Neuzugang von Werder Bremen stellt sich vor

Füllkrug: „Irre, wie sich die Dinge manchmal entwickeln“

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Niclas Füllkrug ist zurück bei Werder Bremen: Am Sonntag wurde der Neuzugang offiziell vorgestellt.

Bremen – Erstmal in Erinnerungen schwelgen. Zurück in Bremen führte einer der ersten Wege von Niclas Füllkrug ins Leistungszentrum des SV Werder Bremen. „Schon krass“ sei es gewesen, wen und was er dort noch alles wiedererkannte, sagt der 26-Jährige, der von 2006 bis 2012 in Bremen zum Profi ausgebildet worden war.

Aber als Profi spielen durfte er nur eine Saison an der Weser. Jetzt ist er zurück. Gereift, gestanden, gefährlich – jedenfalls setzt Werder Bremen auf Letzteres. Füllkrug, der in Bremen für vier Jahre unterschrieben hat, soll künftig jene Tore schießen, die der zu Fenerbahce abgewanderte Max Kruse nicht mehr für Werder schießen kann. Eine große Aufgabe.

Es ist Füllkrug bei seinem ersten Medientermin als Wieder-Werder-Profi wichtig zu betonen, dass er anders ist als Kruse. „Ein anderer Spielertyp“, sagt er. Aber das wissen ja alle. Auch wenn Sportchef Frank Baumann gerne die Verpflichtung von Füllkrug als Kompensation des Kruse-Abgangs verkauft, ist es doch nicht so. Füllkrug beschreibt sich als „Spieler für die Box. Ich glaube, dass Werder so einer in der vergangenen Saison manchmal gefehlt hat.“ Kruse war eher Spielgestalter als Mittelstürmer. „Aber ich kann auch am Spiel teilnehmen“, meint Füllkrug. Aber eben anders. Er braucht die Vorlagen, liefert sie weniger selbst: „Also ein Links- oder Rechtsaußen werde ich nicht mehr.“

Niclas Füllkrug: „Ich bin voll belastbar“

Muss ja auch nicht. Zunächst ist sowieso nur wichtig, dass Füllkrug gesund und fit auf dem Platz steht. Nachdem er im Dezember 2018 zum dritten Mal in seiner Karriere einen Knorpelschaden im Knie erlitten hatte, hält die Welt den Angreifer für einen Risiko-Spieler. Füllkrug selbst tut es – wenig überraschend – nicht. „Mir geht es gut, ich bin voll belastbar“, erklärt er seinen Zustand, hinter dem dennoch Fragezeichen stehen.

Am Ende der vergangenen Saison war er für Hannover 96 nochmal auf den Platz zurückgekehrt – unter Pfiffen, weil die Fans ihm die Umstände des zu diesem Zeitpunkt bereits feststehenden Wechsels nach Bremen übel nahmen. Füllkrug spielte ein paar Minuten, im nächsten Spiel aber schon nicht mehr. Wie also die Belastbarkeit des Knies ist, wie seine Fitness – die Vorbereitung muss es zeigen.

Medizinische Abteilung bei Werder Bremen ein Grund für Wechsel von Niclas Füllkrug

Ob jetzt Risiko-Profi oder nicht – für Füllkrug ist auf jeden Fall klar, dass er ob seiner Vorgeschichte besondere Vorsicht walten lassen muss. „Ich muss neue Wege für mich finden, trainiere jetzt schon sehr viel mit alternativen Methoden. Ein Grund, weshalb ich mich für Werder entschieden habe, war auch die gute medizinische Abteilung. Ich denke, dass sie mir helfen werden, dieses Trainingsprogramm für mich zu entwickeln.“ Damit der dritte Knorpelschaden der letzte bleibt.

Insgesamt möchte sich Füllkrug mit seiner Kniescheibe und den „gewissen Dingen, die ich besser nicht machen sollte“, nicht zu viel beschäftigen. „Ich möchte frei sein im Kopf“, sagt er und lacht das typische Füllkrug-Lachen. Das, bei dem die Zahnlücke hervorsticht. Damals bei Werder hat ihm Marko Arnautovic deshalb den Spitznamen „Lücke“ verpasst. Auf den folgenden Stationen Fürth, Nürnberg und zuletzt eben Hannover 96 war er zwar immer der „Fülle“, aber hier in Bremen „dürft ihr gerne wieder Lücke zu mir sagen. Die Fans haben da offenbar auch Bock drauf.“

Niclas Füllkrug kennt viele Kollegen bei Werder Bremen gut

Sie erinnern sich eben an einen jungen unbekümmert-frechen Stürmer, der es aus der eigenen Jugend ins Bundesliga-Team geschafft hatte. Der bei Werder auf dem Weg nach oben war. Bis der erste Knorpelschaden kam. Dass er nun für 6,5 Millionen Euro zurückgekauft wurde, zeigt aber, dass sich Füllkrug trotzdem gut weiterentwickelt hat. Vor einem Jahr klopfte er sogar an die Tür zur Nationalmannschaft – das will er mit Werder nun wieder erreichen. Große Eingewöhnungszeit, da ist sich der gebürtige Hannoveraner sicher, wird er nicht brauchen.

Martin Harnik ist sein Freund, mit Claudio Pizarro und Theo Gebre Selassie hat er noch bei Werder zusammengespielt, mit Kevin Möhwald beim 1. FC Nürnberg. Es liegt also nicht nur an dem Vorleben im NLZ, dass Füllkrug eigentlich gar kein Neuer ist bei Werder Bremen. „Es fühlt sich tatsächlich nicht so extrem an wie bei anderen Clubwechseln“, meint er und denkt dabei auch an Trainer Florian Kohfeldt. Der war in der U14 und U15 sein Coach. Nun ist er es wieder. Aber in der Bundesliga. Füllkrug kann darüber - wie auch über das große Wiedersehen mit vielen anderen bekannten Gesichtern - gar nicht aufhören zu staunen: „Es ist irre, wie sich die Dinge manchmal entwickeln.“

Und bei den Füllkrugs entwickelt sich gerade etwas ganz Besonderes. Im August wird der erste Nachwuchs erwartet. Deshalb hat der 26-Jährige in Bremen auch ein Haus „mit kleinem Garten“, wie er extra betont, gekauft.

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