Werder lässt Talente von der Leine

So jung ist der SV Werder im Vergleich von Europas Top-Ligen

Die Boyband beim SV Werder Bremen: Marco Friedl (v.l.), Josh Sargent, Romano Schmid und Felix Agu gehören zu den jungen Spielern, die in der Bundesliga immer wichtiger werden.
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Die Boyband beim SV Werder Bremen: Marco Friedl (v.l.), Josh Sargent, Romano Schmid und Felix Agu gehören zu den jungen Spielern, die in der Bundesliga immer wichtiger werden.

Bremen – Jugendwahn ist es freilich noch nicht, was der SV Werder Bremen in dieser Bundesliga-Saison betreibt. Aber als „Jugend forscht“ geht das große Vertrauen in Profis wie Josh Sargent, Manuel Mbom oder Romano Schmid definitiv schon durch – vor allem beim Blick auf einen internationalen Vergleich. In den fünf Top-Ligen Europas, also Deutschland, Spanien, Frankreich, Italien und England, gibt es nur zehn Clubs, die in dieser Saison U21-Spielern prozentual mehr Einsatzzeit gegeben haben als Werder.

Frank Baumann kennt diese Statistik des Internetportals transfermarkt.de. „Das ist schon eine Bestätigung unserer Arbeit“, sagt der Sportchef des SV Werder Bremen im Gespräch mit der DeichStube und betont: „Wir haben nicht nur angekündigt, dass wir die Mannschaft verjüngen wollen, sondern das Trainerteam hat das auch umgesetzt und den Mut gehabt, diesen Spielern zu vertrauen.“ Sieben Profis, die jünger als 21 Jahre alt sind, hat Trainer Florian Kohfeldt in dieser Saison eingesetzt – und das genau 2.964 Minuten lang. Bei einer Gesamtspielzeit aller bisher eingesetzten Akteure bedeutet das einen Anteil der U21-Kicker von 17,62 Prozent.

Josh Sargent (20) ist dabei der erfahrenste junge Bremer, weil er inzwischen schon 54 Bundesligaspiele absolviert hat. Manuel Mbom (20), Romano Schmid (20), Ilia Gruev (20), Tahith Chong (inzwischen 21) und Eren Dinkci (19) feierten dagegen erst in der Hinrunde ihr Bundesliga-Debüt. Diesen Moment hat Nick Woltemade zwar schon vergangene Saison erlebt, aber mit 18 Jahren ist er immer noch das Werder-Küken. Übrigens: Ein Felix Agu kam nicht mehr in die Wertung, weil er bei seiner Bundesliga-Premiere bereits 21 Jahre alt war. Und in Marco Friedl (22) hat Werder Bremen noch einen weiteren sehr jungen Spieler, der seit dieser Saison sogar Stammspieler ist.

Werder Bremen: Durchschnittsalter um zwei Jahre gesunken - Verjüngungskur war nicht ganz freiwillig

„Wir sind tatsächlich jünger geworden“, sagt Baumann und hat eine eigene Statistik parat. In der vergangenen Saison habe das Durchschnittsalter bei den Pflichtspielen bei 26,7 Jahren gelegen, jetzt nur noch bei 24,6. „Und wir sind trotzdem stabil geblieben“, betont der Sportchef. Ganz freiwillig war die Verjüngungskur nach dem Fast-Abstieg nicht, sondern auch den finanziellen Schwierigkeiten in der Coronakrise geschuldet. Trotzdem läuft es bislang ordentlich: Anders als in der Vorsaison stand Werder abgesehen vom ersten Spieltag immer über dem Strich – also weder auf einem Abstiegs- noch auf dem Relegationsplatz.

Beim FC Schalke 04 hat das nicht so gut geklappt. Im U21-Ranking belegen die Knappen mit 3.294 Minuten, gesammelt von sieben Spielern, und einem Anteil von 19,58 Prozent Platz fünf. In der Bundesliga stehen sie dagegen auf dem letzten Rang.

Werder Bremen zahlt für junge Talente kaum Ablösesummen

Ganz anders die Situation in Dortmund. Die Borussia kämpft zwar nicht wie erhofft um die Meisterschaft, aber als Tabellenvierter immerhin um die erneute Qualifikation für die Champions League. Und das mit den zweitmeisten U21-Einsatzzeiten in allen fünf Top-Ligen Europas. Sieben Jung-Profis haben es auf 4.632 Minuten und damit auf einen Anteil von 27,52 Prozent gebracht. Nur die AS Monaco war da mit 28,98 Prozent noch jünger unterwegs.

Für Frank Baumann ist der Vergleich mit Dortmund allerdings schwierig. Schließlich würde der BVB viele seiner Talente für hohe Ablösesummen holen. Für den damals noch 17-jährigen Jadon Sancho überwiesen die Westfalen 2017 fast acht Millionen Euro an Manchester City. Und Jude Bellingham (17) von Birmingham City war ihnen in diesem Sommer sogar eine Ablöse von 23 Millionen Euro wert. Werder Bremen zahlt – wenn überhaupt – nur einen Bruchteil dieser Summen. „Der BVB ist mit seinem Weg sehr erfolgreich, aber wir können uns das nicht leisten“, sagt Baumann.

Werder Bremen: Eigenen Talenten soll nicht ständig der Weg durch Neuverpflichtungen versperrt werden

Werder bewege sich deshalb oft auf anderen Märkten, „und wir müssen vorausschauender agieren. Damit haben wir vor ein paar Jahren systematisch angefangen.“ Geduld sei dabei auch ganz wichtig. Einige Talente würden nach ihrer Verpflichtung erst mal Zeit benötigen. Wie ein Josh Sargent, der als 18-Jähriger kam und sich dann über die U23 für höhere Aufgaben empfahl. Die Mannschaft in der Regionalliga ist ohnehin für Werder sehr wichtig – vor allem auch als Sprungbrett für die eigenen Talente. Die liegen Baumann und Co. natürlich besonders am Herzen, ihnen soll auch nicht ständig durch Neuverpflichtungen der Weg versperrt werden.

Die Mischung macht‘s. Dabei blickt Sportchef Baumann optimistisch in die Zukunft und nennt einige Kandidaten aus den eigenen Reihen, die in den nächsten Jahren in der U21-Statistik auftauchen könnten: Maik Nawrocki (19), Abdenego Nankishi (18) und Johan Mina (18). „Wir haben auch noch ein paar andere Ideen“, sagt der Ex-Profi: „Da liefert uns so eine Statistik natürlich gute Argumente in den Gesprächen mit interessanten Spielern.“ (kni) Auch interessant: Mit dieser Startelf könnte Werder Bremen bei Hertha BSC antreten!

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