Vertrags-Verhandlungen mit Aufsichtsrat von Werder Bremen

Nur Verlängerung um ein Jahr? Werder-Manager Frank Baumann schließt kurzen Vertrag nicht aus

Frank Baumann schaut durch einen Zaun am Trainingsgelände des SV Werder Bremen, die Gitter werfen Schatten auf sein Gesicht.
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Verlängert Frank Baumann, Sportchef des SV Werder Bremen, seinen Vertrag zunächst nur für ein Jahr?

Bremen – In der Personalie Frank Baumann deutet sich bei Werder Bremen immer mehr eine Ein-Jahres-Lösung an. Der Sportchef schließt eine Verlängerung seines im Sommer auslaufenden Vertrags um nur ein Jahr jedenfalls nicht kategorisch aus. „Ich habe meine Vorstellungen. Aber in den Verhandlungen mit dem Aufsichtsrat kann man über alles reden“, sagte Frank Baumann der DeichStube.

Natürlich sei ihm die besondere Situation nach dem coronabedingten Ausfall der Mitgliederversammlung und damit auch der Wahl des Aufsichtsrates bewusst. Eigentlich hatte das Kontrollgremium erst seine Wiederwahl Mitte November abwarten wollen, um dann mit Frank Baumann bis zum Jahresende eine langfristige Vereinbarung zu treffen – sehr wahrscheinlich für drei Jahre. Doch nun wird die Mitgliederversammlung des SV Werder Bremen frühestens im April stattfinden.

Ex-Manager Willi Lemke hatte in einem Interview von einem Affront gegenüber der Mitgliederversammlung gesprochen, falls der Aufsichtsrat den Vertrag mit Baumann ohne Wahl verlängern würde. Der 74-Jährige sympathisiert mit der „Gruppe besorgter Werder-Mitglieder“, die das Kontrollgremium personell verändern will – und damit auch die Politik des Clubs.

Werder Bremen: Kurze Vertragslaufzeit für Sportchef Frank Baumann denkbar

Ehrenpräsident Klaus-Dieter Fischer brachte die Verlängerung des Vertrags nur um ein Jahr als Lösung ins Spiel, damit der dann neu gewählte Aufsichtsrat die langfristige Entscheidung treffen könne. Und selbst Baumanns Geschäftsführer-Kollege Hubertus Hess-Grunewald äußerte sich zuletzt in diese Richtung: „Natürlich kann man über die Laufzeit des Vertrags nachdenken, über die mit Frank Baumann gesprochen wird, um etwaige Bedenken auch noch zu berücksichtigen.“ Er betonte zugleich, dass mit einer Entscheidung bei einer der wichtigsten Personalien des SV Werder Bremen nicht bis April oder Mai gewartet werden könne.

Der Aufsichtsrat will bis Ende des Jahres mit Frank Baumann alles geklärt haben. „Ich bin da ganz entspannt“, sagte der Sportchef. Er vertraut Marco Bode und Co., die Zusammenarbeit ist gut. Und es scheint so, als sei es auch durchaus in seinem Interesse, mittels kurzer Vertragslaufzeit die Entscheidung abwarten zu können, mit wem er langfristig bei Werder Bremen zusammenarbeiten würde. (kni)

Zur letzten Meldung vom 19. November 2020:

Werder Bremen-Streit um Baumann-Vertrag – und der Sportchef macht Werbung in eigener Sache

Bremen – Und plötzlich machte Frank Baumann tatsächlich Werbung in eigener Sache. Nachdem er auf der Online-Pressekonferenz des SV Werder Bremen vor dem Bayern-Spiel den Fragen über die bevorstehenden Gespräche zu einer Vertragsverlängerung mit den üblichen „Ich-bin-da-sehr-entspannt-Aussagen“ begegnet war, platzierte er dann doch ein paar interessante Sätze.

Denn die zeigten, dass ihn das Thema mehr bewegt, als er zugeben mag. Die Kritik an ihm und die Skepsis, mit der so mancher Fan die vom Aufsichtsrat angestrebte Vertragsverlängerung mit ihm begleitet, regte den Geschäftsführer Sport des SV Werder Bremen offenbar zur Gegenrede an.

Die letzten Jahren hätten jeweils „extrem schwierige Startbedingungen“ geliefert, holte Frank Baumann aus. Aber zusammen mit dem Aufsichtsrat seien „viele gute Entscheidungen getroffen“ worden. Und bezogen auf Krise, Abstiegskampf und Corona-Pandemie, meinte er: „Ich glaube, dass wir gezeigt haben, dass wir mit solch schwierigen Situationen gut umgehen können und dass wir Werder für die Zukunft sehr gut aufstellen können.“

Werder Bremen: Frank Baumann verfolgt Streit von Marco Bode und Willi Lemke

So manches davon lässt sich bejahen, für manches muss der Beweis aber erst noch erbracht werden. Frank Baumann würde es gerne machen und kann dabei auf den Aufsichtsrat um dessen Vorsitzenden Marco Bode zählen. Der will zeitnah in die Vertragsgespräche einsteigen und hat damit den Widerspruch von Ex-Werder-Chef Willi Lemke provoziert. Baumann hat die Auseinandersetzung verfolgt, fühlt sich aber nicht zwischen zwei Mühlsteine gequetscht.

„2016 war es doch ähnlich“, erinnert sich der 45-Jährige. Ein Aufsichtsrat, der fünf Monate später vor personellen Veränderungen stand, gab ihm einen Vertrag als Geschäftsführer, und er habe mit der alten wie mit der neuen Besetzung gut zusammengearbeitet. Zweifel an seiner Person habe es jedoch auch damals gegeben. Also ist die aktuelle Lage aus seiner Sicht kein Problem und „kein komplett neues Gefühl“.

Werder Bremen: Frank Baumann setzt sich beim Thema Vertragsverlängerung kein Zeitlimit

Marco Bode will den neuen Vertrag mit Frank Baumann idealerweise noch in diesem Jahr unter Dach und Fach bringen, doch diese Eile teilt der Sportchef des SV Werder Bremen nicht: „Auch wenn die Mitgliederversammlung stattgefunden hätte, wären die Gespräche nicht sofort losgegangen. Das hätte sich auch noch ein bisschen gezogen. Man muss auch davon ausgehen, dass man sich mehrmals zusammensetzen muss. Ich möchte mir deshalb kein Zeitlimit setzen. Ob wir bis Weihnachten durch sind, ist nicht entscheidend.“

Entscheidend ist aber möglicherweise die Laufzeit des neuen Vertrages. Drei Jahre wären normal. Unter den gegebenen Umständen ist für Bode aber auch ein Abschluss für nur ein Jahr eine Option. Damit wäre einem möglicherweise neu zusammengesetzten Aufsichtsrat mit nur geringer zeitlicher Verzögerung die Möglichkeit gegeben, frei über den Geschäftsführer Sport entscheiden zu können. Baumann findet bei diesem Thema zurück zur Gelassenheit: „Das werde ich mit dem Aufsichtsrat besprechen, wenn es soweit ist.“ (csa)

Zur letzten Meldung vom 19. November 2020:

Werder Bremen: In der Frank-Baumann-Frage kontert Marco Bode seinen Kritiker Willi Lemke

Bremen – Dass ausgerechnet die Personalie Frank Baumann einmal zu einem Zankapfel bei Werder Bremen werden würde, war viele Jahre lang undenkbar. Als Spieler ein Ruhepol im hektischen Profi-Geschäft, ein umsichtiger Kapitän. Als Manager dann ein Mann mit zunächst gutem Händchen, dessen jüngste Entscheidungen aber längst nicht alle glücklich waren.

Doch darum geht es gar nicht in einem Streit, der zwar um ihn entbrannt ist, aber genaugenommen nicht über ihn. Denn der aktuelle Aufsichtsratsvorsitzende Marco Bode und sein Vorgänger im Amt Willi Lemke befinden sich in der Frage auf Konfrontationskurs, ob der im Sommer auslaufende Baumann-Vertrag auch ohne zeitnahe Neuwahl des Aufsichtsrates zeitnah bei Werder Bremen verlängert werden darf. Bode sagt ja und leitet die nötigen Schritte ein. Lemke sagt: Stopp, so geht es nicht.

Im Interview mit der DeichStube hat der 74-Jährige das geplante Vorgehen des Aufsichtsrates als einen „Affront gegenüber dem neuen Aufsichtsrat und der Mitgliederversammlung“ bezeichnet. Hintergrund ist die vom November ins kommende Frühjahr verschobene Mitgliederversammlung, in der Aufsichtsratswahlen anstehen. Wenn nun der alte Aufsichtsrat einem neuen Aufsichtsrat die Chance zur Entscheidung nehmen würde, hätte Lemke „erhebliche Zweifel“, ob dieser dazu „überhaupt ermächtigt“ sei.

Werder Bremen: Marco Bode sieht Zeitdruck bei der Vertragsverlängerung mit Manager Frank Baumann

Er ist es, so viel lässt sich sagen. Denn in den Vereinsstatuten findet sich nichts, was ein derartiges Vorgehen verbieten würde. Aber das ist es nicht, worauf sich Marco Bode beruft oder womit er argumentiert. Dem Ex-Nationalspieler geht es um die Handlungsfähigkeit des Managements. „Als Aufsichtsrat sind wir zu dem Schluss gekommen, dass es fahrlässig wäre, die Entscheidung jetzt nicht zu treffen. Wir können mit der Klärung einer derart wichtigen Personalie nicht bis zwei Monate vor Saisonende warten“, erklärt der 51-Jährige.

Die wegen der Auswirkungen der Corona-Pandemie verschobene Wahl des Aufsichtsrates wird nicht vor März, vielleicht erst im April nachgeholt werden können. Wenn überhaupt. Im Juni endet dann der Vertrag von Frank Baumann. Bode sieht also den Zeitdruck, unter den der Aufsichtsrat – ob nun in alter oder neuer Besetzung – geraten würde. Zumal sich neue Vertreter im Kontrollgremium erst noch eine Meinung über Baumanns Arbeit machen müssten.

Werder Bremen: Zwei Plätze im neuen Aufsichtsrat bereits entschieden

Dann lieber jetzt verlängern, dann vielleicht aber auch nur für ein Jahr – das könnte eine Kompromisslösung sein. Der aktuell noch gültige Vertrag mit Frank Baumann war für drei Jahre geschlossen worden, erneut eine so lange Laufzeit zu wählen, erscheint unter den gegebenen Umständen unnötig. Sich zunächst bis 2022 zu einigen, um einem neuen Aufsichtsrat mit einem Jahr Verspätung alle Entscheidungsfreiheit an die Hand zu geben, sei „eine denkbare Option“, bestätigt Marco Bode: „Wir haben uns aber noch in keinster Weise festgelegt.“ Die Gespräche mit Baumann sollen in Kürze beginnen und nach Wunsch des Aufsichtsrates noch vor Weihnachten abgeschlossen sein.

Unabhängig von den noch ausstehenden Wahlen ist schon jetzt klar, dass zwei der sechs aktuellen Mitglieder im Aufsichtsrat verbleiben werden. Der SV Werder Bremen hat gegenüber der DeichStube bestätigt, was Willi Lemke im Interview angedeutet hatte: Die beiden Plätze, die dem „e.V.“, also dem Kern-Verein, im Aufsichtsrat zustehen und die nicht per Wahl vergeben werden, besetzen weiterhin Axel Plaat und Marco Fuchs. Darauf hat sich das Club-Präsidium in seiner letzten Sitzung verständigt. (csa)

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