Salafisten bei Stadion-Security von Werder Bremen und SC Paderborn

Bremer Sicherheitschef: „Ich sehe eigentlich keine Lücke“

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Lars Mühlbradt ist Sicherheitsbeauftragter von Werder Bremen und Geschäftsführer der „Elko & Werder Security“.

Bremen – Zwei Männer, offenbar mit Kontakten zur und Sympathien für die gewaltbereite islamistische Szene, arbeiten als Ordner für Werder Bremen im Weserstadion. Wie kann das passieren?

Lars Mühlbradt, Geschäftsführer der „Elko & Werder Security“, die als Dienstleister für die Sicherheit im und um das Weserstadion zuständig ist, erklärt gegenüber der DeichStube, dass die Verantwortung im konkreten Fall in erster Linie bei dem kooperierenden Unternehmen in Paderborn liege. Von diesem waren die verdächtigen Männer in vier Fällen als Ordnungskräfte nach Bremen geschickt worden. „Bis der Vorgang aufgeklärt ist, haben wir die Zusammenarbeit erstmal beendet“, so Mühlbradt.

Werder Bremen: Wie konnten mutmaßliche Salafisten Bundesliga-Security werden?

Vorerst wird recherchiert, wie die beiden Männer, laut WDR aus Tschetschenien stammende Brüder, überhaupt zu Teilen des Bundesliga-Security-Systems werden konnten. „Eigentlich ist das nur schwer möglich, weil es viele Systeme gibt, die potenzielle Mitarbeiter überprüfen. Ich sehe eigentlich keine Lücke“, sagt Mühlbradt, der aber auch weiß, dass alles seine Grenzen hat. Bevor er eine Ordnungs- oder Sicherheitskraft einstellt, wird der Anwärter gecheckt. Unter anderem muss ein polizeiliches Führungszeugnis vorgelegt werden, das nicht älter als drei Monate alt sein darf. Mühlbradt: „Aber in diesem Zeugnis steht nicht, ob gegen jemanden schon mal wegen irgendwelcher Verfehlungen ermittelt wurde. Das unterliegt dem Datenschutz.“

Viermal arbeitet Islam M. bei Spielen von Werder Bremen

Islam M., einer der Brüder, war 2015 zu einer Arreststrafe verurteilt worden, weil er für das Attentat auf die Pariser Satirezeitschrift Charlie Hebdo, das 13 Todesopfer gefordert hatte, Sympathien gezeigt hatte. Trotz dieser Arreststrafe arbeitete er als Ordnungskraft in Fußballstadien. Viermal auch in Bremen – dreimal im Stadionbereich, einmal im Parkplatzdienst.

Laut Mühlbradt wird die Überprüfung so genannter „Fremdkräfte“ im Ordnungsdienst zwar vor jedem Heimspiel durchgeführt, im wesentlichen komme es aber auf die Angaben des Kooperationspartners an. Entscheidend dabei: Sind die Ordner „QuaSOD“-geprüft. „QuaSOD“ – das ist die „Qualifikation zur Sicherheits- und Ordnungskraft“, eine normierte Überprüfung und Ausbildung, die der DFB entwickelt hat und die die Vereine mit ihren Sicherheitspartnern anbieten müssen. Grob gesagt gilt sogar dies: Ohne „QuaSOD“ keine Lizenz für die Clubs. Zudem schreibt der DFB alle drei Jahre eine Überprüfung der Ordnungskräfte vor. „Wir machen das sogar jährlich. Jeder Mitarbeiter muss einwilligen, dass wir von staatlichen Stellen Informationen über ihn einholen. Und das machen wir dann auch. Unser eigenes Personal betreffend sind wir obersicher“, verspricht Mühlbradt.

Paderborner helfen Bremern, die Bremer den Paderbornern

Dass externe Kräfte angefordert werden, ist in der gesamten Bundesliga Usus. Die Sicherheitsunternehmen der Bundesliga-Standorte helfen sich bei Personalknappheit gegenseitig. So auch die Paderborner den Bremern oder die Bremer den Paderbornern. Wie nun in Zukunft ausgeschlossen werden kann, dass Mitarbeiter mit einer verdächtigen politischen oder religiösen Haltung in den Ordnungs- oder Sicherheitsdienst gelangen, ist die große Frage. „Das kommt bei Gesprächen mit der Polizei und dem DFB sicher auf die Tagesordnung“, sagt Mühlbradt.

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Zur letzten Meldung von 14.30 Uhr

Security-Problem? Werder Bremen verspricht Aufklärung

Bremen – Sicherheitsleute als Sicherheitsrisiko? Werder Bremen hat am Freitag auf einen Bericht des WDR reagiert, wonach im Weserstadion in der Vergangenheit zwei Ordner eingesetzt worden waren, die Kontakte zur gewaltbereiten islamistischen Szene haben sollen.

„Unsere internen Untersuchungen haben ergeben, dass die beiden zu Ordnungskräften gehörten, die über ein Paderborner Sicherheitsunternehmen für Spiele des SV Werder Bremen zusätzlich angefordert wurden“, erklärt Kommunikationschef Michael Rudolph in einer Mitteilung des Vereins und beteuert, dass die betreffenden Personen, zwei aus Tschetschenien stammende Brüder, vor ihrem Einsatz überprüft worden seien: „Es lagen die notwendigen Informationen über durchgeführte Sicherheits-Checks vor. Der SV Werder Bremen hatte sämtliche gesetzlich möglichen Überprüfungen ausgeschöpft.“

Werder Bremen bestätigt Einsatz als Ordner im Weserstadion

Offenbar reichen diese Maßnahmen aber nicht aus, um zu verhindern, dass Personen mit Kontakten zu so genannten „Gefährdern“ als Ordner im Weserstadion auftreten. Laut WDR-Recherchen handelt es sich bei den Männern um die Brüder Islam M. und Shamil M.. Von beiden sollen Fotos existieren, die sie gemeinsam mit gewaltbereiten Gefährdern zeigen, die mittlerweile untergetaucht seien.

Rudolph bestätigte, dass die beiden Männer bei vier Bremer Heimspielen im Einsatz waren. Der SV Werder hat wie der ebenfalls betroffene SC Paderborn die Polizei, den Staatsschutz und den DFB informiert.

Werder Bremen beteiligt an „Elko & Werder Security“

Für die Sicherheit im Weserstadion ist die „Elko & Werder Security“ zuständig – ein Unternehmen, an dem der SV Werder mit seiner Kapitalgesellschaft als einer von zwei Gesellschaftern beteiligt ist. Elko rekrutiert die Ordnungs- und Sicherheitskräfte für Stadionveranstaltungen, verfügt selbst über ein Personalkontingent von circa 500 Mitarbeitern. Reichen die nicht aus, um alle Anforderungen an einem Spieltag abzudecken, werden im Rahmen von Kooperationen Partner aus anderen Bundesliga-Städten eingeschaltet – in diesem Fall aus Paderborn. Von dort wurden die beiden tschetschenischen Brüder nach Bremen entsandt.

Mittlerweile seien die Männer nicht mehr bei dem mit Elko kooperierenden Sicherheitsunternehmen tätig, sagt Rudolph: „Grundsätzlich wollen wir betonen, dass wir das Stadionerlebnis so sicher wie möglich gestalten wollen.“

Zur Erstmeldung von 10.15 Uhr

Stadion-Security: Salafisten bei Werder Bremen und SC Paderborn

Köln - Bei den Fußball-Bundesligisten Werder Bremen und SC Paderborn haben in der Vergangenheit offenbar zwei Sicherheitskräfte mit Kontakten zu gewaltbereiten Islamisten gearbeitet.

Die tschetschenischen Brüder waren nach WDR-Recherchen bis „vor kurzem“ für eine Paderborner Sicherheitsfirma in den Stadien tätig. Werder Bremen und der SCP haben dem Bericht zufolge die Polizei eingeschaltet, auch der Staatsschutz Bielefeld sei informiert.

„Wir haben vor einigen Wochen von dem Thema Kenntnis erlangt und dies umgehend geprüft. Es gab dabei auch einen Austausch mit der Polizei und dem Sicherheitsunternehmen“, sagte Paderborns Pressesprecher Matthias Hack. „Wir haben festgestellt, dass die Beiden seit längerer Zeit nicht mehr hier im Einsatz waren. Die weiteren Ermittlungen sind Sache der Polizei.“

Werder Bremen: Salafisten-Brüder posten Bilder von sich im Weserstadion

Die Brüder hatten demnach in sozialen Netzwerken Fotos von sich in den Bundesliga-Stadien gepostet. Andere Bilder zeigen die Familie mit gewaltbereiten Gefährdern, die später untergetaucht und ausgereist waren. Islam M., einer der Brüder, wurde 2015 zu einer Arreststrafe verurteilt, weil er Sympathie für das Attentat auf die Pariser Satirezeitschrift Charlie Hebdo bekundet hatte, bei dem 13 Menschen starben.

„Sicherheitsrisiko erkennbar“

„Bei den Erkenntnissen, die jetzt im Raum stehen, ist auf jeden Fall ein Sicherheitsrisiko erkennbar. Das darf so nicht passieren“, sagte Michael Mertens, stellvertretender Bundesvorsitzender der Gewerkschaft der Polizei, dem WDR: „Da müssen die Vereine und die DFL auch reagieren in ihrem eigenen Interesse. Das ist ziemlich geboten.“

Rund 540 Islamisten und Salafisten soll es laut Verfassungsschutz in Bremen geben, die man „im weitesten Sinne der Szene“ zuordne, sagt Dierk Schittkowski, Leiter des Landesamtes für Verfassungsschutz. Die Zahl der Personen, die sich nach Erkenntnissen der Sicherheitsbehörde radikalisiert haben, lägen im „niedrigen zweistelligen Bereich“, fügt Schittkowski an. 

(LEN/SID/DPA)

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