Vor dem Bundesliga-Spiel am 4. Spieltag

Freiburg-Profi Dominique Heintz im DeichStube-Interview: „Zum Glück ist Werder Bremen noch dabei“

Im Duell: Dominique Heintz vom SC Freiburg und Josh Sargent vom SV Werder Bremen.
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Im Duell: Dominique Heintz vom SC Freiburg und Josh Sargent vom SV Werder Bremen.

Freiburg – Aus der Startelf des SC Freiburg ist er seit geraumer Zeit nicht mehr wegzudenken: Dominique Heintz. Saisonübergreifend hat der Innenverteidiger die letzten zehn Pflichstpiele alle von Anfang bis Ende bestritten. Eine gute Quote. Der frischeste Eindruck ist allerdings das 0:4 gegen Borussia Dortmund am vergangenen Spieltag – eine Scharte, die der 27-Jährige am Samstag im Heimspiel gegen den SV Werder Bremen liebend gerne auswetzen würde.

Vor dem SV Werder Bremen – vor allem vor zwei grün-weißen Stürmern und einem Ex-Kollegen – hat der ehemalige U21-Nationalspieler jedoch größten Respekt.

Was ist das Alleinstellungsmerkmal des SC Freiburg? Was ist das Besondere an diesem Club?

Es ist diese familiäre Atmosphäre, dieses sehr enge Zusammensein. Alle kennen sich, alle begrüßen sich, wenn sie zur Arbeit kommen. Es herrscht eine angenehme Freundlichkeit bei allen Mitarbeitern. Auch unsere Fans sind außergewöhnlich. Es ist dieser Zusammenhalt, jeder ist für jeden da.

Sehen Sie in dieser Beziehung gewisse Ähnlichkeiten zu Werder Bremen?

Alles, was ich über Bremen gehört habe, zeigt bestimmte Parallelen auf. Auch Werder Bremen ist ein solcher Club, wie ich aus vielen Gesprächen mit Nils Petersen weiß.

Werder Bremens Gegner SC Freiburg: Auf dem Weg zu einem namhaften Traditionsverein

Waren diese Dinge ausschlaggebend für Sie, als Sie vor zwei Jahren aus Köln in den Breisgau gewechselt sind?

Es war ein Grund, ein sehr wichtiger für mich. Auch in Kaiserslautern und selbst in Köln, obwohl man es dort nicht so sehr vermutet, habe ich ähnliche Verhältnisse kennengelernt. Daher wollte ich wieder für einen solchen Verein spielen. Freiburg hat mich zudem überzeugt mit der vorbildlichen Arbeit, die dort seit Jahren geleistet wird. Ein Club auf dem Weg zu einem namhaften Traditionsverein, auf dem besten Weg, ein ganz großer Club in der Liga zu werden.

Bei Ihrem Wechsel 2018 hatten Sie auch Angebote von Vereinen wie Frankfurt, Schalke und Mönchengladbach, die vom Renommee her höher angesiedelt werden. Was sprach noch für Freiburg?

Es gab verschiedene Überlegungen. Wichtig war für mich der Trainer, ich habe mich mit Christian Streich unterhalten und war begeistert von diesem Gespräch. Übrigens auch von den Perspektiven, die mir geboten wurden. Ich wollte nicht nur eine Nummer im Team eines der großen Vereine sein, sondern ich wollte sicher sein, auf meine Spielzeit zu kommen. Und ich wollte Verantwortung übernehmen.

Sie sprachen den Trainer an. Bitte beschreiben Sie mal das Phänomen Christian Streich!

Eine schwere Aufgabe, weil er so viele Qualitäten besitzt. Es ist außergewöhnlich, wie er mit uns spricht, wie er uns trainiert, wie er uns taktisch einstellt. Ich habe viel bei ihm und von ihm gelernt und tue es immer noch. Christian Streich achtet auf jedes Detail. Alle Kleinigkeiten sind ihm wichtig, das macht ihn aus.

Konnten Sie unter der Führung Streichs Ihre Ziele verwirklichen?

Ich bin gut gefahren mit meinen Wechsel hierhin. Hier werde ich gebraucht, hier erfahre ich eine Wertschätzung, hier fühle ich mich wohl. Und ich darf durchaus behaupten: In Deutschland wird Freiburg immer noch als so klein angesehen, was nicht der Wahrheit entspricht. Der SC muss sich nicht verstecken.

Werder Bremen hat zum Glück den Klassenerhalt geschafft

Auch nicht hinter Werder Bremen? Hat der Sport-Club den Gegner von Samstag nicht längst überholt? Freiburg ist nur knapp an der Qualifikation für Europa, dem Bremer Saisonziel, gescheitert, während Werder sich im Abstiegskampf und der Relegation abgestrampelt hat.

Die letzte Saison ist nicht so gut für Werder Bremen gelaufen, recht unglücklich in jeder Beziehung. Doch am Ende hat Bremen den Klassenerhalt geschafft, zum Glück aus meiner Sicht, denn mit einem Abstieg wäre ein enorm wichtiger Bestandteil aus der Bundesliga weggebrochen. Doch Werder bleibt ein gut geführter Club, gegen den ich übrigens sehr gern spiele. Ich traue der Mannschaft zu, dass sie nun eine bessere Saison spielt.

Wie sind die Gewichte vor der aktuellen Partie verteilt? Wer ist Favorit?

Für eine solche Einschätzung ist es am vierten Spieltag noch zu früh. Wir haben das letzte Spiel verloren, wollen uns im Heimspiel besser verkaufen. Die letzte Saison zählt nicht mehr. Alles geht wieder bei Null los. Und Werder Bremen hat momentan zwei Punkte mehr als wir auf dem Konto.

Trotz der Anfangserfolge wird Werder Bremen nach den zuletzt gezeigten Leistungen wieder zum Kreis der Abstiegskandidaten gezählt. Sie sind mit Köln abgestiegen. Welche Erfahrung haben Sie mit dem Existenzkampf. Worauf kommt es an?

Es war in der Spielzeit, als wir mit Köln im europäischen Wettbewerb involviert waren. Viele englischen Wochen, eine hohe Belastung bei einem zu kleinen Kader. Zudem fielen über eine lange Zeit viele Stützen aus, zeitweise sogar acht Stammspieler. In dieser Hinsicht eine Situation wie bei Werder Bremen im letzten Jahr. Das konnten wir nicht verkraften, so kam es zum Abstieg am letzten Spieltag. Wenn du unten stehst, kann es mitunter ganz schnell gehen. Es entsteht ein Strudel, aus dem du dich nicht mehr befreien kannst. Eine weitere Parallele zu Bremen in der letzten Saison: Oftmals gut mitgespielt, aber am Ende keine Punkte geholt.

Dominique Heintz über Werder Bremen: Entscheidend für die Rettung war der Zusammenhalt

Wieso hat Werder Bremen es aus Ihrer Sicht dennoch geschafft, die Klasse zu halten?

Entscheidend für die erhoffte Rettung ist der Zusammenhalt der Mannschaft und im Club. Werder war in dieser Krise vorbildlich, nicht nur weil die sportliche Führung an Trainer Kohfeldt festgehalten hat, den ich für einen sehr Guten halte. So ist nicht alles den Bach runtergegangen wie damals in meinem Stammverein Lautern, als ich Profi geworden bin, oder wie beispielsweise unlängst beim Hamburger SV.

Mit Torjäger Nils Petersen und Co-Trainer Florian Bruns sind in Freiburg zwei Personen mit Werder-Vergangenheit aktiv. Was sagen sie über Werder Bremen? Werden sie in dieser Woche vermehrt befragt?

Sie reden nur Gutes über den Ex-Club. Nils ist schon recht lange weg, unser Assistenztrainer ebenfalls. Natürlich haben sie noch Kontakte und verfügen über Informationen. Doch aktuell werden sie nicht speziell um Auskünfte gebeten, weil wir unser Ding machen, uns vorbereiten wie immer. Wir schauen in erster Linie auf uns.

Werder Bremen: Dominique Heintz fürchtet die Stürmer Milot Rashica und Niclas Füllkrug

Zwei Stürmer stechen bei Werder Bremen hervor, Niclas Füllkrug und Milot Rashica. Wen fürchten Sie am meisten?

Beide, denn ich kenne beide gut, habe schon häufiger gegen sie gespielt. Füllkrug kenne ich schon länger und noch besser seit den gemeinsamen Spielen und Lehrgängen in den Nachwuchsteams des DFB. Er ist menschlich ein Supertyp, ein herausragender Stürmer, kopfballstark und gefährlich bei Standards. Rashica kommt von außen, ist enorm temporeich und gut in Eins-gegen-eins-Situationen. Auf beide müssen wir aufpassen. Und natürlich auf Leo Bittencourt, mit dem ich in Köln zusammengespielt habe. Ein kleiner Kerl mit einem großen Herzen, der haut sich immer rein und schießt entscheidende Tore.

Zweimal in der letzten Saison, wie Sie sich ganz gewiss erinnern können: in Freiburg und auch auf Schalke, jeweils zu 1:0-Siegen, sowie am vergangenen Spieltag auch gegen Arminia Bielefeld.

Ich weiß. Und ich hoffe, dass er am Samstag nicht noch einmal gegen uns trifft. Oder wenn, dann nur, wenn wir beruhigend 2:0 führen und er in der Nachspielzeit den Ehrentreffer markiert. Nur dies würde ich ihm unter Umständen gönnen. (Das Interview führte Hans-Günter Klemm)

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