Klaus Filbry kündigt Intensivierung der Partnerschaft an

Neuer Gipfel der Fan-Proteste: Wohninvest-Werbung gestohlen, Werder Bremen erstattet Anzeige

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Am Trainingsplatz des SV Werder Bremen wurden Werbebanner von Partner Wohninvest herausgeschnitten.

Bremen – Die Löcher sind nicht zu übersehen. An vier Stellen klaffen sie in der Umrandung der beiden Trainingsplätze des SV Werder Bremen. Dort, wo mal Wohninvest als Werbeschriftzug stand, steht jetzt nichts mehr.

Fein säuberlich haben unbekannte Täter in der Nacht zu Freitag die Logos des Stadionsponsors aus dem Band der Werder-Geldgeber herausgeschnitten. Es ist ein Akt des Vandalismus', der in dem Konflikt zwischen einem Teil der Bremer Fan-Szene und dem SV Werder einen neuen Höhepunkt darstellt.

Seit das Immobilienunternehmen Wohninvest im Sommer die Namensrechte am Weserstadion erworben hat (Investitionsvolumen: 30 Millionen Euro auf zehn Jahre verteilt), knirscht es zwischen Club und Ultra-Szene. Die einen brauchen das Geld, die anderen wollen keine Namensänderung des Weserstadions. Zuletzt war es im DFB-Pokalspiel gegen den 1. FC Heidenheim zu einer kleinen Eskalation gekommen.

Werder Bremen will Vandalismus nicht hinnehmen

Weil Wohninvest-kritische Fans ein genehmigtes Banner an nicht genehmigter Stelle aufhängen wollten, war es zu einem Polizeieinsatz im Stadion gekommen. Proteste gegen Wohninvest gehören zudem zu jedem Heimspiel, und auch einen Werbebanner-Klau hat es schon gegeben. Im Trainingslager im Zillertal war über Nacht schon eines dieser an der Platzumrandung hängenden Werbebanner verschwunden. Nun ist es auch am Weserstadion passiert – und zwar gleich viermal. Sehr zum Ärger des SV Werder Bremen.

„Wir nehmen die Proteste und auch den Vandalismus am Trainingsplatz wahr. Uns war bewusst, dass es zu Protesten kommen kann, und wir haben ja auch kritische Spruchbänder im Stadion zugelassen. Gewalt oder Sachbeschädigungen sind für uns aber nicht tolerabel“, sagte Vereinschef Klaus Filbry über die Anti-Wohninvest-Aktionen, die offenbar kein Ende nehmen wollen.

Werder Bremen: Verbindung zu Wohninvest soll noch enger werden

Ein Teil der Fan-Szene ist grundsätzlich gegen das Engagement des Immobilien-Unternehmens, weil sie Wohninvest zu jenen „Haien“ zählen, die mit überteuertem Wohnraum Profit machen wollen. Belege dafür bleiben die Kritiker bislang schuldig. Dennoch geht der Protest weiter. Aber er geht offenbar auch ins Leere. Filbry kündigt an, dass die Bindung zu Wohninvest noch enger und stabiler werden soll: „Grundsätzlich sind sowohl Wohninvest als auch wir mit der bisherigen Partnerschaft sehr zufrieden, und wir arbeiten eng und konstruktiv daran, diese Partnerschaft weiter zu intensivieren.“

Mehr Wohninvest bei Werder? Möglich. Mehr Wohninvest in Bremen – das ist sogar schon beschlossen. Der Werder-Sponsor hat im Stadtteil Hemelingen das ehemalige Coca-Cola-Gelände erworben – es wird das erste Groß-Projekt des schwäbischen Unternehmens in der Hansestadt. Und ist auch so etwas wie der erste Ertrag des Engagements beim SV Werder.

Werder Bremen: Wohninvest-Namenszug am Weserstadion lässt auf sich warten

Die Fan-Proteste – auch die Vorkommnisse im DFB-Pokal-Match gegen Heidenheim – hat Wohninvest weitestgehend ohne öffentliche Gegenkritik hingenommen. Auch Werder Bremen war eher zurückhaltend. Auf den erneuten Fall von Vandalismus reagiert der Club nun aber mit einer Anzeige gegen Unbekannt. Und klar: Die entfernten Banner werden natürlich ersetzt.

Zur neuen Saison wird dann auch der bereits im Sommer angekündigte Namensschriftzug „Wohninvest Weserstadion“ an der Außenfassade der Westkurve prangen. Dass es so lange dauert, die Namensänderung auch nach außen sichtbar zu machen, hat laut Klaus Filbry allein technische Gründe: „Das lässt sich zwar bei Präsentationen herrlich animieren, es in der Wirklichkeit an dieser Fassade anzubringen, ist aber um einiges schwieriger.“ Noch werde an einer Lösung gearbeitet, in der kommenden Saison soll der beleuchtete oder leuchtende Namenszug dann aber hängen. Und ihn abzubauen, wird gewiss nicht in einer Nacht- und Nebel-Aktion wie der am Trainingsplatz möglich sein. (csa)

Fans von Werder Bremen protestierten im Trainingslager im Zillertal gegen den Verkauf des Stadionnamens.

Zur letzten Meldung vom 4. Juni 2019:

„Wohninvest“-Banner im Zillertal gestohlen

Zell - Die Botschaft der mitgereisten Werder-Fans war eindeutig, in großen Lettern hatten sie sie auf ihre Banner geschrieben. „Weserstadion ohne Vornamen“ und „Für immer Weserstadion“ war am Samstag während des Testspiels von Werder Bremen gegen Darmstadt im Zillertal zu lesen.

Schriftliche Unmutsbekundungen gegen den Verkauf des Stadionnamens an die Firma „Wohninvest“, die aus dem Weserstadion das „Wohninvest Weserstadion“ gemacht hat. Einigen Fans ging diese Art des Protests aber offenbar nicht weit genug.

„Wohninvest“ war während Werders Trainingslager im Zillertal ebenfalls auf Bannern präsent, an prominenten Plätzen hingen sie an der Tribüne des Parkstadions von Zell am Ziller. Nur während des Darmstadt-Tests - da hingen sie plötzlich nicht mehr da.

Werder Bremen: „Wohninvest“-Banner vor Testspiel gestohlen

Auf Nachfrage der DeichStube bestätigte Werder Bremen am Montag, dass die Banner in der Nacht vor dem Spiel gestohlen wurden und der Verein sie kurzfristig durch andere ersetzt habe. Weiter wollte sich Werder nicht zu dem Thema äußern.

Es dürfte allerdings klar sein, dass die Banner nicht als Souvenir eingesteckt, sondern aus Protest gegen das neue Namenssponsoring abgenommen wurden. Am 1. Juli war das Weserstadion offiziell zum „Wohninvest Weserstadion“ geworden, bald soll der neue Vorname an der Arena von Werder Bremen leuchten.

Unterdessen bastelt Sportchef Frank Baumann am Kader für die neue Saison: Werder Bremen hofft auf einen Transfer von Benjamin Henrichs, beim Nationalspieler haben die Bremer Außenseiterchancen.

Update zu Wohninvest: Der Werder-Sponsor Wohninvest in Ermittlungen der Staatsanwaltschaft verwickelt. Es geht um fragwürdige Geschäfte.

(dco)

Zur letzten Meldung vom 3. Juni 2019:

Name des Weserstadions verkauft: Ultras schlagen Alarm - So reagiert Werder Bremen

Noch ist der Vertrag mit dem möglichen neuen Stadion-Namensgeber nicht unterschrieben – und ginge es nach dem Willen von sieben Bremer Fan-Gruppen, dann würde der Kontrakt zwischen dem SV Werder Bremen und der Wohninvest Holding GmbH auch im Papierkorb landen - die Ultras schlagen Alarm!

Update vom 3. Juni 2019: Jetzt hat Werder Bremen auf die Vorwürfe der Bremer Ultras wegen der Namensänderung des Weserstadions reagiert. „Die Ultra-Gruppierungen haben uns ihre Gedanken ebenfalls mitgeteilt. Wir sind mit unserer aktiven Fanszene in einem regelmäßigen Austausch“, erklärte Werders Mediendirektor Michael Rudolph auf Nachfrage der DeichStube. „Wir haben sie in den vergangenen Tagen über den Stand der Gespräche unterrichtet und werden diesen Dialog auch weiterhin auf dem direkten Wege fortsetzen.“ Eine dezidierte Stellungnahme zu den Kritikpunkten der Ultras im Einzelnen gibt es bislang aber nicht.

Zur Originalmeldung vom 3. Juni 2019:

In einer gemeinsam verfassten und an alle Fans von Werder Bremen gerichteten Mail fordern die Fan-Gruppen die Geschäftsführung auf, „genauestens zu überlegen, ob es nicht auch andere Lösungen geben kann". Denn die geplante Änderung des Stadion-Namens von „Weserstadion" zu „Wohninvest Weserstadion" kommt bei den Ultra-Gruppen wie erwartet nicht gut an. Überdies werfen sie dem SV Werder Bremen bei der Auswahl des Partners eine „Doppelmoral" sowie „Scheinheiligkeit" vor und beklagen im Auswahlprozess ein „intransparentes und unehrliches Handeln" der Geschäftsführung gegenüber dem Fanbeirat. Jetzt planen Werder-Fans eine Demo gegen den Verkauf der Namensrechte am Weserstadion.

Werder Bremen: Verkauf des Stadion-Namens sorgt für Unmut bei vielen Fans

Am vergangenen Freitag war bekannt geworden, dass  Werder Bremen die Rechte am Stadion-Namen für zehn Jahre an das Immobilienunternehmen aus Fellbach in Baden-Württemberg verkaufen wird und dafür insgesamt 30 Millionen Euro erhält. Damit schließt der Club ein seit einem Jahr bestehendes Finanzloch in der von ihm und der Stadt Bremen in Kooperation betriebenen Bremer Weserstadion GmbH (BWS). Im vergangenen Jahr war der fehlende Betrag zum Teil mit Einnahmen aus dem Spielbetrieb ausgeglichen worden.

Schon gelesen? Das Weserstadion wird auf 4G aufgerüstet, sodass die Handynetz-Überlastung an Spieltagen schon bald der Vergangenheit angehören könnte.

Werder Bremen: Ultras beklagen Wohninvest-Geschäftsmodell

Der Kernpunkt der Ultras-Kritik ist nicht der Verkauf der Namensrechte an sich, sondern das Geschäftsmodell der Firma Wohninvest und die angebliche Doppelmoral der Werder-Führung. Die Ultras holen gegen Immobilienunternehmen generell die große Keule raus, zeichnen das Bild von Geschäftemachern, die alleinerziehende Mütter mit zwei Kindern vor die Tür setzen, um den gut verdienenden Bankier einziehen zu lassen. Auch Wohninvest beteilige sich „maßgeblich am sozioökonomischen Strukturwandel von Stadtteilen", schreiben die Ultras. Obwohl dafür keine Belege genannt werden, passe Wohninvest nicht in das einst von der Werder-Führung formulierte Anforderungsprofil eines möglichen Stadionpartners. Eine Aussage von Geschäftsführer und Sportchef Frank Baumann, wonach ein Namensgeber des Stadions „zu unserer Philosophie passen" müsse und Geld bei der Auswahl „nicht die entscheidende Rolle" spiele, sehen die Ultras durch den bevorstehenden Vertragsabschluss ad absurdum geführt. 

„Wenn also künftig der Name ,Wohninvest' das Weserstadion ziert, dann wird der SV Werder Bremen an seine Scheinheiligkeit, stets die eigenen Werte dem Geld vorzuziehen, erinnert", heißt es in dem Schreiben. Und weiter: „Letzten Endes hat die soziale Verantwortung des Vereins bei diesem Deal das Nachsehen und mal wieder stellt ein Sponsoring-Vertrag die Doppelmoral der Geschäftsführung unter Beweis." Die Wohninvest Holding GmbH wird außerdem ein „zwielichtiger Sponsor" genannt. Stadionsprecher Arnd Zeigler betrachtet den verkauf des Stadion-Namens von Werder Bremen indes sehr differenziert. 

Ultras von Werder Bremen fühlen sich übergangen

Auch wenn es erwartbar war, dass der SV Werder Bremen für den Verkauf der Namensrechte Protest ernten wird, ist das Schreiben der Ultras nicht als grundsätzliche Kritik an der Erschließung dieser Einnahmequelle zu sehen. Der Wettbewerb fordere diese Maßnahmen, der Verkauf sei nur „ein logischer Schritt", erklären selbst die sieben Fan-Gruppen. Aber: Die Ultras, gemeinsam mit dem Dachverband Bremer Fan-Clubs im Fanbeirat vertreten, fühlen sich im Auswahlprozess des neuen Partners übergangen. Anders als von Werder Bremen angeblich zugesichert, sei der Beirat nicht über die Wahl von Wohninvest informiert worden, sondern habe von dem bevorstehenden Vertragsabschluss erst aus den Medien erfahren. „Der Verein glänzte gegenüber seinen Fans vor allem durch intransparentes und unehrliches Handeln", schreiben die Ultra-Gruppen deshalb.

Am Ende des Fan-Briefs werden die Gruppen Caillera Ultras, Infamous Youth, UltrA-Team Bremen, L'Intesa Verde, Ultra Boys, Wanderers Bremen und HB Crew als gemeinsame Autoren aufgeführt. Die Mail enthält im Betreff die klaren Botschaften „Stadion-Namen erhalten" und „Scheiß Wohninvest". Der SV Werder Bremen hat sich bislang zu der angestrebten Partnerschaft mit Wohninvest und dem Verkauf der Stadion-Namensrechte nicht geäußert.

Unterdessen bastelt Sportchef Frank Baumann bereits am Kader für die neue Saison. So soll Marko Grujic vm FC Liverpool ein Thema bei Werder Bremen sein.

(csa)

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