Fußball in Zeiten der Coronavirus-Krise

Klaus Filbry: Wieso der Gehaltsverzicht bei den Profis von Werder so schwierig ist

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Davy Klaassen (vorne), Maximilian Eggestein (links daneben) und Co. haben sich mit Werder Bremen auf einen Gehaltsverzicht geeinigt.

Bremen – Durch die Saisonunterbrechung sind den Bundesligisten die Einnahmen weggebrochen – auch Werder Bremen. Die Profis in Deutschland haben zwar einem Gehaltsverzicht zugestimmt, der bewegt sich aber in einem überschaubaren Rahmen von zehn bis 20 Prozent – und das auch nur für die letzten drei Monate der Bundesliga-Saison.

Warum setzen die Clubs nicht dort den Hebel an? Werder-Boss Klaus Filbry gibt Antworten. „Natürlich wird das Kader-Budget des SV Werder Bremen für die neue Saison reduziert werden, das ist keine Frage. Wir müssen die Kostensituation so weit wie möglich anpassen“, sagt Filbry, macht aber sogleich zwei Einschränkungen: „So weit es die Verträge hergeben. Und wir müssen auch die sportliche Wettbewerbsfähigkeit im Auge behalten.“

Gute Spieler verdienen auch gut. Mit Personalkosten von etwa 58 Millionen Euro rangiert Werder in der unteren Hälfte der Bundesliga. Trotzdem besteht dort ein enormes Einsparungspotenzial. Würden Niklas Moisander und Co. zum Beispiel wie angeblich ihre Kollegen von der AS Rom auf die letzten vier Monatsgehälter der Saison verzichten, würde das Werder 14,5 Millionen Euro sparen. 

Höherer Gehaltsverzicht bei Werder Bremen? „Gibt Szenarien, bei denen wir reden müssten“

Doch davon hält Klaus Filbry nichts. „Es greift zu kurz, zu sagen, die Spieler müssen trotz laufender Verträge mal eben auf 50 oder 70 Prozent verzichten. Das ist in der heutigen Situation unrealistisch. Das hat auch kein Verein in der Bundesliga erreicht.“ Es mache auch keinen Sinn, sich nun auf die Spieler einzuschießen. Sie seien die wichtigsten Mitarbeiter im Verein. Von ihnen werde erwartet, dass sie es auf dem Platz richten.

Allerdings räumte Filbry auch ein, dass sich seine Sichtweise durchaus ändern könnte: „Es gibt Szenarien, bei denen wir mit den Spielern sprechen müssten. Wenn es wirklich einen Abbruch geben sollte, stellt sich die Situation nochmal dramatischer dar. Dann wird es sicherlich vertiefende Gespräche geben müssen.“ (kni)

Zur letzten Meldung vom 14. April 2020:

Gehaltsverzicht bei Werder Bremen: Profis und Geschäftsführung mit Einigung

Dass sie dazu bereit sind, hatten die Profis, das Trainerteam und die Führungsetage von Werder Bremen in den vergangenen Tagen bereits signalisiert - nun nimmt das Thema „Gehaltsverzicht“ an der Weser konkrete Formen an.

„Wir haben mit der Mannschaft eine einheitliche Einigung erzielt“, sagte Geschäftsführer Klaus Filbry am Dienstag. Um dem durch die Coronavirus-Pandemie in finanzielle Nöte geratenen Verein zu helfen, hatten die Spieler von Werder Bremen von sich aus angeboten, auf Teile ihres Gehalts zu verzichten. Kapitän Niklas Moisander und Werder-Urgestein Philipp Bargfrede hatten dazu in den vergangenen Tagen die Gespräche mit der Geschäftsführung geführt.

„Sie haben die Vorstellungen der Mannschaft übermittelt“, berichtete Filbry, wollte sich zur Größenordnung des Gehaltsverzichts allerdings nicht öffentlich äußern. Zuletzt war bekannt geworden, dass unter anderem die Profis von Bayern München und Borussia Dortmund Einbußen in Höhe von 20 Prozent in Kauf nehmen. „Bei uns bleibt das eine Regelung zwischen den Spielern und dem Verein, und so wird es auch bleiben“, sagte Filbry.

Coronavirus: Werder Bremen will keinen Gehaltsverzicht-Wettbewerb anzetteln

Und er betonte: „Ich möchte jetzt keinen Wettbewerb unter Bundesliga-Clubs anzetteln, welche Mannschaft auf mehr verzichtet. Es ist ein sehr vernünftiger Beitrag, den unsere Spieler geleistet haben. Neben den Spielern beteiligen sich zudem das Trainerteam und die Geschäftsführung am Gehaltsverzicht.“ Darüber, wie lange die Vereinbarung laufen soll, machte der Werder-Boss ebenfalls keine Angaben.

Der 53-Jährige verriet lediglich, dass es sich bei allen Profis um den gleichen Prozentsatz handele. Sonderregelungen für Einzelne gibt es bei Werder Bremen also nicht. Im nächsten Schritt gehe es nun darum, eine vertragliche Vereinbarung zu entwerfen, die jeder Profi unterschreiben muss, erklärte Filbry. Erst dann ist das Thema „Gehaltsverzicht“ bei Werder endgültig fixiert. (dco)

Zur letzten Meldung vom 23. März 2020:

Werder Bremen: Sportchef Frank Baumann erklärt den Gehaltsverzicht der Spieler

Bremen – Der Ball ruht in der Coronavirus-Krise, aber von Ruhe kann bei Frank Baumann keine Rede sein. „Mir ist nicht langweilig“, berichtete der Sportchef von Werder Bremen am Montagabend in einer Telefonkonferenz mit Journalisten, an der auch die DeichStube teilnahm.

Dabei verkündete Frank Baumann eine Nachricht, die zwar so durchaus zu erwarten war, aber mit dem Zustandekommen dann doch etwas überraschte: Die Profis des SV Werder Bremen wollen auf Gehalt verzichten – das Trainerteam und die Geschäftsführung übrigens auch.

Eigentlich hatte Frank Baumann das Thema Gehaltsverzicht intern noch gar nicht auf die Tagesordnung gesetzt. Es wurde ihm in der Öffentlichkeit „viel zu hoch gehängt“. Es sei doch noch gar nicht klar, welche finanziellen Auswirkungen die Clubs tatsächlich zu bewältigen hätten, so Baumann. Erst wenn mehr Klarheit herrsche, wollte er auf die Spieler zugehen. Doch die machten selbst den ersten Schritt oder gaben „einen Impuls“, wie es Baumann ausdrückte. Der Mannschaftsrat von Werder Bremen habe der Geschäftsführung in den vergangenen Tagen mitgeteilt, dass die Spieler „einen spürbaren Beitrag leisten wollen, um die Situation zu überstehen“.

Spieler kamen Frank Baumann zuvor: Werder Bremen mit Gehaltsverzicht in der Coronavirus-Krise

Die Profis von Borussia Mönchengladbach waren da als ein mögliches Vorbild für Werder Bremen schon sehr früh vorgeprescht. Angeblich soll das Team auf eine Million Euro Gehalt im Monat verzichten. Pro Saison betragen die Personalkosten bei den Gladbachern übrigens knapp 83 Millionen Euro. Werder Bremen zahlt seinen Mitarbeitern pro Saison rund 58 Millionen Euro, den Großteil davon kassieren die Werder-Spieler. Auf wie viel davon sie nun verzichten, das wollte Baumann nicht verraten: „Wir werden keine Zahlen nach außen geben.“

Der 44-Jährige will das Thema offenbar nicht größer machen, als es ist. „Wir haben in den vergangenen Jahren in schwierigen Zeiten immer zusammengehalten“, betonte der Sportchef: „Und wir haben Spieler verpflichtet, die sich absolut mit Werder identifizieren.“ Das gelte auch für das Trainerteam mit Florian Kohfeldt an der Spitze und die Geschäftsführung, der neben Frank Baumann auch Klaus Filbry und Hubertus Hess-Grunewald angehören. „Wir alle werden mit gutem Beispiel vorangehen und den Verein und die anderen Mitarbeiter unterstützen“, so Baumann. Die Lage sei in der Coronavirus-Krise sehr herausfordernd, aber der Sportchef wollte auch nicht schwarzmalen: „Ich bin optimistisch, dass es uns auch im Worst Case gelingen wird, ein Bestandteil der Bundesliga zu sein.“ Dieser Worst Case wäre erreicht, wenn bis zum 30. Juni keine Spiele mehr durchgeführt werden könnten und die Saison wegen des Coronavirus abgebrochen würde. Dann dürften Werder Bremen wegen entgangener TV-, Zuschauer- und Werbe-Einnahmen rund 25 Millionen Euro in der Kasse fehlen. Allein durch einen Gehaltsverzicht wäre das wohl nicht zu kompensieren. Doch noch hofft Baumann, dass wieder gespielt wird – allerdings nicht vor Anfang Mai.

Coronavirus: Werder Bremen-Sportchef Frank Baumann hat auch in der spielfreien Zeit viel zu tun

Bis dahin hat er viel zu tun: „Wir müssen alle Szenarien durchspielen. Und in diesen Zeiten muss man auch mehr Kontakt zu den Mitarbeitern halten.“ Meistens natürlich telefonisch, wenngleich Frank Baumann zu den wenigen Mitarbeitern bei Werder Bremen gehört, die fast täglich noch ins Büro kommen, um ihre Arbeit zu erledigen: „Ich habe wirklich noch sehr viel zu tun.“ Aber bei allem, was er mache, genieße die Gesundheit seiner Mitarbeiter und natürlich auch seine eigene oberste Priorität. (kni)

Letzte Meldung vom 17. März 2020:

Gehaltsverzicht wegen Coronavirus-Krise: Werder Bremen wartet bei seinen Profis noch ab

Die wirtschaftliche Lage für die 36 Fußball-Bundesligisten ist in der Coronavirus-Krise bedrohlich – also auch für den SV Werder Bremen. Als einzige Lösung hat Christian Seifert, Geschäftsführer der Deutschen Fußball-Liga (DFL), am Montag nach der Mitgliederversammlung die Erlaubnis für Geisterspiele genannt.

So könnten zumindest die Einnahmen aus dem Bereich TV-Rechte und Sponsoring gerettet werden, hieß es. Doch im Gegensatz zu vielen Branchen gibt es im Profi-Fußball durchaus eine Alternative, um die finanziellen Folgen der Krise abzumildern: den Gehaltsverzicht der zum Teil hoch bezahlten Spieler. Beim SV Werder Bremen ist das noch kein Thema – zumindest offiziell. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder hat dagegen dazu deutliche Worte gefunden und kassierte dafür postwendend einen heftigen Konter von Horst Heldt, dem Sportvorstand des 1. FC Köln.

Auf die Frage der DeichStube, ob er die Profis auf einen Gehaltsverzicht ansprechen und sogar vielleicht darum bitten werde, antwortete Werder-Sportchef Frank Baumann: „Das hängt davon ab, wie sich die nächsten Wochen entwickeln. Da möchte ich jetzt nicht vorgreifen.“ Aber natürlich wird Baumann darüber zumindest mit seinen Geschäftsführer-Kollegen Klaus Filbry und Hubertus Hess-Grunewald gesprochen haben. Schließlich ist das Einsparpotenzial in diesem Bereich so groß wie in keinem anderen. 

Werder Bremen und das Coronavirus: Personalkosten lagen in der Saison 2018/19 bei 56 Millionen Euro

In der Saison 2018/19 lagen die Personalkosten nach Angaben des Clubs bei 56,1 Millionen Euro. Mindestens 80 Prozent davon dürfte auf die Konten der Spieler und des Trainerteams geflossen sein. Topverdiener in der besagten Saison war Max Kruse mit einem geschätzten Jahressalär von 3,5 Millionen Euro. 

Ein Spieler wie Davy Klaassen dürfte sich aktuell in ähnlichen Sphären bewegen, auch der Kontrakt von Maximilian Eggestein ist inzwischen sehr gut dotiert. Das gilt auch für so erfahrene Spieler wie Nuri Sahin, Ömer Toprak, Leonardo Bittencourt und Kevin Vogt, die zum Teil allerdings nur ausgeliehen sind und möglicherweise von ihren Ex-Clubs mitbezahlt werden.

Werder Bremen: Beim FC Bayern München verdient jeder Profi mindestens fünf Millionen Euro 

Richtig interessant wird es beim Blick zu den Topclubs der Bundesliga – vorneweg den FC Bayern München: Topverdiener Robert Lewandowski soll pro Saison knapp 20 Millionen Euro bekommen. Bis auf die Nachwuchsspieler im Kader bekommt jeder Bayern-Profi mindestens fünf Millionen Euro. Die FC Bayern München AG hat ihre Personalkosten Ende letzten Jahres mit 336,2 Millionen Euro als größten Posten bezeichnet.

Ein Großteil der Jahresgehälter ist natürlich schon ausgezahlt worden. Aber die Monate April, Mai und Juni stehen noch aus – genauso wie die vertraglich vereinbarten Jahresleistungen. Die könnten allerdings bei einem Saisonabbruch ohnehin hinfällig werden, weil die gesteckten Ziele nicht erreicht wurden. Nur Lewandowski könnte Glück haben, sollte er eine Torquote vereinbart haben. Seine 25 bereits erzielten Treffer dürften locker für eine Sonderprämie reichen. Aber ist die wirklich notwendig? Diese Frage stellt sich auch bei den im Vergleich zum Rest der Bevölkerung extrem hohen Gehältern. Auch in der Zweiten Bundesliga wird nicht so schlecht verdient, dass ein Profi nicht auf einen gewissen Anteil verzichten könnte, ohne deswegen sofort in finanzielle Schwierigkeiten zu geraten. Zumal die Aussicht besteht, dass es in der kommenden Saison wieder ganz anders aussieht.

Werder Bremen: Verzichten die Profis und Trainer wegen Coronavirus auf ihre Gehälter?

Die Rechnung bei Werder Bremen ergibt übrigens ein Einsparpotenzial von mindestens zwölf Millionen Euro, sollten Profis und Trainer ab sofort komplett auf ihre Gehälter verzichten und sich dadurch mit zwei Drittel ihres Jahreseinkommens zufrieden geben. Das würde gewiss nicht alle finanziellen Probleme lösen, aber einige. Ob dies durchsetzbar ist, muss sich zeigen. Sollten Vereine tatsächlich in die Insolvenz rutschen, ist das mit der Lohnfortzahlung ohnehin so eine Sache. Deshalb müssten die Profis selbst daran interessiert sein, dass ihr Club überlebt. Zumal gewiss nicht alle Spieler sofort einen neuen Arbeitgeber finden werden – nicht einmal ablösefrei. Schließlich kämpft der Fußball weltweit mit den finanziellen Folgen der Corona-Krise.

Das Problem: Würden wirklich alle Profis mitmachen und freiwillig verzichten? Es gibt die Vereinigung der Vertragsfußballer, also eine Art Spielergewerkschaft. Aber darin sind längst nicht alle Profis organisiert. Eine Absprache wird da schwierig. Letztlich ist jeder einzelne Spieler gefragt – und natürlich sind es auch die Vereine, die dieses Thema wohl oder übel vorantreiben müssen. Der SV Werder Bremen wird Klaassen und Co. alsbald ansprechen müssen, denn niemand weiß, ob es überhaupt Geisterspiele geben kann und ob diese dann auch tatsächlich die Saison sowie die nötigen Einnahmen sichern.

Coronavirus-Krise: Politiker Markus Söder fordert Gehaltsverzicht von Bundesliga-Profis - Horst Heldt kontert

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder hat da eine klare Erwartungshaltung. „Ich fände es in Ordnung, wenn Spieler, die ganz große Gehälter bekommen, zur Aufrechterhaltung des Spielbetriebes gegenüber ihrem Arbeitgeber, ihren Vereinen, ein bisschen zurückhaltender wären mit dem Geld.“ Bei „so vielen Millionen, die da jedes Jahr verdient werden“, sei „Solidarität gefragt, nicht nur von den Vereinen, sondern auch von den Spielern.“ 

Der Konter aus der Bundesliga ließ allerdings nicht lange auf sich warten. „Ich glaube, es wäre absolut sinnhaft, dass man sich mit populistischen Scheißausdrücken erst mal zurückhält“, schimpfte Kölns Sportvorstand Horst Heldt: „Meine Erwartung ist, dass die Politik führt und den Menschen einen Plan an die Hand gibt und sich nicht mit Vorschlägen in Teilbereiche hineinbewegt, nur um populistisch dazustehen. Ich weiß, dass Fußballprofis ein soziales Gewissen haben. Ich finde es unverschämt und anmaßend, das öffentlich infrage zu stellen.“ (kni)

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