Welche Talente rücken in den Fokus?

Werder auf Diamantensuche: Das Top-Talente-Programm soll wieder durchstarten

U17-Torhüter Mio Backhaus, Neuzugang Johan Mina und Stürmer Eren Dinkci (v.l.) sind heiße Kandidaten für das Top-Talente-Programm des SV Werder Bremen.
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U17-Torhüter Mio Backhaus, Neuzugang Johan Mina und Stürmer Eren Dinkci (v.l.) sind heiße Kandidaten für das Top-Talente-Programm des SV Werder Bremen.

Bremen – Nicht mehr lange, vermutlich schon irgendwann in den nächsten Tagen, dann wird sie in der Geschäftsstelle des Weserstadions auch in diesem Jahr wieder zusammenkommen, die große Elefantenrunde, auf die die Nachwuchstalente des SV Werder Bremen vor jeder neuen Saison gespannt warten.

Sportchef Frank Baumann, Scouting-Abteilungsleiter Clemens Fritz, der Technische Direktor Thomas Schaaf sowie Björn Schierenbeck und Thomas Wolter, der Direktor und der Sportliche Leiter des Nachwuchsleistungszentrums. Dieses fünfköpfige Gremium legt nach Absprache mit den Jugendtrainern fest, welche Spieler den Sprung ins Top-Talente-Programm des SV Werder Bremen schaffen und ihrem Traum von der Bundesliga damit einen Schritt näher kommen. „Wir werden dabei auch dieses Mal wieder sehr kritisch sein“, kündigt Wolter an, der sich gemeinsam mit Schaaf federführend um das Programm kümmert – und sich im Sommer 2020 mit einer besonderen Herausforderung konfrontiert sieht: Nach der langen Corona-Pause müssen die Abläufe erstmal wieder ins Rollen kommen.

Rückblick, Frühjahr 2016: Ein gewisser Florian Kohfeldt, damals Trainer von Werders U23, wird mit einer Idee und dazugehörendem Konzept bei der Sportlichen Leitung des Clubs vorstellig. Warum nicht die größten Talente noch enger an das Profiteam anbinden? „Für die Profis arbeiten die besten Experten in sämtlichen Bereichen, da gibt es auch die größte Manpower“, erklärt Kohfeldt damals – und kommt zu dem Schluss: „Da ist die strikte Trennung zwischen Profis und Nachwuchsbereich nicht logisch. Diese Ressourcen der Profis muss man nutzen.“ Die Chefs sind überzeugt, das Top-Talente-Programm wird zur Saison 2016/2017 erstmals aufgelegt und ist inzwischen längst fester Bestandteil von Werder Bremens Kaderschmiede.

Werder Bremen: Welche Top-Talente werden in der kommenden Saison besonders gefördert?

Seit vier Jahren kommen die verheißungsvollsten Spieler aus Werders U17, U19 und U23 in den Genuss einer Sonderbehandlung, die eine intensive Heranführung an den Profikader zum Ziel hat. Dazu gehören etwa individuelle Einheiten mit den Athletiktrainern des Bundesliga-Teams, eine sportpsychologische Betreuung oder medizinische Behandlungen im Profitrakt. Bis zu zehn Spieler werden dafür Jahr für Jahr ausgewählt. Johannes Eggestein war schon dabei, Niklas Schmidt ebenfalls. Und Jean-Manuel Mbom, der nach seiner Leihstation vom KFC Uerdingen zurückkehrt und nun fest für den Profikader eingeplant ist. In der vergangenen Saison zählten die Bundesliga-Debütanten Nick Woltemade und Luc Ihorst zum exklusiven Kreis der Bremer Top-Talente, der im März urplötzlich von der Corona-Pandemie gesprengt wurde.

„Wir waren total eingeschränkt“, sagt Wolter, „es war ja nicht mehr möglich, die Jungs zur Behandlung oder zum Training zu uns ins Stadion zu holen.“ Das Nachwuchsleistungszentrum des SV Werder Bremen stand komplett still, und auch zu den Profis, die unter strikten Hygieneauflagen schon bald wieder trainieren durften, konnten die Talente nicht.

Werder Bremen: Top-Talente-Programm war wegen des medizinischen Konzepts der DFL nicht möglich

Sportchef Frank Baumann erklärt: „Das war wegen des medizinischen Konzepts nicht möglich. Die Gruppe durfte ja nicht zu groß werden.“ Einzige Ausnahme: Nick Woltemade, weil zu diesem Zeitpunkt ohnehin schon fest dem Profikader zugeordnet, durfte bleiben – konnte deshalb aber bis zum Saisonende nur noch stark eingeschränkt zur Schule gehen. „Es hätte ja keinen Sinn ergeben, dass er wie alle Profis regelmäßig auf das Virus getestet wird und dann über den Schulhof läuft“, sagt Wolter.

Alle anderen Top-Talente der Saison 2019/2020 – Julian Rieckmann, Maik Nawrocki, Malik Memisevic, Yannik Engelhardt, Louis Lord, Abdenego Nankishi und Luc Ihorst – mussten zu Hause bleiben und sich dort mit individuellen Übungen fit halten. „Wir haben versucht, das Beste aus der Situation zu machen“, betont der NWLZ-Direktor Björn Schierenbeck. Richtiges Training konnte das freilich nicht ersetzen. „Es ist schade, dass den Spielern ein Vierteljahr in ihrer Entwicklung fehlt“, sagt Baumann, der die Bedeutung des Top-Talente-Programms als „sehr groß“ einschätzt. Schließlich ist Werder Bremen seit jeher ein Verein, der wegen fehlender Finanzkraft auf eine gute Jugendarbeit angewiesen ist. Umso wichtiger ist es den Verantwortlichen, dass das Programm so schnell wie möglich wieder Fahrt aufnimmt.

Werder Bremen überlegt, Neuzugang Johan Mina ins Top-Talente-Programm aufzunehmen

Seit Kurzem dürfen auch die Nachwuchsteams bei Werder Bremen wieder richtig trainieren, das heißt: mit Vollkontakt. Und sobald die Liste der Top-Talente für die Saison 2020/21 endgültig feststeht, können diese auch wieder regelmäßig zu den Profis stoßen. „Wenn der Personenkreis klar definiert ist, sollte das möglich sein“, sagt Schierenbeck, der – genau wie die anderen Mitglieder der bevorstehenden Elefantenrunde – schon seine Kandidaten im Kopf haben dürfte.

Klar ist: Woltemade, Ihorst und Rieckmann scheiden aus dem Programm aus. Woltemade, weil er ohnehin fest mit den Profis trainieren wird, die anderen beiden, weil sie „einfach herauswachsen“, wie Wolter erklärt. Als heiße Kandidaten für einen Platz gelten auf der anderen Seite Eren Dinkci, der aus der U19 in die U23 aufrückt, und U17-Torhüter Mio Backhaus. Außerdem überlegt Werder Bremen, Neuzugang Johan Mina zunächst durch das Programm laufen zu lassen, damit sich der Ecuadorianer schnell in der neuen Umgebung einlebt. Bei US-Amerikaner Josh Sargent war der Verein im Frühjahr 2018 ähnlich verfahren. (dco)

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