Ex-Bremer hat besondere Beziehung zu den Eggesteins

Todts Analyse: Werder nicht wirklich auf Euro-Kurs, aber Füllkrug wird helfen

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Von 1996 bis 1999 kickte Jens Todt für Werder Bremen.

Bremen – Von Hans-Günter Klemm. Werder hat das Ziel Europa knapp verpasst. Und Ex-Werder-Profi Jens Todt ist skeptisch, ob es die Bremer in der neuen Spielzeit nach Europa schaffen können.

„Für Vereine wie Werder, die eher im mittleren Segment angesiedelt sind, was die Finanzen betrifft, ist die Qualifikation für den internationalen Wettbewerb kaum planbar“, betont Jens Todt, der momentan arbeitslose Fußballmanager. Der Abstand zu den nationalen Größen sei enorm, fügt der 49-Jährige an: „Es muss schon alles passen, damit ein Club wie Werder oben reinrutscht und dann an die prall gefüllten europäischen Fleischtöpfe gelangt.“

Jens Todt spielte von 1996 bis 1999 für Werder Bremen

Todt, der von 1996 bis 1999 in 72 Partien für den SV Werder sechs Tore erzielt hat, war zuletzt für den Hamburger SV als Sportdirektor tätig. Als Bernd Hoffmann bei den „Rothosen“ wieder die Macht übernahm, wurde Todt im März 2018 zusammen mit Vorstandschef Heribert Bruchhagen freigestellt. Seitdem ist er ohne Job. Es gab mal Kontakt zum 1. FC Nürnberg, aber daraus wurde nichts.

Todt lebt inzwischen in Potsdam und verfolgt natürlich intensiv die Branche, speziell die Bundesliga. Werder zählt er zu den „sehr erfreulichen Erscheinungen“, bewundert die Arbeit dort, die mit „sehr ruhiger Hand“ geleistet werde. „Die handelnden Personen arbeiten unaufgeregt und sind zum Glück uneitel.“ Die Kombination passe halt, wie so häufig bei Werder. Das Führungstrio mit Aufsichtsratschef Marco Bode, Manager Frank Baumann und Trainer Florian Kohfeldt harmoniere prächtig und agiere auf einer ausgezeichnet sachlichen Ebene. „Der Kreis der verantwortlichen Personen ist glücklicherweise sehr klein. Es gibt zudem keine Grabenkämpfe und keine Einmischung von anderen Gremien, so dass die Wahrscheinlichkeit recht groß ist, dass sich Erfolg einstellt.“

Werder Bremen hat unter anderem mit den Eggestein-Brüdern eine gute Mischung hinbekommen

Dabei findet der Ex-Nationalspieler (drei Einsätze), der früher mal ein Volontariat beim Spiegel absolviert hat und danach als Redakteur bei dem Magazin tätig gewesen ist, auch die Zusammenstellung des Kaders sehr interessant. Die Verantwortlichen hätten es geschafft, im Aufgebot eine gute Mischung hinzubekommen. Dabei nennt er zum einen die Eggestein-Brüder aus der eigenen Jugend. Zu ihnen hat er eine besondere Beziehung, schließlich kickte er einst mit Papa „Kalle“ Eggestein gemeinsam für den TSV Havelse. Auf der anderen Seite wäre da auch ein Toptransfer wie Davy Klaassen, der vom FC Everton losgeeist wurde: „Er hat sehr gut funktioniert.“

Nun sei es vordringlich, eine Mannschaft aufzubauen, die ohne Max Kruse funktioniert. Kruses Weggang kann er nachvollziehen: „Ein Spieler in seinem Alter, der ablösefrei ist, möchte noch mal in eine andere Gehaltsklasse aufrücken.“

Jens Todt hält große Stücke auf Werder-Profi Fin Bartels

Große Stücke hält Todt auf Fin Bartels, den seit einem Jahr fast dauerhaft fehlenden Außenstürmer. „Ich bin gespannt, wie er sich nach der langen Pause präsentiert. Ich traue ihm zu, dass er erneut sehr wertvoll für die Mannschaft werden kann.“ Als „guten und typischen Werder-Einkauf“ bewertet Todt die Rückkehr von Niclas Füllkrug, der viel Wucht und viel Tempo mitbringe. So ein Stürmertyp, also ein arbeitender Mittelstürmer, habe im Kader noch gefehlt.

Problem von Werder Bremen: Verletzungsanfälligkeit von Philipp Bargfrede

Doch Todt sieht auch ein Problem – und zwar durch die Verletzungsanfälligkeit von Philipp Bargfrede. Ein weiterer Sechser würde der Truppe gut zu Gesicht stehen. Doch Todt mag nicht abschätzen, inwieweit die finanziellen Mittel reichen, um einen gestandenen Akteur für diese Position zu gewinnen: „Spieler, die verlässlich diese Rolle ausfüllen können, die dazu noch Deutsch sprechen, sind sehr gefragt und recht teuer.“

Todt selbst wartet ab. Er hat schon so viel erlebt im Fußball, war nicht nur selbst Profi in Havelse, Bremen, Stuttgart und Freiburg, er hat auch im Management beim HSV, dem VfL Bochum und dem Karlsruher SC gearbeitet. Erfahrung bringt Todt also mehr als genügend mit.

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