Streit eskaliert

Corona-Ausbruch: Clemens Tönnies reagiert deutlich auf Rücktritts-Forderung - und zieht Schlüsse aus der Krise

Der Coronavirus-Ausbruch lässt den Streit zwischen den Inhabern hochkochen. Robert Tönnies hat den Rücktritt seines Onkels Clemens Tönnies gefordert.

  • Beim Schlachtbetrieb Tönnies im Kreis Gütersloh haben sich Hunderte Menschen mit dem Coronavirus* infiziert.
  • Durch den Ausbruch eskaliert ein jahrelanger Streit zwischen den Inhabern Clemens und Robert Tönnies.
  • Robert Tönnies hat seinen Onkel nun in einem Brief zum Rücktritt aufgefordert.

Update vom 20. Juni: „Ich werde dieses Unternehmen aus der Krise führen“, warf Clemens Tönnies alle Rücktritts-Spekulationen zurück. Im Rahmen einer kurzfristig anberaumten Pressekonferenz zum Corona-Ausbruch in seiner Wurst-Fabrik in Gütersloh wehrte er sich gegen die Vorwürfe des Landkreises und stellte klar, Schlüsse aus dem Vorfall ziehen zu wollen

Seit Jahren führt Neffe Robert Tönnies einen Streit um den großen Schlachtbetrieb. In einem offenen Brief hatte seinen Onkel Clemens aufgefordert, den Weg frei zu machen. Dessen Sohn, Max Tönnies, solle die Geschäftsführung übernehmen. Clemens Tönnies stellte nun aber unmissverständlich klar, das Unternehmen auch weiterhin leiten zu wollen. „Ich mach‘ mich nicht aus dem Staub“, ergänzte er im Hinblick auf die aktuelle Krise.

Ob durch Tönnies-Fleisch das Coronavirus auf den Verbraucher übertragen werden kann, können Sie hier nachlesen. 

Corona-Ausbruch: Neffe fordert Rücktritt von Clemens Tönnies - und macht ihm gravierende Vorwürfe

Erstmeldung vom 18. Juni: Gütersloh - Im europaweit größten Fleischkonzern Tönnies haben sich hunderte Beschäftigte mit dem Coronavirus infiziert. Die gesamte Belegschaft wurde in Quarantäne* geschickt. Die Ursache des Ausbruchs ist derzeit noch unklar. Unternehmenssprecher verweisen etwa auf die niedrigen Temperaturen in den Kühlhäusern, die womöglich eine Ausbreitung begünstigen. Auch das lange Wochenende war als Ursache im Gespräch, da womöglich viele polnische oder rumänische Mitarbeiter ihre Familien besucht haben. Experten sehen beide Vermutungen kritisch. 

Gütersloh: Nach Corona-Ausbruch fordert Neffe Rücktritt von Clemens Tönnies

Zur Frage nach den Hintergründen kommt nun die Frage nach der Verantwortung ins Spiel. Robert Tönnies, Mitinhaber und Sohn des verstorbenen Firmengründers Bernd Tönnies*, sieht diese bei seinem Onkel Clemens Tönnies. In einem Brief, über den das Manager Magazin berichtet hatte, schrieb er:

„Aufgrund dieses unverantwortlichen Handelns und der Gefährdung des Unternehmens und der Bevölkerung fordere ich die Geschäftsleitung und die verantwortlichen Beiratsmitglieder auf, die notwendigen Konsequenzen aus ihrem Tun zu ziehen und geschlossen von Ihren Ämtern zurückzutreten.“ Die Führung des Unternehmens müsse „so schnell wie möglich einem erfahrenen und verantwortungsbewussten Krisenmanagement übertragen werden.“

Tönnies-Streit eskaliert nach Corona-Ausbruch in Fleischfabrik

Robert Tönnies wirft der Geschäftsleitung und dem kontrollierenden Beirat vor, seit 2017 geltende Unternehmensleitsätze zur Abschaffung von Werkverträgen nicht umzusetzen. Er sei mit seinen Hinweisen und Vorstößen stets abgeblockt worden, heißt es in dem Brief. 

„Dass gerade in Schlachtbetrieben die Infektionszahlen weit überdurchschnittlich hoch sind, ist ganz sicher auch dem System der Werkverträge geschuldet; es zwingt viele Arbeiterinnen und Arbeiter in unzumutbare Wohnverhältnisse, die mit einem hohen Ansteckungsrisiko verbunden sind und nur wenig Schutzmöglichkeiten bieten, wenn einmal eine Infektion* auftritt“, schreibt er in dem Brief.

Zwischen den beiden Inhabern, die je 50 Prozent an Tönnies halten, besteht seit Jahren ein Streit um die Führung und Ausrichtung des Schlachtkonzerns.

Coronavirus bei Tönnies: Clemens Tönnies war kürzlich bereits wegen rassistischer Äußerung in die Schlagzeilen geraten

Schon vor einigen Monaten war Clemens Tönnies in seiner Position als Aufsichtsratsvorsitzender des FC Schalke 04 wegen rassistischer Äußerungen in die Schlagzeilen geraten. Vor dem Hintergrund der Diskussionen um Steuererhöhungen im Kampf gegen den Klimawandel sagte er während einer Rede, dass man lieber jährlich 20 Kraftwerke in Afrika errichten solle, damit die „Afrikaner aufhören, Bäume zu fällen“ und „wenn‘s dunkel ist, Kinder zu produzieren.“ Er entschuldigte sich für die Aussage und lies sein Amt für drei Monate ruhen.

Einen Eklat hat auch Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) in Zusammenhang mit dem Massenausbruch bei Tönnies provoziert. Der Fall könnte auf die Rückkehr eines alten politischen Problems hindeuten.

Tönnies ist auch Aufsichtsratsvorsitzender auf Schalke und dort mittlerweile völlig untragbar. Nur ohne den Fleisch-Giganten schafft es S04 aus der Krise. Ein Kommentar*.

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Rubriklistenbild: © picture alliance/dpa / David Inderlied

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