Interview mit der DeichStube

Früher Werder Bremen, später Hertha: Alexander Nouri im Interview über das Duell seiner Ex-Clubs und die Zeit mit Jürgen Klinsmann

Alexander Nouri, Ex-Trainer von Werder Bremen und Hertha BSC
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Alexander Nouri trainierte als Chefcoach sowohl die Profis des SV Werder Bremen, als auch die Hauptstädter von Hertha BSC.

Bremen – Sein letztes Spiel war ausgerechnet das gegen den SV Werder Bremen, den eigenen Ex-Club. 2:2 trennte sich Hertha BSC im März von den Bremern, danach veränderte sich die Fußballwelt radikal. Generell für alle, weil der Bundesliga-Lockdown folgte, und ganz speziell für Alexander Nouri.

Er kehrte nach dem Lockdown nicht mehr auf die Hertha-Bank zurück, nach vier Spielen als Berliner Interimstrainer war Schluss. Es war das Ende aufregender Monate in der Hauptstadt. Erst machte Jürgen Klinsmann den damals 40-Jährigen zu seinem Co-Trainer, dann rutschte Alexander Nouri nach Klinsmanns überraschender Demission auf den Cheftrainerstuhl. Am Samstag treffen Werder Bremen und Hertha BSC zum Start in die neue Saison wieder aufeinander, und Nouri ist nur noch Zuschauer. Aber ein sehr interessierter. Im Interview mit der DeichStube spricht er über seine ehemaligen Vereine und die eigene Zukunft.

Werder Bremen hat alle Vorbereitungsspiele gewonnen und ist auch im DFB-Pokal eine Runde weitergekommen. Die Hertha hat drei von vier Testpartien verloren und ist im Pokal mit 4:5 spektakulär an Zweitligist Eintracht Braunschweig gescheitert. Was bedeutet das für das Spiel am Samstag?

Ich bin selbst gespannt, was die Teams zeigen werden. Es ist nach einer Vorbereitung nie leicht, ein Gefühl zu entwickeln, wo man als Mannschaft wirklich steht. Da helfen auch Testspiele nur bedingt. Jeder fühlt sich bereit, hat aber immer auch gemischte Gefühle.

Meinen Sie wirklich, dass sich die Hertha nach dem Pokal-K.o. „bereit“ fühlt für die Bundesliga?

Bruno Labbadia (Hertha-Trainer, d. Red.) wird bestimmt versuchen, das negative Pokalerlebnis zu relativieren und den Glauben der Mannschaft an die eigenen Qualitäten zu stärken. Die Ambitionen der Hertha sind für diese Saison groß, da kann es nur den Anspruch geben, in Bremen zu gewinnen.

Wie viel darf man denn in die Ergebnisse der Vorbereitung hineininterpretieren?

Gegenfrage: Wie viel konnte der HSV noch auf seine wirklich gute Vorbereitung geben, als er im Pokal bei Dynamo Dresden gescheitert war? Diese Testspiele sind im Vorlauf sind wichtig, um sich fit zu machen und Dinge einzustudieren. Aber wenn es ernst wird, kommt es auf das Mind-Set der Spieler an.

Was meinen Sie mit „Mind-Set“?

Ob sie schon den Siegeswillen und die Bereitschaft entwickelt haben, im Kampf um die Punkte an ihre Grenzen zu gehen. Manche brauchen dafür drei, vier Spieltage.

Bei Werder hatte man in der vergangenen Saison das Gefühl, dass zwar das Mind-Set gepasst hat, die Leistung aber trotzdem nicht. Wie sehr haben Sie um ihren ehemaligen Verein gezittert?

Ich sage es so: Ich habe mich riesig gefreut, dass die Mannschaft den Klassenerhalt geschafft hat. Und ich habe es wohlwollend zur Kenntnis genommen, dass Werder den eigenen Weg mit Überzeugung weitergegangen ist.

Welchem Club fühlen Sie sich am Samstag emotional näher – Hertha oder Werder?

Werder Bremen war als Spieler und als Trainer mein Ausbildungsverein, da fühle ich mehr Verbundenheit.

Für 40 Spiele saßen Sie zwischen Oktober 2016 und Oktober 2017 auf der Bremer Bank, dann folgte ein glückloses Engagement beim FC Ingolstadt sowie die vier Monate bei der Hertha. Die Zeit dort wirkte von außen – sorry für die Bezeichnung – ziemlich chaotisch. Hat Ihnen das geschadet?

Ich sehe es differenzierter, die Zusammenarbeit mit Jürgen war hochprofessionell. Auch erfolgreich, das muss ich noch mal betonen, denn wir haben die Mannschaft mit dem Rücken zur Wand, punktgleich mit Werder Bremen und Fortuna Düsseldorf auf dem Relegationsplatz übernommen. Dann hat Jürgen mit seiner Art und wir vom Trainerteam gemeinsam das Schiff wieder auf Kurs gebracht. Am Ende haben Jürgen und später auch ich das Team mit sechs Punkten Vorsprung auf Platz 16 übergeben.

Die gemeinsame Aufgabe verbindet Klinsmann und Sie jetzt nicht mehr. Stehen Sie dennoch weiter in Kontakt?

Ja, wir sind weiter im Austausch, das ist wertvoll für mich. Allerdings nicht nur auf beruflicher Basis, es ist eher eine freundschaftliche Beziehung.

Wären Sie noch mal bereit, als Klinsmanns Co-Trainer zu arbeiten?

Ich würde es zumindest nie ausschließen. Es käme aber auch auf das Projekt an. Grundsätzlich möchte ich jedoch meinen Weg als Cheftrainer weitergehen.

Gibt es Optionen?

Es hat verschiedene Gespräche gegeben, aber es war nicht die richtige Aufgabe dabei. Man hat ja am Beispiel Hertha gesehen, wie schnell in diesem Business neue Möglichkeiten entstehen können.

Was machen Sie aktuell?

Ich bin immer jemand gewesen, der sich gerne bei anderen Clubs fortgebildet hat, der sich oft mit Kollegen ausgetauscht hat und deshalb viel unterwegs war. Doch das ist im Moment wegen der Corona-Bedingungen kaum möglich. Ich schaue viele Spiele, telefoniere mit anderen Trainern und versuche, auf diesem Weg dazuzulernen.

Zurück zum Duell am Samstag: Hertha sieht sich als „Big City Club“, Werder wäre beinahe zum Absteiger geworden – wer befindet sich näher an der Wahrheit?

Ich wünsche mir, dass Werder in der neuen Saison nicht wieder in Abstiegsnöte gerät, bin aber nicht tief genug in der Materie, um das wirklich vorhersagen zu können. Was die Hertha betrifft: Ich verstehe die Vision vom „Big City Club“ und kann sie auch nachempfinden. Die Hertha ist unser Hauptstadt-Club, und in anderen Ländern sind das die Aushängeschilder der nationalen Ligen. Der sportliche Erfolg sollte in den kommenden Jahren die Grundlage der Vision sein, um den eigenen Ansprüchen gerecht zu werden. (csa)

Lest hier das große Saison-Vorschau-Interview mit Werder-Trainer Florian Kohfeldt vor dem Bundesliga-Start gegen Hertha BSC. Die Bremer haben allerdings einen Fehlstart hingelegt - irgendetwas läuft beim SV Werder Bremen gewaltig schief - ein Kommentar.

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