Vier (+ ein Ösi) sind Werder Bremen – Die nordbuzz-Kolumne

Der richtige Zeitpunkt: Clemens Fritz hört auf und ich bin mehr Fan denn je

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Die nordbuzz-Kolumnisten (v.l.): Tobias Holtkamp, Laura Wontorra, Tim Borowski, Sebastian Prödl und Moritz Cassalette.

In der wöchentlichen nordbuzz-Kolumne „Vier (+ ein Ösi) sind Werder Bremen“ schreiben unsere Experten im Wechsel über den SVW. Werder-Legende Tim Borowski, TV-Moderatorin Laura Wontorra, der österreichische Nationalspieler und Ex-Bremer Sebastian Prödl, Sportjournalist Tobias Holtkamp und NDR-Bundesliga-Reporter Moritz Cassalette spielen sich die Bälle zu: mal emotional, mal analytisch, aber immer authentisch.

In dieser Ausgabe schreibt Laura Wontorra.

Der Pokalsieg 2009 war der größte Erfolg von Clemens Fritz mit Werder – ich war damals 19 Jahre alt, live im Stadion und glühender Fritz-Fan. Im Mai 2017 – also acht Jahre später beendet Clemens Fritz seine aktive Karriere und ich bin mehr Fan denn je.

Verletzt aufhören zu müssen, ist unfair

Laura Wontorra, ganz in der Nähe des Weser-Stadions geboren, bezeichnet sich selbst als fußballverrückt. Kein Wunder bei dem Vater, denn Jörg Wontorra war neben seiner TV-Tätigkeit sogar Aufsichtsrat bei Werder Bremen. Tochter Laura hat ihre Fußball-Liebe jedenfalls zum Beruf gemacht und arbeitet als Fernseh-Moderatorin bei RTL.

Clemens Fritz, Kapitän, Identifikationsfigur, Vorzeigeprofi und Bald-Papa hat sich entschieden, die Fußballschuhe an den Nagel zu hängen und das trotz Verletzung. Diesen Fakt sollten man nicht außer Acht lassen, denn somit kommt das Ende auch für ihn selbst sehr abrupt. Verletzt aufhören zu müssen, ist unfair. Bayerns Philipp Lahm zum Beispiel, wusste am 18. April nach Abpfiff in Madrid, dass es sein letztes Champions-League-Spiel war und ihm wird auch am 20. Mai bewusst sein, dass er zum allerletzten Spiel in seiner Karriere antritt. Ein Gefühl, das Fritz nun verwehrt bleibt. Das steckt er offenbar gut weg. Dafür, wie er damit umgeht, hat er meinen größten Respekt. Ich denke, dass Fritz gemerkt hat, dass seine Zeit als aktiver Fußballprofi vorbei ist. Der Verein hat sich in der Rückrunde neu erfunden. Es gibt weder zu viel Gerede von Erfolgen vergangener Tage, noch Geplänkel darüber, dass Werder nur noch mit den Kleinen in der Bundesliga mithalten kann. Das Bremer Team überzeugt mit modernem Fußball und Teamgeist – auch in Köln bei der 3:4-Niederlage war der Mannschaft der Siegeswille definitiv nicht abzusprechen.

Werder Bremen braucht die Hilfe von Fritz einfach nicht mehr!

Der Zufall, der Fußballgott oder wer auch immer wollte es offenbar so, dass Fritz sich verletzte und andere, junge Spieler ihre Rolle im zentralen Mittelfeld fanden. Florian Grillitsch und Maximilian Eggestein machten ihre Aufgabe prima und mit dem sympathischen Dänen Thomas Delaney hat Werder auch einen neuen herausragenden Führungsspieler gefunden. Sind wir also so ehrlich: Werder Bremen braucht die Hilfe von Fritz einfach nicht mehr! Man darf das schon deshalb so deutlich sagen und/oder schreiben, weil Fritz es wohl selbst so sieht und es mit seiner Aussage zum Abschied auch bekräftigt hat: „Dass sich der Verein inzwischen stabilisiert hat, lässt mich diese Entscheidung ruhigen Gewissens treffen."

Fritz hat erkannt, dass es an der Zeit ist, abzudanken. Weiß Gott nicht jeder Spieler ist so charakterstark. Das zeigt seine tolle Persönlichkeit und spricht dafür, dass wir Bremer ihn zurecht lieben.

Fritz lässt es zum richtigen Zeitpunkt gut sein

Fritz lässt es zum richtigen Zeitpunkt gut sein, auch weil er befürchtet, nicht mehr zu 100 Prozent mithalten zu können. Mit 36 Jahren nicht ungewöhnlich. Klar, es gibt auch Gegenbeispiele: Gigi Buffon steht mit 39 Jahren jetzt noch einmal im Champions-League-Finale und ich persönlich finde auch, dass Claudio Pizarro noch ein Jahr dranhängen könnte – aber diese Spieler bleiben eben die Ausnahme.

Für Fritz ist jetzt der richtige Zeitpunkt gekommen, sich zu verabschieden. Er wird bald Papa, wirkt glücklicher und gelassener denn je und ich bin mir sicher, er wird dem Verein und der Stadt die Treue halten. Denn Fritz weiß, was er Bremen zu verdanken hat und Bremen weiß, was es Fritz zu verdanken hat. Und ich als Fritz-Fan weiß das sowieso. Danke für alles, Clemens!

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