Werder-Neuzugang spricht

Ömer Topraks unglücklicher Start bei Werder Bremen: „Das nehme ich mir zu Herzen“

+
Neuzugang Ömer Toprak hat sich seinen Start bei Werder Bremen sicher ganz anders vorgestellt - er fehlt aktuell mit einer Wadenverletzung verletzt.

Bremen – Es ist Viertel nach neun am Morgen – nicht gerade die Uhrzeit, auf die Fußballer im Normalfall ihre Medientermine legen. Aber bei Ömer Toprak gibt es an diesem Tag keine Alternative. Die Reha, die der 30 Jahre alte Neuzugang des SV Werder Bremen aktuell wegen seiner Wadenverletzung absolviert, ist eng getaktet.

Also bittet der Innenverteidiger des SV Werder Bremen früh am Tag zum Gespräch. In dem dreht es sich um den durch die Verletzung sabotierten Start in Bremen, um seine persönliche Europa-Sehnsucht, um seinen Freund Nuri Sahin und um seinen fußballerischen Ziehvater Christian Streich sowie um den Kart-Unfall vor zehn Jahren, der beinahe seine Karriere beendet hätte, bevor sie überhaupt begonnen hatte. Ömer Toprak über...

...seinen Beginn beim SV Werder Bremen

Erst die Auswechslung nach einem Leberhaken beim 1:3 gegen Düsseldorf, dann der frühe K.o. beim 2:3 gegen Hoffenheim wegen eines Muskelfaserrisses in der Wade inklusive einer Sehnenverletzung. Fünf, vielleicht sogar sechs Wochen Pause lautet die Prognose der Mediziner. Ömer Toprak kann es immer noch nicht fassen: „So stellt man sich einen Einstieg nicht vor. Du bist ein Neuzugang, willst sofort Gas geben und mit der Mannschaft erfolgreich sein. Wenn dann so etwas passiert, ist das sehr bitter. Ich habe schon viel erlebt im Fußball, aber so etwas noch nicht.“

Im ersten Moment sei er „sehr enttäuscht“ gewesen, meint der Abwehrspieler: „Ich nehme mir so etwas zu Herzen.“ Aber mittlerweile geht der Blick schon wieder nach vorne. Toprak: „Die Reha läuft gut, ich bin voll im Plan. Dennoch kann ich nicht sagen, wann ich wieder spielen werde. Man kann nie wissen, wie der Muskel reagiert.“

...die Eingewöhnung in Bremen

Spaziergänge durch die Altstadt hat Ömer Toprak gemacht. „Ich muss ja wissen, wo ich hier bin“, sagt er. Aber noch lebt er im Hotel, ist als Single auf Wohnungssuche. Im Team fühlt er sich dagegen bereits sehr zu Hause. „Alle sind sehr nett zu mir. Ich habe kein Anpassungsproblem, fühle mich hier überhaupt nicht fremd. Ich bin schon angekommen bei Werder.“

...die Ziele mit Werder Bremen

39 Champions-League-Einsätze mit Bayer Leverkusen und Borussia Dortmund, dazu zehn Spiele in der Europa League mit der Werkself – diese Bilanz lässt verstehen, warum Toprak gewissermaßen süchtig ist nach internationalen Auftritten. 

„Ich bin es gewohnt, auch am Dienstag oder Mittwoch zu spielen. Es fehlt mir“, erklärt der Deutsch-Türke und sagt ganz klar: „Ich will wieder nach Europa – mit Werder Bremen. Ich bin gekommen, um die Entwicklung des Vereins weiter voranzutreiben, um den eingeschlagenen Weg weiter zu gehen. Es ist natürlich schwierig, sich für den internationalen Wettbewerb zu qualifizieren, weil die anderen Mannschaften auch sehr gut sind. Aber ich habe Europa in mir.“

...acht Gegentore in drei Bundesliga-Spielen

Es ist nicht so, dass Ömer Toprak der Hauptverantwortliche für die acht Gegentreffer zum Saisonstart wäre. Schließlich stand er nur bei dreien auf dem Platz. Vielleicht kann er dennoch eine Erklärung liefern, warum es so häufig im Bremer Tor einschlägt? Kann er, meint Toprak und schildert aus der Sicht eines Innenverteidigers: „Die vielen Ausfälle sind ein Grund. Ein Abwehrverbund lebt einfach von der Eingespieltheit. Wenn immer wieder ein Spieler wegfällt, dann wird es schwierig.“ 

Aber: „So viele Chancen lassen wir ja gar nicht zu. Natürlich machen wir individuelle Fehler, manchmal fragt man sich allerdings: ,Wieso ist denn der Ball jetzt schon wieder reingefallen?’ Irgendwie ist es ein schwieriges Thema. Ich gehe aber davon aus, dass es besser wird, wenn die Abwehrkette eingespielt ist.“

...seine Aussichten auf einen Stammplatz bei Werder Bremen

Es wird noch drei, vier Wochen dauern, bis Toprak wieder zur Verfügung steht. Bis dahin könnten Sebastian Langkamp und Milos Veljkovic, die Mitbewerber für den Platz in der Innenverteidigung, schon wieder fit sein, hätten dann einen Vorsprung. Toprak könnte erstmal hinten dran sein. „Aber ehrlich: Daran denke ich jetzt noch überhaupt nicht. Meine Priorität ist es, jetzt gesund zu werden. Alles weitere entscheidet der Trainer.“

...den Abschied vom BVB

Nur 230 Bundesliga-Minuten in der vergangenen Saison – diese Arbeitsbelastung war für Ömer Toprak nicht nur zu zu wenig, sondern auch ungewöhnlich. „Für mich war das neu. Ich habe ja sonst immer gespielt“, sagt er und erklärt damit den Hauptgrund, weshalb Werder Bremen bei ihm überhaupt landen konnte. „Borussia Dortmund ist ja ein super Verein, und ich habe mich dort auch sehr wohl gefühlt, wollte gar nicht unbedingt weg. Aber ich will auch auf dem Platz stehen, will Teil einer Mannschaft sein. Nur dann fühle ich mich am besten.“ 

Deshalb ließ er sich an Werder ausleihen – mit der Klausel, langfristig in Bremen bleiben zu können. Wann diese Klausel greift, ist unklar. Ömer Toprak redet auch nicht drüber: „Dafür ist es zu früh.“ Aber so viel kann er doch verraten: „Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass ich auch in der kommenden Saison für Werder spiele.“

...seinen Kart-Unfall vor zehn Jahren

Es war ein großer Freizeitspaß mit Freunden. Ein Kart-Rennen in Umkirch nahe Freiburg. Eigentlich harmlos. Doch es passierte etwas Schlimmes. Ömer Toprak fuhr auf ein anderes Kart auf, ein Tank riss, das Benzin fing Feuer. Der damals 19-Jährige erlitt schwere Verbrennungen an den Beinen. „Hinter meiner Karriere stand ein Fragezeichen“, sagt Toprak, der mittlerweile aber über den Unfall und die folgenden sieben Operationen spricht, wie andere über einen verstauchten Knöchel. 

„Ich denke nicht oft daran. Klar, die Narben an meinen Beinen verbinde ich natürlich immer mit dem Unfall.“ Weitere Spätfolgen gibt es jedoch nicht: „Das Ganze ist jetzt zehn Jahre her, ich habe damit kein Problem mehr. Es ist einfach ein Teil von mir.“ Eigentlich hat die Erfahrung von damals, die Angst um die Gesundheit und die Karriere heute sogar etwas Gutes. Toprak: „Ich kann mit einer Verletzung wie der aktuellen ganz anders umgehen. Weil ich weiß: Hey, es gibt etwas Schlimmeres.“

...seinen Freund Nuri Sahin

Dass Ömer Toprak und Nuri Sahin heute beste Freunde sind, hat auch etwas mit dem Kart-Unfall von 2009 zu tun. Zu der Zeit kannten sich beide nur als Gegner vom Fußball-Platz, dennoch war Sahin „einer der Ersten, die sich bei mir gemeldet haben. So hat sich das dann entwickelt.“ Aus der von Sahin angebotenen Hilfe wurde Freundschaft – befeuert auch durch eine gemeinsame Karriere in der türkischen Nationalmannschaft sowie eine gemeinsame Saison (2017/18) bei Borussia Dortmund

Allerdings ist es falsch zu glauben, dass Sahin auch entscheidend an Topraks Wechsel vom BVB nach Bremen beteiligt gewesen ist. „Man meint das immer“, grinst Toprak, „aber nach guten Gesprächen mit Frank und Flo (gemeint sind Sportchef Frank Baumann und Trainer Florian Kohfeldt, d. Red.), war ich schon relativ entschieden, zu Werder Bremen zu wechseln, bevor ich überhaupt das erste Mal mit Nuri darüber gesprochen habe.“

...Ziehvater Christian Streich vom SC Freiburg

Wenn jemand im Leben von Ömer Toprak die Bezeichnung „sportlicher Ziehvater“ verdient, dann sicher Christian Streich. Der Bundesliga-Coach des SC Freiburg war Entscheidungsträger in der Jugendabteilung des Clubs, als Top-Talent Toprak 2005 vom FV Ravensburg in die U 17 des SC Freiburg wechselte. Später war Streich Topraks A-Jugend-Coach und Co-Trainer im Bundesliga-Team. „Er war sehr prägend für mich“, sagt Toprak über den 54-Jährigen: „Er hat mich immer unterstützt, hat mir viel beigebracht. Ich habe ihm wirklich viel zu verdanken.“ 

Vor allem nach dem Kart-Unfall. „Wir haben damals viel miteinander gesprochen. Er wollte mich sogar in den Trainerstab holen, wenn ich nicht mehr Fußball hätte spielen können“, erinnert sich Toprak, dem Streich später verriet, dass der Glaube an ein Comeback damals nicht der größte war im Club. Doch es klappte, und aus Ömer Toprak, dem Unfallopfer, wurde ein Bundesliga-Star. Der sich auf jedes Spiel gegen Freiburg besonders freut: „Christian Streich und ich haben immer noch Kontakt. Und wenn wir uns bei den Spielen sehen, ist das immer sehr schön. Er war immer ehrlich zu mir, das schätze ich sehr an ihm.“

Weitere News zu Werder Bremen

Am Donnerstagnachmittag hat der SV Werder Bremen dank Claudio Pizarro und Leonardo Bittencourt sein Testspiel bei Hannover 96 gewonnen. Auch Martin Harnik hatte bei seinem Debüt für den HSV Grund zur Freude: Er traf im Testspiel gegen den VfL Wolfsburg. Bitte Diagnose für den Mittelfeldspieler: Werder Bremen muss ein halbes Jahr auf Kevin Möhwald verzichten. Derweil lässt Maxi Eggestein seine Zukunft bei Werder Bremen offen, schließt einen Wechsel nicht aus.

Das könnte Dich auch interessieren

Kommentare