Als Werder im HSV-Dress spielen musste: Bremer Trikotsünden

Am Freitag, 29. Juni, stellt Werder voraussichtlich die neuen Trikots von Ausrüster Umbro vor. Zeit, auf einige Worst-Case-Szenarien der Bremer Trikotgeschichte zu blicken.

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Wenn Werder Bremen gegen den Hamburger SV spielt, ist das immer auch das Duell Klein gegen Groß, Arm gegen Reich und vor allem: Grün gegen Blau. Im November 1971 sahen die Zuschauer am heimischen Schwarzweiß-Fernseher zunächst allerdings nur eines: Weiß.

„Beide Mannschaften sollten sich vor allem bemühen, den Zuschauern eine farbige Partie zu bieten“, hatte Werder-Trainer Sepp Piontek vor dem Nordderby gegen den HSV gesagt, wohl wissend, dass die tabellarische Ausgangslage kaum Spannung versprach. Beide Mannschaften hatten im Herbst 1971 weder mit der Meisterschaft, noch mit dem Abstieg etwas zu tun, aber Werders junger Trainer bemühte sich gerade, offensiven Fußball statt des bisher kampfbetonten Werder-Spiels zu etablieren - eine Art Blaupause für Bremer Fußballkultur. Und so entwickelte sich im novembergrauen Hamburg zwar eine ansehnliche Partie, aber noch keine besonders „farbige“.

Werder trat im Volksparkstadion in seinen neuen „Speckflaggen“-Trikots an. Mit roten und weißen Streifen gegen die Hamburger, die ihrerseits weiße Hemden zu ihren roten Hosen trugen. Und Ton in Ton, das ging zunächst gut. Werder drängte in der ersten Hälfte auf das Führungstor und spielte sich mit dem neuen Angriffsfußball etliche Chancen heraus, scheiterte aber ein ums andere Mal an der gut gestaffelten Hamburger Abwehr. So stand es trotz Überlegenheit 0:0, als Schiedsrichter Walter Eschweiler zur Halbzeit pfiff.

Kurioser Trikottausch

Vielleicht verlor Werder die Partie anschließend auch seinetwegen: „Zweimal Rot-Weiß gibt es unter Flutlicht nicht mehr, die Bremer als Gastmannschaft haben zu wechseln“, ließ Eschweiler die Mannschaften zur Pause wissen. Vor allem die TV-Zuschauer hatten große Schwierigkeiten gehabt, die Trikots der Kontrahenten auseinanderzuhalten. Und obwohl man bei Werder keinen adäquaten Ersatz mitgebracht hatte, wurde es nun doch noch farbig: Denn die Bremer Spieler schlüpften nun in die blauen Auswärtstrikots des HSV.

Nur eine Viertelstunde später hatten die weiß-roten Hamburger zum 1:0 getroffen und damit das Spiel entschieden. Denn Werders Angriffsspiel gegen den nun immer defensiveren Gegner führte zunächst zu einem weiteren Gegentor resultierend aus einem Konter und brachte letztendlich nur noch den Anschlusstreffer ein. Werder hatte spielerisch zwar durchaus überzeugt, verließ den Platz am Ende aber mit hängenden Köpfen und der HSV-Raute auf der Brust.

1. Saison 1976/1977

Dies ist nicht etwa ein Mannschaftsfoto des FC Schalke, und auch nicht eins des HSV. In der Saison 76/77 trat Werder zu Hause in blauen Hummel-Leibchen an. Glück brachte es den Bremern nur wenig: Am Ende der Saison wurde man Elfter.

2. Saison 2009/2010

In der Saison 09/10 lief Werder des Öfteren im Stile der niederländischen Nationalmannschaft auf. Gelegentlich spielten die "Grün-Weißen" von der Weser nämlich ganz in orange. Sportlich verlief die Saison zufriedenstellend. Zurückerinnern werden sich die Fans vor allem an die Derbywochen gegen den HSV. Bei der einzigen Niederlage in den vier Aufeinandertreffen trug Werder übrigens…? Richtig, dieses Trikot.

3. Saison 1996/1997

In der Folgesaison 96/97 erwischte es dann sogar die Werder-Raute. Ein dunkelblaues "W" auf weißem Grund, dazu ein weißer Kragen, dünne "Strahlen" auf den Ärmeln und weiße Zacken auf dem Hosenbein - fertig war ein Trikot zum Vergessen.

4. Saison 2010/2011

Trikotsünde, das geht auch in grün und weiß. Beim Heimtrikot der Saison 10/11 fragten sich nicht wenige Anhänger, ob dort ein umgedrehter Weihnachtsbaum als Vorlage gedient hatte. Und auch der Saisonverlauf entsprach nicht dem Muster auf Werders Brust: Es ging nach den erfolgreichen Jahren zuvor bergab, mit 41 Punkten landete Werder auf Platz 13. 

5. Saison 2012/2013

In der Saison 12/13 warb erstmals der Geflügelhersteller "Wiesenhof" auf Werders Brust. Doch nicht nur das rief den Unmut vieler Fans hervor: Das grüne Rauten-Jersey mit kleinen Vierecken an den Ärmeln war nicht eben ein Hingucker.

6. Saison 2003/2004

Das "Papageientrikot" erhitzte die Gemüter: "Stop Orange"-Proteste gegen das grelle Orange einerseits, reißende Absatzzahlen andererseits. Aber: Wie auch immer man zum Trikot der Saison 03/04 steht, es wird immer mit dem Double-Sieg der Bremer verbunden sein.

7. Saison 1995/1996

Nach Jahren in grün-weiß präsentierte Werder zur Saison 95/96 ein blaues Trikot mit gelben Streifen und Kragen - eine Kombination, die man bis dato eigentlich nur aus Braunschweig kannte. Der fußballerische Erfolg hielt sich im Jahr eins nach Otto Rehhagel allerdings in Grenzen: Aad de Mos, der im Juli übernommen hatte, wurde schon nach sechs Monaten entlassen. Die Saison beendete Werder unter seinem Nachfolger "Dixie" Dörner auf Platz elf. 

8. Saison 1997/1998

Das Auswärtstrikot in der Saison 97/98 überzeugte wohl nur die wenigsten Werder-Fans. Das cremefarbene Hemd mit dunkelblauen Knöpfen am Hals und horizontalem Streifen-Muster auf dem Bauch sieht man heute in Bremen kaum noch - zurecht.

9. Saison 1998 - 2000

Ganz in schwarz mit orangenem Balken über der Brust lief Werder in ausgesuchten Spielen der Saisons 98/99 und 99/00 auf. Auch wenn das traditionelle Grün-Weiß gänzlich fehlte, das Trikot brachte Glück: Beim Pokalsieg über Bayern München und dem 4:0-Erfolg über Olympique Lyon nach 0:3-Hinspielniederlage im UEFA-Cup trugen die Werderaner dieses Trikot.

10. Saison 2013/2014

Auch in der Folgesaison 13/14 setzte Ausrüster Nike auf ein Muster aus kleinen Rauten. Zumindest bei Mode-Studierenden der Mediadesign-Hochschule in Düsseldorf kam das Trikot gar nicht an: "nicht fernsehtauglich", "nicht aufregend", "überzeugt leider nicht", war der Tenor. Damit war Werder Schlusslicht im Mode-Ranking. Auf dem Platz lief es etwas besser. Unter der Regie von Robin Dutt erreichte Werder Platz zwölf.

11. Saison 2000/2001

Das erste Trikot des Ausrüsters "Kappa" gab es zur Saison 00/01 in mehreren Varianten. Darunter dieses rote Oberteil mit blauen Nähten und einer schwarzen Hose - eine Kombination, die eher an den 1. FC Nürnberg, als an den SV Werder erinnerte.

Rubriklistenbild: © dpa

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