Dreierpack beim 3:1-Sieg gegen Schalke 04

Werder-Held Füllkrug nach dem Dreierpack: „Ich vertraue mir am meisten“

Die Bremer Teamkollegen beglückwünschen Niclas Füllkrug.
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Gegen Schalke ein Bild ohne Seltenheitswert: Niclas Füllkrug wird von seinen Teamkollegen des SV Werder Bremen beglückwünscht.

Bremen – Mit „ein bisschen Wut im Bauch“ hat Niclas Füllkrug Werder Bremen zum 3:1-Sieg bei Schalke 04 geschossen. Alle drei Tore gingen auf das Konto des Mittelstürmers, der zuvor sowohl im DFB-Pokalspiel bei Carl Zeiss Jena (2:0) als auch zum Bundesliga-Auftakt gegen Hertha BSC nicht erste Wahl gewesen war.

Doch gegen Schalke durfte Niclas Füllkrug von Beginn an ran und schnürte den Dreierpack. Klarer Fall also, wer jetzt die Nummer eins in der Stürmerhierarchie des SV Werder Bremen ist? Über dieses und andere Themen äußerte sich der 27-Jährige am Tag nach dem Spiel in einer Medienrunde. Füllkrug über...

... seine drei Tore für Werder Bremen gegen Schalke 04

Natürlich machen ihn die drei Treffer zum Matchwinner, doch in der Nachbetrachtung macht Füllkrug aus dem Spiel keine One-Man-Show. „Der Sinn der drei Tore ist wichtiger, als dass ich sie geschossen habe“, sagt er – denn: „Wir mussten dieses Spiel unbedingt gewinnen.“

... seinen Frust
Joker gegen Jena, Joker gegen Hertha – „da war schon ein bisschen Enttäuschung dabei, wie bei jedem, der nicht in der Startelf oder im Kader steht“, sagt Niclas Füllkrug, der zweimal hinter Davie Selke zurückstecken musste. Dass er es dann gegen Schalke so hat krachen lassen, könnte als Reaktion auf diesen Frust gesehen werden. Dem Torjäger ist das aber zu simpel: „Es ist natürlich immer leicht, so etwas zu sagen. Aber ich finde, dass die Art und Weise, wie ich aufgetreten bin, eine viel deutlichere Reaktion war als die drei Tore.“ Gemeint ist sein Kampfeswille seine Mentalität. 

Nach Kreuzbandriss: Spielte Niclas Füllkrug von Anfang an, holte Werder Bremen im Schnitt 2,4 Punkte pro Spiel

... seinen Wert fürs Team
Füllkrug ganz deutlich: „Ich bin da relativ selbstbewusst. Ich hätte keinen Dreierpack schießen müssen, um für mich zu wissen, dass ich der Mannschaft weiterhelfen kann. Der Dreierpack unterstreicht das.“ Tatsächlich ist es so, dass Werder mit ihm in der Startelf einen deutlich besseren Punkteschnitt hat als ohne ihn. Seit Beginn der vergangenen Saison und unterbrochen durch seine lange Verletzungspause wegen des Kreuzbandrisses hat Füllkrug in der Liga zehn Spiele für Werder Bremen bestritten. Fünfmal stand er in der Startelf, fünfmal wurde er nur eingewechselt. Ergebnis: Spielte er von Anfang an, holte das Team im Schnitt 2,4 Punkte, gewann also vier der fünf Spiele. War er nur Einwechselspieler kamen nur 0,6 Zähler pro Spiel dabei heraus – also nur ein Sieg aus fünf Begegnungen. Gravierende Unterschiede, die Füllkrug so kommentiert: „Ich glaube, dass ich der Mannschaft einen Input geben kann. Es war schon immer mein Gefühl, dass die Mannschaft einen Anker braucht – jemanden, der die Mentalität auf dem Platz vorlebt. Und ich glaube, ich kann einer derjenigen in unserer Mannschaft sein, der so eine Rolle einnimmt.“
... die eigene Fitness
Auch nach der Gala auf Schalke gab Coach Florian Kohfeldt Füllkrug keine Startelf-Garantie für das kommende Heimspiel gegen Arminia Bielefeld. Grund: Er müsse Maß halten, was die Belastung seines Top-Stürmers betrifft. Der will einerseits immer spielen, sagt andererseits aber auch: „Grundsätzlich fühle ich mich fit, meine Werte sind super. Ich kann aber total nachvollziehen, dass man mich langsam aufbauen will. Denn vergangene Saison kam ich aus einer Verletzung zu Werder Bremen, und dann hat es auf einmal Peng gemacht. Ich glaube, das ist überall noch so ein bisschen in den Hinterköpfen.“

Werder Bremen: Florian Kohfeldt will Niclas Füllkrug „konstant durch die Saison bringen“

Peng – das war der Kreuzbandriss nach dem vierten Spieltag. „Da hat es extrem geknallt, das möchte ich nicht noch mal erleben“, erklärt Füllkrug, der sich selbst auch zur Vorsicht erziehen möchte. Wie auf Schalke, als er nach etwas mehr als einer Stunde das Signal zur eigenen Auswechslung gab: „Da spiele ich lieber drei Spiele nur über 60 statt über 90 Minuten und komme ohne große Verletzung durch die Saison.“ Für Kohfeldt ist es auch das oberste Ziel, Niclas Füllkrug „konstant durch die Saison zu bringen“.
... die Elfer-Coolness 
Es war für Füllkrug gar keine Frage, wer beim Stand von 2:0 den Elfmeter schießen würde: Er selbst natürlich. „In dem Moment war es einfach nur wichtig, das 3:0 zu erzielen. Ich wollte den schießen, weil ich mir in der Situation am meisten vertraue“, meint der gebürtige Hannoveraner und nimmt in Kauf, „ein bisschen arrogant zu klingen“, wenn er sagt: „Ich denke, dass ich zu den zwei, drei besten Elfmeterschützen im Team gehöre. Ich war mir sicher, dass ich den Elfer verwandle. Da ist es für mich keine große Herausforderung gewesen, auch gegen Schalke zu schießen. Ich habe deshalb kein Kribbeln im Bauch.“

Werder Bremen: Niclas Füllkrug gesteht - „sage manchmal Sachen, die nicht perfekt angebracht sind“

... seine Sprints
Es lief die 29. Minute in der Veltins-Arena, als Josh Sargent den Kollegen mit einem langen Pass ins Laufduell mit der Schalker Abwehr schickte. Füllkrug gewann – und das war kein Zufall, wie er stolz erläutert: „Ich erreiche mittlerweile ganz andere Geschwindigkeiten als vor meiner Verletzung, laufe im Training regelmäßig 34 km/h. Auf einem langen, geraden Sprint fühle ich mich schnell und spritzig.“ Woher die Steigerung kommt? „Ich weiß es auch nicht.“
... seine impulsive Art
Im Zillertal war er bei einer Trainingseinheit vom Platz geflogen, und auch sonst geht Füllkrug keinem Streitgespräch aus dem Weg – schon gar nicht mit Coach Kohfeldt, den er seit der C-Jugend kennt. Diskussionen gehören bei dem Stürmer dazu. „Ich bin einfach ein sehr ehrlicher und direkter Mensch, deshalb sage ich auch mal Sachen, die nicht perfekt angebracht sind und nicht perfekt in die Situation passen. Manchmal kriege ich dafür einen Rüffel, manchmal schluckt der Trainer das auch runter, weil er mich kennt und damit umzugehen weiß“, meint Niclas Füllkrug, der Vorkommnisse wie das im Zillertal völlig normal findet: „Es ist wirklich nicht das erste Mal, dass ich im Training vom Platz geschickt wurde. Das war aber schnell abgehakt, da bleibt nichts hängen.“  (csa)

Zur letzten Meldung vom 26. September 2020:

Niclas Füllkrugs Gala bringt keine Einsatzgarantie: Wieso Florian Kohfeldt beim Torjäger des SV Werder Bremen auf die Bremse drückt

Florian Kohfeldt ist, wenn er will, ein Großmeister des Erklärens, warum er was wie gemacht hat. Wieso er aber Niclas Füllkrug im Spiel gegen Schalke 04 in die Startelf gestellt hatte, wollte der Trainer von Werder Bremen nach dem 3:1-Sieg nicht ausschweifend erläutern. „Es war ein Bauchgefühl – und manchmal habe ich damit auch Glück“, sagte er mit einem Lachen, das absolut berechtigt war.

Denn das Bauchgefühl des Trainers war in diesem Fall drei Tore wert gewesen. Niclas Füllkrug traf gegen die Schalker in der 22., 37. und 59. Minute (Tor Nummer drei per Foulelfmeter, den er selbst erzwungen hatte) und avancierte damit zum Matchwinner bei Werder Bremen.

Drei Tore in einem Bundesliga-Spiel – das war Füllkrug in seiner Karriere bis dato nur einmal gelungen. Es war im Januar 2018 beim 3:2-Erfolg von Hannover 96 über Mainz 05. Nun wiederholte er das Kunststück gegen Schalke 04 – und das in einem Spiel, in dem es für Werder, aber auch für ihn um enorm viel ging. Die Mannschaft brauchte den Sieg, um nicht gleich wieder in den Krisenmodus der Vorsaison zu geraten. Und Niclas Füllkrug brauchte die Tore, um eine entstandene Unsicherheit seinen Status betreffend zu vertreiben. Nachdem er zum Saisonauftakt gegen Hertha BSC nur eingewechselt worden war, stellte sich die Frage, ob Davie Selke ihn in der Hierarchie überholt haben könnte.

Werder Bremen: Trotz Dreierpack - keine Startelfgarantie für Niclas Füllkrug!

Doch diese Frage dürfte Füllkrug mit den drei Toren geklärt haben. Angestachelt war er durch die Joker-Rolle gegen die Hertha in jedem Fall. „Natürlich war ich enttäuscht. Aber so ein bisschen Wut im Bauch zu haben, ist ja nicht immer schlecht, um eine gute Leistung abzurufen“, sagte der Torjäger. Einen der Spielbälle nahm er übrigens aus der Veltins-Arena mit nach Hause. „Der kommt bei mir in die Vitrine.“ Wo auch schon andere „Hattrick-Bälle“, wie Füllkrug sie nennt, ausgestellt sind. Aber der aus Schalke ist erst der zweite aus der Bundesliga.

Was Füllkrugs Dreierpack nun für die nächsten Spiele bedeutet? Nicht sehr viel, erklärt Kohfeldt und hält das Rennen zwischen dem dreifachen Torschützen und Davie Selke offen. Gesetzt bleibt bei ihm im Sturm offenbar nur Josh Sargent, dessen Arbeit gegen den Ball der Coach „brillant“ nannte: „Ich hätte ihm auch sehr ein Tor gewünscht.“ Doch die schoss am Samstag allein Niclas Füllkrug. Dennoch verweigerte Kohfeldt ihm eine Startelfgarantie für das kommende Heimspiel gegen Arminia Bielefeld (Samstag, 15.30 Uhr). „Diesmal passte es vom Positionsprofil her gut, und wir hatten Glück. Es gibt aber keinen Automatismus, dass er nächste Woche wieder Startelf spielt und wieder und wieder und wieder.“

Werder Bremen gegen Schalke 04: Niclas Füllkrug bat nach 68 Minuten um seine Auswechslung

Das Wichtigste sei, den mit einer langen Verletzungsgeschichte versehenen Torjäger „konstant über die Saison zu bringen“, sagt Kohfeldt. Heißt: Einsätze dosieren, sensibel mit Anzeichen körperlicher Probleme umgehen. Ein weiterer langer Ausfall des 27-Jährigen, der die Vorsaison wegen eines Kreuzbandrisses beinahe komplett verpasst hatte, würde Werder Bremen schließlich hart treffen. Auf Schalke habe Niclas Füllkrug nach 68 Minuten sogar um seine Auswechslung gebeten, berichtet Kohfeldt: „Und das macht er nicht ohne Grund.“

Die Botschaft, die hinter dieser Aussage steckt, ist, dass Niclas Füllkrug immer noch nicht zu hundert Prozent fit ist. Was Florian Kohfeldt auch in der Pressekonferenz vor dem Spiel angedeutet hatte, als er sagte: „Ich sehne den Moment herbei, an dem ich wieder voll auf Niclas zurückgreifen kann.“ Dass der Coach des SV Werder Bremen diesen Moment am Samstag gekommen sah, lag vor allem an Füllkrug selbst. Nach vielen Gesprächen während der Trainingswoche und einem letzten am Samstagmorgen sei klar gewesen, den 27-Jährigen von Anfang an spielen zu lassen. Kohfeldt: „Ausschlaggebend war, dass er sagte, dass er sich jetzt bereit fühlt. Dann habe ich es entschieden.“ Aus dem Bauch heraus. (csa)

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