Söder: Brauchen Milliarden Masken

Corona-Krise: Experte warnt eindringlich vor falschem Gebrauch von Stoffmasken - „Das schlimmste, was passieren kann ...“

Mundschutz-Masken sind in der Corona-Krise heißbegehrt. Laut Söder braucht man in Deutschland am Ende Milliarden. Doch Experten warnen vor dem Gebrauch von Stoffmasken. 

Update vom 15. April 2020: Im Kampf gegen die Ausbreitung des Coronavirus haben sich Bund und Länder wohl gegen eine Tragepflicht von Atemschutzmasken im öffentlichen Verkehrsmitteln und im Einzelhandel entschieden. 

Update vom 3. April 2020, 15.10 Uhr: Medizinisches Schutzmaterial ist in Zeiten der Coronavirus-Pandemie heiß begeehrt. Der Markt ist hart umkämpft. An vielen Stellen fehlt es an Atemschutzmasken. „Das was geht, kaufen wir von ausländischen Herstellern“, sagte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) am Freitag bei einer Pressekonferenz. Spahn will den Aufbau der heimischen Produktion von Schutzmasken vorantreiben. „Die ganze Welt kauft gerade Schutzmasken“, sagte Spahn. Wie die Bild berichtet, bestätigte Spahn gegenüber dem Blatt, dass die USA eine Lieferung nach Berlin abgefangen und ins eigene Land umgeleitet habe.

Auch in Bayern steigt die Zahl der Corona-Fälle, die in Bayerns Krankenhäusern aufschlagen. Sowohl in den Intensivstationen als auch insgesamt. Nun warnt Siegfried Hasenbein, der Geschäftsführer der Bayerischen Krankenhausgesellschaft (BKG) vor einem Mangel an Schutzausrüstung*. In Nordrhein-Westfalen will ein Virologe der Dunkelziffer* auf die Spur kommen.  

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Schutzmasken - USA fängt Lieferung nach Deutschland ab    

Update 14.57 Uhr: Das Land Berlin wartet auf Atemschutzmasken - Typ FFP2 und FFP3 - aus China. Wie der Tagesspiegel berichtet, soll eine bestellte Lieferung auf dem Weg nach Deutschland von den USA abgefangen und in die Vereinigten Staaten umgeleitet worden sein. Selbigen Vorwurf gab es am Donnerstag aus Frankreich. Donald Trumps Regierung scheint bei ihrem Unternehmen „America First“ rigoros vorzugehen*.

Kanzlerin Angela Merkel berät nun mit dem Krisen-Kabinett über weitere Corona-Maßnahmen in Deutschland.*

„Zupfen Sie nicht an ihrer Maske rum, fassen Sie sich nicht ins Gesicht“ - warnt RKI-Chef

Update vom 3. April 2020, 13.05 Uhr: Das Thema Schutzmasken in der Corona-Krise sorgt für Debatten. Um die Ausbreitung des Virus weiter zu stoppen, empfehlen Wissenschaftler unter bestimmten Voraussetzungen auch selbstgenähte Atemschutzmasken in der Öffentlichkeit zu tragen. Medizinische Masken - sogenannte OP-Masken und FFP-Masken müssen für das medizinische Personal vorbehalten bleiben, betont RKI-Chef Lothar Wieler am Freitag beim Pressebriefing in Berlin zur Corona-Lage in Deutschland.

Für die Bevölkerung sei, laut Wieler, das Abstandhalten (mindestens 1,5 Meter) das Wichtigste. Dazu eine gute Handhygiene und das Beachten der Husten und Niesregeln.

Stoffmasken könnten dabei helfen, andere zu schützen, räumt der RKI-Chef ein. „Sie helfen nicht dabei den Maskenträger selbst zu schützen“, so Wieler. Da sei ein ganz wichtiger Punkt. Andere anzustecken, könnte mit einer „Behelfsmaske“ verhindert werden. Zumal viele Covid-19-Patienten keine Symptome verspüren und dann die Viren verbreiten. Wer krank ist und Symptome hat, sollte jedoch unbedingt zu Hause bleiben. „Fahren Sie nicht U-Bahn - auch nicht mit einer Textilmaske - bitte bleiben Sie zu Hause“, betont RKI-Chef. 

Damit diese Stoffmasken richtig funktionieren, sei es nach RKI-Einschätzungen ganz wichtig, folgende Dinge zu beachten:

  • Die Maske funktioniert nur, wenn sie richtig sitzt, eng anliegt. 
  • Die Maske muss nach Durchfeuchtung gewechselt werden. 
  • Beim Tragen einer Maske dürfen Sie sich nicht ständig anfassen oder die Maske zurechtzupfen. Denn, dann fassen Sie sich ins Gesicht.

RKI-Chef Wieler warnt: „Das schlimmste, was passieren kann, wenn man sich mit einer Maske in Sicherheit wiegt“.

Mit einer Stoffmaske sei es auch wichtig Abstand zu halten und sich an die anderen Regeln, wie regelmäßises Händewaschen zu halten. Top-Virologen wie Christian Drosten* von der Berliner Charité und Alexander Kekulé* von der Universität Halle machen sich seit längerem für das Tragen einer Maske in der Öffentlichkeit stark. Bislang fehlten wissenschaftliche Studien zu diesem Thema. Doch offenbar liegt nun eine vor.     

Corona-Krise: Abmahn-Anwälte stoppen Masken-Produktion

Update vom 2. April 2020, 20.00 Uhr: Viele Firmen setzen in der Corona-Krise* auf die Herstellung von Stoffmasken. Die Augsburger Näherei und Textilfirma Manomana produziert ebenfalls die Gesichtsbedeckungen, auch wenn sie nur wenige davon ausliefern können. Schuld daran sollen Abmahn-Anwälte sein. 

Corona-Krise: Unternehmerin beklagt Mundschutz-Politik - Anwälte sollen Schuld sein

In einem Interview mit n-tv sagte die Manomana-Chefin Sina Trinkwalder, dass in ihrer Firma bis zu 60.00 Masken täglich hergestellt werden könnten. Jedoch dürfte sie davon „lediglich einen Bruchteil“ ausliefern. Der Grund dafür ist die problematische Auslieferung ihrer Masken. Ihr Unternehmen dürfe die Masken „nur im offiziellen Auftrag von Behörden oder systemrelevanten Einrichtungen im Rahmen der Notversorgung“ abgeben. 

Ob die Masken verschenkt oder verkauft werden ist dabei irrelevant. „Jede kleine Anfrage von privaten Pflegediensten etwa oder Kinderhospizen müssen wir ablehnen“, erzählt die Trinkwalder. Doch was die Unternehmerin fürchtet, sind Bußgelder oder Strafen, falls sie die Masken in Umlauf bringen sollte. Dies würde die Justiz auf den Plan rufen. 

Corona-Krise: „Mund-Nase-Abdeckungen“ statt Mundschutz? Unternehmen sorgen sich um Abmahnungen

„Wir nähen bereits rund 10.000 Mund-Nase-Abdeckungen – hier muss ich schon aufpassen, dass ich nicht 'Schutz' oder etwas Ähnliches sage“, so Trinkwalder. Tatsächlich warnen Anwälte davor, Masken, die nicht als Medizinprodukte zugelassen sind, in Umlauf zu bringen. Der Begriff „Schutz“ dürfe nicht als Bezeichnung verwendet werden, um eine Irreführung zu vermeiden. „Wer sie dennoch in Umlauf bringt, kann sich unter Umständen strafbar machen“, weiß die Textilunternehmerin.  Neben Abmahnungen drohen Anbietern auch Straf- und Bußgeldverfahren.

Bezeichnungen wie „Mundbedeckung“, „Gesichtsmaske“, „Mund-Shirt“ oder „Nasenstoff“ seien laut einer Rechtsanwaltskanzlei auf Facebook jedoch zugelassen. Man könnte seine Masken auch medizinisch zertifizieren lassen. Dies nehme jedoch zu viel Zeit in Anspruch.

Corona-Krise: Söder glaubt, dass „Milliarden Masken“ bundesweit gebraucht werden

Markus Söder sieht ebenfalls Bedarf. „Wir werden auf Dauer enorm viel Masken brauchen. Ich glaube, dass wir am Ende in Deutschland Milliarden Masken brauchen", meinte der bayerische Ministerpräsident am Donnerstag im niederbayerischen Weng. Priorität hätten dabei medizinisches Personal sowie Alten- und Pflegeheime. Doch die Masken bräuchte man „in der breiten Entwicklung auch irgendwann, wenn es um den Arbeitsschutz geht, um das Miteinander.“ Neben Söder hat auch NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann das Thema Schutzmasken und darüber hinaus auch anderes dringend notwendiges Schutzmaterial in den Fokus genommen. Bei einer Pressekonferenz machte er deutliche Ansagen zur Versorgungslage in seinem Bundesland

Update vom 2. April 2020, 15.35 Uhr: Das Robert-Koch-Institut mitten in der fortschreitenden Corona-Krise seine Einschätzung zum Tragen von Mundschutz geändert. Wenn Menschen - auch ohne Symptome - vorsorglich eine Maske tragen, könne das dasRisiko einer Übertragung von Viren auf andere vermindern, heißt es nun auf der Internetseite der Bundesbehörde. Das sei jedoch nicht wissenschaftlich belegt. Zuvor hatte das RKI den Mundschutz nur Menschen mit akuten Atemwegserkrankungen empfohlen. 

Corona-Krise: RKI ändert Empfehlung zu Schutzmasken - und warnt gleichzeitig

Das RKI gibt allerdings auch eine Begründung für die Empfehlungsänderung. Nicht jeder, der mit Sars-CoV-2 infiziert ist, bemerke das auch, hieß es. Manche Infizierte würden gar nicht erkranken, könnten den Erreger aber trotzdem weitergeben. Das Institut betont zugleich, dass Regeln zum Husten- und Niesen, zum Mindestabstand und zur Händehygiene auch mit Masken weiterhin eingehalten werden sollen. Weiter wiesen die Experten darauf hin, dass es keine hinreichenden Belege dafür gebe, dass ein Mund-Nasen-Schutz oder eine selbstgenähte Maske den Träger selbst vor einer Ansteckung schützt

Update vom 2. April 2020: Wie steht Deutschland zum Thema Schutzmasken-Pflicht? Das hat der Spiegel stichprobenartig in 16 Kommunen nachgefragt, nachdem in den Tagen zuvor im Nachbarland Österreich und in der Stadt Jena in Thüringen eine Schutzmasken-Pflicht in bestimmten Situationen, beispielsweise beim Einkaufen im Supermarkt, angeordnet wurde. 

Auch der aktuell selbst an Covid-19 erkrankte Bezirksbürgermeister von Berlin Mitte, Stephan von Dassel (Grüne), wünscht sich laut dem Spiegel-Bericht die Pflicht für einen Mund- und Nasenschutz der Berliner in der Öffentlichkeit. Neben Jena ist nun auch der thüringische Landkreis Nordhausen in Sachen Schutzmasken-Pflicht aktiv geworden. Ab Montag wird es dort offiziell empfohlen, in Geschäften, Bussen und Taxis eine Schutzmaske zu tragen. Nach Ostern wird es laut neuer Allgemeinverfügung dort zur Verpflichtung.  

Corona-Krise: Schutzmasken-Pflicht ist als Maßnahme umstritten

Doch unter Stadtoberhäuptern in kommunalen Krisenstäben ist die Maßnahme umstritten. So warnt Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD): „Nach Einschätzung meiner Fachleute könnte eine solche Maskenpflicht in der Bevölkerung auch zu einem trügerischen Gefühl von Sicherheit beitragen.“ So könnte Reiter zufolge gerade das Tragen von Schutzmasken die Menschen davon Abhalten, sich weiterhin an die „sinnvollen und strikten“ Abstandsregeln zu halten. Für die bayerische Landeshauptstadt werde deshalb derzeit keine solche Regelung geplant.

Immer mehr Menschen in Deutschland tragen in der Öffentlichkeit freiwillig Schutzmasken. Wie hier Alt-Kanzler Schröder mit seiner Lebensgefährtin.

Auch wegen des geringen Bestands an Masken wird eine Verpflichtung von vielen abgelehnt. Noch immer fehlt es gerade in Bereichen, wo Schutzkleidung dringend benötigt wird, an Masken: in Krankenhäusern, bei Pflegediensten und -heimen. Die Stadt Jena rief ihre Bürger daher auf, selbst Masken zu nähen. Als Schutz gelten im Sinne der Regelung auch Tücher und Schals, die Mund und Nase bedecken. 

Während Länder wie Österreich, Südkorea und Taiwan, die eine Schutzmasken-Pflicht bereits angeordnet haben, lehnt die Bundesregierung das derzeit ab. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn sagte in einer Pressekonferenz am Dienstag, dass er dafür noch „keine Notwendigkeit“ sehe. Er nannte es aber ein „gutes Signal“, wenn Menschen sich freiwillig für einen Mundschutz entscheiden. 

In der stichprobenartigen Spiegel-Umfrage reagieren andere Kommunen eher ablehnend auf den Vorschlag einer Mundschutz-Pflicht. So forderte der Oberbürgermeister von Hanau die Bürger beispielsweise auf, „freiwillig“ auf den Straßen selbst geschneiderte Masken zu tragen. Jedoch warnt er vor dem Kauf einer professionellen Schutzmaske, weil diese Moment an anderer Stelle gebraucht würden.

Corona-Krise: Viele Politiker raten von einer Schutzmasken-Pflicht ab

Auch Bernd Wiegand, Oberbürgermeister von Halle (Saale) will keine Pflicht verordnen, rät aber ebenfalls zum freiwilligen Tragen. Ebenfalls keine Verpflichtung einführen wollen die Behörden in Essen, Flensburg, Freiburg im Breisgau, Lübeck und Frankfurt (Oder). In diese Aufzählung reiht sich auch Magdeburg ein. „Ich bin der Meinung, dass den Menschen genug verordnet wurde. Es sollte jeder für sich entscheiden“, sagte der dortige Oberbürgermeister Lutz Trümper. 

Und sogar Stephan Pusch, Landrat im Kreis Heinsberg (NRW), in dem prozentual nach wie vor die meisten Corona-Fälle in Deutschland registriert, steht Schutzmasken verhalten gegenüber: „Bislang hat mir kein Virologe gesagt, dass das notwendig sei“, sagte Pusch. 

Auch die Landesregierungen sind zurückhaltend. In Hamburg will man zunächst die Versorgungslage im Gesundheitswesen und anderen sensiblen Bereichen verbessern, bevor über weitere Maßnahmen entschieden wird, berichtet der Spiegel. Die sächsische Landesregierung zieht die Schutzmaskenpflicht als Option offenbar erst nach Ostern in Betracht. Und auch der bayerische Ministerpräsident Markus Söder (CSU), sein thüringischer Kollege Bodo Ramelow (Linke) und Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD, Rheinland-Pfalz) wollen zumindest bislang keine Schutzmasken-Pflicht. 

ARD-Tagesthemen: Mit Mundschutz vor der Kamera - Appell an die Zuschauer

Update vom 1. April 2020: Am Dienstag hatten sich mehrere einflussreiche Ministerpräsidenten gegen eine Maskenpflicht in Deutschland zu diesem Zeitpunkt ausgesprochen. Neben Markus Söder und Winfried Kretschmann lehnte das auch NRW-Ministerpräsident Armin Laschet ab. Er halte eine solche Pflicht aktuell nicht für notwendig. Die Priorität liege derzeit darauf, mehr Schutzmasken für medizinisches Personal zu beschaffen. Auch Gesundheitsminister Jens Spahn sieht das so: „In der jetzigen Lage sehe ich keine Notwendigkeit für eine Verpflichtung, nehme aber eine große Bereitschaft zur Solidarität wahr, um andere zu schützen. Und das ist ein gutes Signal.“

Eine andere Sichtweise präsentierte SWR-Redakteurin Kristina Böker in den ARD-Tagesthemen. Ja, es sehe komisch aus mit einem Mundschutz herumzulaufen und sie habe „drei Tage gezögert“. Es bleibe ein „seltsames Gefühl, das zum März 2020 passt“. Nun aber trage sie den von ihren Kindern selbst genähten Mundschutz doch. 

Nach dem persönlichen Einstieg in ihren Kommentar, sogar mit Maske zum Anfang, folgte ein gesamtgesellschaftlicher Appell. Zuerst seien auch Schulschließungen und Ausgangsbeschränkungen als zu drastisch  angesehen worden, doch das Leben sei völlig auf den Kopf gestellt worden. „Wir verzichten gerade in einem erheblichen Ausmaß auf Grundrechte und auf große Teile des Wirtschaftslebens zugunsten des Gesundheitsschutzes.“ Da sei es nur noch ein „kleiner Schritt“ jetzt auch noch Masken zu tragen. Eben überall dort, wo es zu eng ist für den Mindestabstand, etwa in Bussen und Bahnen oder in Supermärkten. „Ob Appell oder Pflicht - ich würde mich daran halten“, sagte Böker.

Kommt die Mundschutz-Pflicht in Deutschland? Söder spricht von „Notstand“ - Kretschmann: „Ganz falsch“

Update 13 Uhr: Auch Baden-Württembergs Ministerpräsident  Winfried Kretschmann lehnt zum Schutzmaskenpflicht in Deutschland ab. Es wäre „ganz falsch“ nun noch zusätzlich eine Knappheit zu erzeugen, da derzeit dringend Masken für den medizinischen Bereich gebraucht werden. 

Eine wissenschaftliche Studie hat sich nun damit befasst zu welchem Zeitpunkt der Höhepunkt und womöglich ein Ende der Corona-Pandemie in Deutschland erreicht sein könnte. Indes steigen die Corona-Fallzahlen in Baden-Württemberg weiter an. 

Maskenpflicht in Deutschland? Ministerpräsident Söder befürchtet Hamsterkäufe

Update, 12.34 Uhr: Bayerns Ministerpräsident Markus Söder hat sich am Dienstag zum Thema Atemschutzmasken geäußert. Damit reagierte er auch auf die neu eingeführte Pflicht in Österreich. Söder hält eine Masken-Pflicht in Deutschland nicht für richtig. Seiner Aussage nach sei man sich in diesem Punkt auch auf Bundesebene einig. 

Demnach könnte eine solche Pflicht zu Hamsterkäufen bei Atemschutzmasken führen. Das wäre kontraproduktiv, da vor allem Personal im Gesundheitswesen medizinische und hochwertige Masken brauche. Hier könnten dann die wichtigen Masken erst recht fehlen, da sie andernorts gehortet würden. „Aktuell sind sich alle einig: Wenn es Masken betrifft, brauchen Ärzte und etwa Pfleger aktuell Masken, weil hier die Infektionsgefahr höher ist“, so Söder.

Auch eine Pflicht in Supermärkten, wie es sie nun in Österreich gibt, hält Söder nicht für nötig. Für ihn wäre es wichtiger, dass etwa in Büros oder Orten, an denen Menschen über längere Zeit miteinander arbeiten müssten, Masken vorhanden sind.

Dennoch stellte der bayerische Ministerpräsident auch klar, dass es aktuell schwierig sei genau diese hochwertigen Masken auf dem Weltmarkt zu bekommen. Söder sprach von einem „Notstand“. 

Ein Insider hatte bereits am Montag berichtet, dass zunehmend Einkäufer aus den USA auf dem Weltmarkt versuchen würden europäische Angebot für Masken aus Asien zu überbieten. 

Olaf Scholz sagte auf derselben Pressekonferenz, dass man nun auch in Deutschland Masken produzieren wolle und Firmen finanzielle Anreize bieten wolle, um die Produktion auf dieses Produkt umzustellen. Es gebe bereits eine ganze Reihe von Herstellern, die zur Maskenproduktion bereit seien. „Das kann jetzt ganz schnell geschehen, und wir sind dabei, das mit großem Nachdruck umzusetzen.“

Im Gegenzug gebe der Bund „Finanzzusagen, die erforderlich sind, damit Unternehmen jetzt gewissermaßen in das Risiko gehen, ihre Produktion umstellen und Dinge herstellen, die sie vielleicht nicht ewig herstellen werden“, erklärte Scholz. Er habe dies bereits mit Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) besprochen.

Darüber hinaus kooperiere die Bundesregierung beim Einkauf von Schutzausrüstungen inzwischen auch mit weltweit agierenden Unternehmen, damit die Beschaffungs verbessert werde.

Update, 11.40 Uhr: In Kürze spricht Markus Söder in einer Pressekonferenz hier live.* Eventuell wird er sich auch zu einer möglichen Schutzmaskenpflicht äußern.

Ursprünglicher Artikel, 8.01 Uhr: Berlin/München - Tragen wir Deutsche bald alle Mundschutz in der Öffentlichkeit, um die Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen? Österreich gilt ab Mittwoch eine Pflicht, Mund- und Nasenschutz zu tragen. Die Masken werden vor den Supermärkten verteilt. Mittelfristig soll es eine Mundschutzpflicht überall in der Öffentlichkeit geben. Die Masken dienen insbesondere dem Fremdschutz, also um nicht andere unbewusst anzustecken, sofern man das Virus bereits unwissentlich in sich trägt. 

Maskenpflicht in Deutschland: Jena macht als erste Stadt Mundschutz zur Pflicht

Auch die Stadt Jena geht einen ähnlichen Weg. Als erste deutsche Stadt will sie ab kommender Woche eine Schutzmaske zur Pflicht machen, etwa im öffentlichen Nahverkehr oder in Gebäuden mit viel Publikumsverkehr. Auch Tücher oder Schals sind möglich, sofern sie Nase und Mund bedecken. Das Rathaus bittet die Bevölkerung „eindringlich“ darum, Schutzmasken selbst zu nähen.

Virologen haben ebenfalls schon das Tragen von Schutzmasken in der Öffentlichkeit vorgeschlagen. In seinem NDR-Podcast sprach Virologe Christian Drosten davon, dass auch Halstücher als Schutz vor einer Ansteckung* anderer sinnvoll sein können. Sein Kollege Alexander Kekulé entwarf in seinem MDR-Podcast ein Exit-Szenario*, nach dem die Deutschen wohl über Monate entsprechende Masken in der Öffentlichkeit tragen müssten. 

Kommt die Schutzmaskenpflicht in Deutschland? Söder weicht im Morgenmagazin der Frage aus

Ist das nun der erste Schritt zu einer deutschlandweiten Schutzmasken-Pflicht? Bayerns Ministerpräsident Markus Söder wich am Dienstagmorgen im Morgenmagazin von ARD und ZDF der Frage aus. Derzeit, so Söder, sei nicht geplant eine solche Pflicht einzuführen. Das wichtigste sei derzeit, sich an den Mindestabstand einzuhalten. 

Deutschland brauche zunächst mehr Masken, „und zwar die hochwertigen Masken, die medizinisch perfekten Masken für unser gesamtes Personal in Krankenhäusern und Arztpraxen. Allein daran fehlt es ja. Deswegen ist es wichtig, dass wir zunächst nicht über eine Pflicht diskutieren, sondern über eine Beschaffung.“ Söder sprach sich für eine „nationale Notfallproduktion“ aus. 

Bundesregierung warnt vor „falschem Sicherheitsgefühl“ bei Maskenpflicht

Auch der Sprecher der Bundesregierung, Steffen Seibert, gab sich auf Anfrage am Montag zurückhaltend. Ein solcher Schutz sei "vielleicht eine sinnvolle Ergänzung zu den ohnehin geltenden Hygieneregeln", sagte Seibert. Dies dürfe aber nicht dazu führen, "dass sich ein falsches Sicherheitsgefühl einstellt" und die Regeln wie Abstand halten, Hände waschen und Kontakte vermeiden nicht mehr eingehalten würden.

Ein Sprecher des Bundesgesundheitsministeriums dagegen sagte, dass die Nutzung solcher Mund-Nasen-Masken insbesondere dann in Erwägung gezogen werden könnte, wenn über Ausstiegsszenarien aus den aktuell geltenden Corona-Maßnahmen nachgedacht werde.

Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach sagte dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND): "Aus medizinischer Sicht halte ich eine solche Bestimmung persönlich für sehr sinnvoll." Die Bedeutung von Masken zur Eindämmung der Ausbreitung des Coronavirus sei anfänglich stark unterschätzt worden. Voraussetzung sei aber, "dass es genug Masken gibt und sie dem medizinischen Personal nicht fehlen".

Maskenpflicht müsste von Bundesländern oder kommunalen Gesundheitsbehörden verordnet werden

Rechtlich wäre ein solcher Maskenzwang dem RND-Bericht zufolge in Deutschland möglich. Anordnen müssten ihn allerdings die Bundesländer oder die kommunalen Gesundheitsbehörden. Entsprechende Planungen würden nach RND-Recherchen in den Länder noch nicht laufen.

Kommt in Deutschland die Handydaten-Überwachung? Ein Virologe warnt vor einer „Pseudo-Sicherheit“ und nennt einen solchen Plan „hellen Wahnsinn“. Ein Mann aus dem besonders betroffenen Heinsberg spuckte bei einem Polizeieinsatz einen Beamten an und schrie: „Ich habe Corona!“ Dies ist nicht der einzig kuriose Fall, ein anderer Mann rief seinen Mitmenschen lautstark zu sie sollten „mehr Liebe machen“ und warf dabei mehrere tausend Euro von seinem Balkon

mag/dpa

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Armin Laschet reagiert dünnhäutig auf die Fragen von ARD-Moderatorin Dunja Hayali. Sie konfrontierte ihn mit seinen schlechten Umfragewerten während der Corona-Krise.

Rubriklistenbild: © dpa / Daniel Karmann

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