Werder: Aufgedrängt und abgesägt

Von Sahin bis Harnik: Werders Gewinner und Verlierer des Sommers

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So unterschiedlich kann es laufen: Während Nuri Sahin (l.) den Sommer für sich nutzen konnte, ist Martin Harnik bei Werder Bremen aufs Abstellgleis geraten.

Bremen – Noch drei Tage, dann startet Werder Bremen mit dem Heimspiel gegen Fortuna Düsseldorf (Samstag, 15.30 Uhr) in die neue Bundesliga-Saison – und zwar mit einem klaren Ziel: Nach Platz acht im Vorjahr möchte sich die Mannschaft von Trainer Florian Kohfeldt in der Serie 2019/2020 für Europa qualifizieren.

Um dafür möglichst gute Grundlagen zu legen, haben die Bremer in den vergangenen sechs Wochen hart gearbeitet: Zwei Trainingslager, sieben Testspiele, unzählige Einheiten – „jetzt freuen wir uns, dass es wieder losgeht“, sagt Kohfeldt, der insgesamt zufrieden ist mit der Vorbereitung. Ein Urteil, das allerdings für den einen Profi etwas mehr und für den anderen weniger gilt. Denn auch in diesem Sommer hat es bei Werder wieder Gewinner, Verlierer und einen Pechvogel gegeben.

Die Gewinner des SV Werder Bremen

Nuri Sahin: Es war am letzten Tag des Trainingslagers im Zillertal, Florian Kohfeldt war gerade dabei, sein Fazit zu ziehen – da geriet der Trainer plötzlich ins Schwärmen. Von einem Reporter war er auf die Leistung von Nuri Sahin während des Testspiels gegen Darmstadt (1:1) angesprochen worden, was Kohfeldt für eine kleine Lobrede nutzte. „Nuri ist ein unglaublich intelligenter Fußballer“, begann er und stellte Sahins Wert für ihn persönlich und auch die Mannschaft heraus.

Letzter Satz: „Er hat seine Position definitiv verbessert.“ Das hat Sahin in der Tat. Auch wenn Kohfeldt dem 30-Jährigen keine Einsatzgarantie ausspricht, dürfte Sahin die Nase auf der Sechserposition momentan vorn haben. Philipp Bargfrede ist verletzt, und Kevin Möhwald im direkten Vergleich leicht hinten dran. Kurz: Sahin hat seine erste Sommer-Vorbereitung mit Werder genutzt, um sich aufzudrängen.

Yuya Osako: Es passierte beim Essen am Spieltag, da hörte Kohfeldt auf einmal ein Geräusch, das er so noch nie zuvor gehört hatte. „Plötzlich lacht da ein Spieler“, erzählt der Trainer, der sich erst umdrehen musste, um zu erkennen, um wen es sich handelte: Yuya Osako. Die Erkenntnis dieser kleinen Anekdote, die Kohfeldt nach dem Pokalerfolg gegen Atlas Delmenhorst zum besten gab: „Yuya ist angekommen. Er ist locker geworden, weiß, dass ich sehr überzeugt von ihm bin und dass er ein gesetzter Stammspieler ist.“

Mehr Zuspruch geht eigentlich nicht. Osako hat ihn sich durch eine starke Vorbereitung aber auch verdient. Nach einem Sommer ohne großes Turnier mit Japan und dementsprechend viel Erholung könnte der 29-Jährige in der neuen Saison zeigen, was er wirklich kann. Die Rolle von Max Kruse als zentraler Mann in der Offensive ist ihm jedenfalls wie auf den Leib geschneidert, wenn er sie auch anders interpretiert.

Die Verlierer des SV Werder Bremen

Martin Harnik: Viel falsch gemacht hat der Angreifer im Grunde nicht, aber trotzdem hätte der Sommer für ihn kaum schlechter laufen können: In Werders Sturm-Hierarchie ist er fast bis ans Ende gerutscht. „Da müssen wir ehrlich sein. Von einem Startelfplatz ist er momentan relativ weit weg. Dafür ist die Qualität da vorne zu hoch“, hatte Kohfeldt schon während des ersten Trainingslagers im Zillertal gesagt. Eine Aussage, die Harnik praktisch dazu zwingt, sich einen neuen Verein zu suchen. Bisher erfolglos. Es ist dennoch wahrscheinlich, dass er noch wechselt. Seine Alternative: Er müsste sich mit der Rolle des Reservisten begnügen.

Milos Veljkovic: Eigentlich sollte es seine Saison werden. Der Start ist für den Abwehrspieler aber denkbar schlecht verlaufen. Wegen eines Zehenbruchs, zugezogen bei der serbischen Nationalmannschaft, hat Veljkovic die komplette Vorbereitung verpasst – seine Chance auf einen Stammplatz ist damit erstmal weg. Nach der Verpflichtung von Ömer Toprak findet sich der 23-Jährige plötzlich in der Rolle des Herausforderes wieder, ist bei Werders höchstens noch Innenverteidiger Nummer drei, wenn er wieder fit ist.

Sebastian Langkamp: Dem 31-Jährigen geht es genauso wie Veljkovic. Erst die Verletzung (Muskelfaserriss), dann die Verpflichtung (Toprak) – und schon ist Langkamp, der es in der Vorsaison auf 21 Bundesliga-Einsätze brachte, hinten dran, muss auf seine Chance warten – oder sich vielleicht sogar neu orientieren.

Werder Bremen: Der Pechvogel

Fin Bartels: Schon im Vorjahr wurde der Stürmer verletzungsbedingt ausgebremst – nun geht es genauso weiter. Bartels verpasst nach einer Knie-OP die ersten Saisonspiele und muss sich dann wieder zurückkämpfen.

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