nannte aber auch einen wichtigen Wendepunkt.

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