Verein zieht im Abstiegskampf personelle Konsequenzen

Für den Klassenerhalt: Werder Bremen suspendiert Mitarbeiter

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Werder Bremen trennt sich von Physiotherapeut Uwe Schellhammer (v.l.) und Psychologe Andreas Marlovits, Athletikcoach Axel Dörrfuß wird von seinen Aufgaben rund um die Profi-Mannschaft entbunden.

Bremen – Der SV Werder Bremen zieht im Abstiegskampf drastische personelle Konsequenzen. Der Bundesligist trennt sich allerdings nicht – wie andernorts in solchen Situationen üblich – von seinem Chef-Trainer Florian Kohfeldt, sondern entbindet gleich drei Mitarbeiter von ihren Aufgaben rund um das Bundesliga-Team.

Während Axel Dörrfuß, der Leiter der Abteilung Performance, sich auf andere Aufgaben im Club konzentrieren soll, müssen Chef-Physiotherapeut Uwe Schellhammer und Sportpsychologe Andreas Marlovits Werder Bremen verlassen.

Werder Bremen: Probleme zwischen Fachbereichen

Ganz überraschend kommen diese Entscheidungen freilich nicht, wenngleich der Zeitpunkt Mitten in der Rückrunde etwas ungewöhnlich ist – und das Trio in der Außendarstellung zu Sündenböcken macht. „Es ging uns darum, dass wir jetzt keine Nebenschauplätze gebrauchen können, und es ging nicht darum, irgendwelche Sündenböcke zu finden“, betonte Werder-Sportchef Frank Baumann in einer kleinen Medienrunde.

Nach den vielen Verletzungen in der Sommer-Vorbereitung und in der Hinrunde hatte er angekündigt, jeden Stein umzudrehen, um die Ursachen dafür zu finden. „Wir haben in der ausführlichen Analyse während der Hinserie bereits Problemfelder insbesondere in der Abstimmung und Kommunikation zwischen den Fachbereichen benannt“, wird Baumann zudem in einer Pressemitteilung zitiert. Damit meint er den Bereich Athletik und Medizin.

Werder Bremen: Konflikte zwischen Uwe Schellhammer und Axel Dörrfuß

Dort wurde ganz offensichtlich nicht ausreichend miteinander gesprochen, wenn Spieler angeschlagen oder verletzt waren. Außerdem soll es dabei auch immer wieder zu Konflikten zwischen Schellhammer und Dörrfuß gekommen sein. Nach einer zwischenzeitlichen Verbesserung habe sich die Lage zuletzt wieder verschärft, so Baumann: „Wir hatten in der bisherigen Konstellation zu viele Reibungsverluste. Da wir in der aktuellen Situation weitere Konflikte vermeiden und alle Kräfte für das Ziel Klassenerhalt bündeln müssen, haben wir diese Entscheidung im Sinne des Vereins getroffen.“

Uwe Schellhammer wurde mit sofortiger Wirkung freigestellt. Der 52-Jährige war erst im Sommer 2019 vom Hamburger SV an die Weser gewechselt. Seine leitende Funktion übernimmt nun Mannschaftsarzt Dr. Daniel Hellermann. Möglicherweise wird noch ein Physiotherapeut aus dem Nachwuchsleistungszentrum aufrücken.

Werder Bremen: Axel Dörrfuß darf im Club bleiben, Andreas Marlovits geht

Axel Dörrfuß darf dagegen bei Werder Bremen bleiben – zumindest bis Sommer. Dann will Baumann die Zusammenarbeit neu bewerten. Dörrfuß ist seit 2015 für die Grün-Weißen tätig und war schon einmal von Kohfeldt-Vorgänger Alexander Nouri degradiert worden. Auch heute soll sich der inzwischen 47-Jährige nicht mehr mit den Profis beschäftigen, sondern nur noch mit den Talenten und dem großen Ganzen im Bereich Athletik, Leistungsdiagnostik, Kognition und Ernährung.

Etwas anders stellt sich der Fall Andreas Marlovits dar. Bei ihm ist nicht von atmosphärischen Störungen oder mangelhafter Kommunikation die Rede, sondern von Abnutzungserscheinungen. Vor vier Jahren hatte der damalige Sportchef Thomas Eichin den Sportpsychologen im Abstiegskampf dazugeholt. Mit Erfolg! Werder Bremen hielt die Klasse. Marlovits wurde ein gewisser Anteil daran zugesprochen. Ihm erging es allerdings wie Dörrfuß: Unter Nouri spielte er keine Rolle mehr. Kohfeldt holte ihn dann vor rund zwei Jahren zurück, band ihn sogar noch stärker ein, Marlovits gehörte bald zum festen Betreuerstab. „Er hat in den letzten vier Jahren gute Arbeit geleistet“, betont Baumann.

Werder Bremen: Keine weiteren personellen Veränderungen geplant

Aber zuletzt seien nicht mehr die erhofften Effekte eingetreten. „Für die Mannschaft kann es in der aktuell sehr schwierigen Phase sinnvoll sein, einen neuen Impuls zu bekommen“, ließ sich Baumann zitieren und erinnerte in seiner Wortwahl an einen Sportchef, der gerade den Cheftrainer entlassen hat. Aber es ging um die Trennung vom Sportpsychologen Marlovits – „in beiderseitigem Einvernehmen“, hieß es dazu noch. Der neue Impuls wird so schnell aber noch nicht kommen, denn einen Nachfolger konnte Baumann nicht präsentieren. Bei der Suche will er sich auch nicht unter Druck setzen lassen, sondern in diesem sensiblen Bereich in Ruhe entscheiden.

Weitere personelle Veränderungen seien übrigens nicht geplant – schon gar nicht im Trainerteam, stellten Baumann und auch Florian Kohfeldt selbst auf Nachfrage klar. Sie erhoffen sich durch ihre aktuellen Maßnahmen, die in letzter Konsequenz allein von Sportchef Baumann entschieden worden seien, auch ein Signal an die Mannschaft. Es würden eben auch mal harte Entscheidungen getroffen, um Störfaktoren im Abstiegskampf zu beseitigen und neue Energie freizusetzen. (kni)

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