Zwei völlig unterschiedliche Testspiele

Werder Bremen im Blitzturnier: Die Gegenwart gewinnt, die Zukunft wird zerpflückt

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Trainer Florian Kohfeldt von Werder Bremen hat am Sonntag zwei völlig unterschiedliche erste Testspiele im Zillertal gesehen.

Zell – Einmal sehr ordentlich, einmal alles andere als das: Das Blitzturnier des SV Werder Bremen im Trainingslager in Zell am Ziller hat nach zwei völlig unterschiedlichen Spielen mit zwei völlig unterschiedlichen Mannschaften zwei völlig unterschiedliche Ergebnisse hervorgebracht.

Während sich Werder-Trainer Florian Kohfeldt nach dem 1:0-Sieg der Bundesliga-Stammtruppe gegen WSG Swarovski Tirol „sehr zufrieden“ zeigte, war nach dem 0:3 der Bremer Nachwuchsspieler gegen den Karlsruher SC Ernüchterung angesagt. „Wir waren klar unterlegen“, resümierte Kohfeldt. Für Werder Bremen waren die beiden über jeweils 2 x 25 Minuten angelegten Tests die ersten Leistungsüberprüfungen der Saisonvorbereitung.

WSG Swarovski  Tirol - SV Werder Bremen 0:1

Ein Lattenkracher von Tirol-Torjäger Zlatko Dedic (3.), eine Top-Chance für Lukas Grgic (20.), die Werder-Keeper Stefanos Kapino parierte – es war gewiss nicht so, dass Werder Bremen in dem Duell mit dem österreichischen Bundesliga-Aufsteiger Tirol von Anfang an alles im Griff gehabt hätte. Aber die Bremer fanden trotz einiger Fehler im Spielaufbau nach und nach zu ihrer Linie. Und Kohfeldt zog am Ende einen sehr positiv eingefärbten Vergleich zum letzten Jahr: „Heute hat schon deutlich mehr gepasst als zum gleichen Zeitpunkt der vergangenen Saison. Ich habe auch schon viel von dem gesehen, was wir trainiert haben.“

Vor allem bekam Kohfeldt einen starken Yuya Osako zu sehen. In der ersten Halbzeit agierte der Japaner im Sturmzentrum, in der zweiten Halbzeit auf der rechten Seite. Und er erzielte per Kopf nach einem Eckball das Tor der Partie (43.). Aber nicht nur deshalb hatte sich der Offensivallrounder das Lob des Trainers verdient. „Yuya macht auf mich bisher einen ganz hervorragenden Eindruck. Er kann die Bälle festmachen und verteilen, er ist körperlich frisch – das ist schon richtig gut“, meinte Kohfeldt. Dass er Osako zur ersten Wahl für das Sturmzentrum gemacht hatte, war zudem nicht zufällig geschehen: „Ich wollte ihm meine Wertschätzung zeigen.“

Niclas Füllkrug übernahm in seinem ersten Auftritt für Werder seit seiner Rückkehr nach Bremen erst in Halbzeit zwei die Position des Mittelstürmers. Es war für ihn ein erstes Reinschnuppern – mehr noch nicht. Kohfeldt: „Er braucht natürlich noch seinen Rhythmus, ist doch klar.“ Gleiches gilt auch für Fin Bartels, der bis zur Pause wieder Fußball-Feeling erleben durfte. „Man hat schon wieder seine tiefen Läufe gesehen. Sein gutes Näschen für die Situationen hat er auch gezeigt. Da war ich schon sehr zufrieden“, so Kohfeldt.

Werder Bremen: Kapino - Gebre Selassie (2. Goller), Groß, Moisander, Augustinsson - Sahin - Möhwald, Klaassen - Bartels (26. Füllkrug), Osako, Rashica. Tor: 0:1 (43.) Osako.

SV Werder Bremen - Karlsruher SC 0:3

Kaum angepfiffen, schon schlug‘s ein bei Werder: Marvin Pourie nutzte nach nicht einmal einer Minute die erste Unsicherheit in der Bremer Abwehr. Und weil es nicht die einzige Panne in einer nur mit Martin Harnik und Josh Sargent verstärkten U23-Truppe blieb, lagen die Bremer gegen den KSC schon zur Pause mit 0:3 hinten. Erneut Torjäger Pourie (10.) und Philipp Hofmann (19.) trafen für Karlsruhe, das leichtes Spiel hatte mit einem überforderten Gegner.

Nun könnte man argumentieren, dass auf der einen Seite ein Zweitligist und auf der anderen ein Viertligist stand. Aber der Unterschied war teilweise sogar noch größer. Coach Kohfeldt gab zu: „Wir waren klar unterlegen. Aber auch das sind Erkenntnisse. Für viele war es das erste Spiel auf diesem Niveau.“ Immerhin berappelte sich Werder nach der Pause, verhinderte so ein noch schlimmeres Resultat.

Anschließend erklärte Kohfeldt, warum er die Teams in dem Blitzturnier so strikt nach Bundesliga und Regionalliga eingeteilt hatte: „Wir laufen hier im Trainingslager ja ein bisschen parallel. Wir haben sieben, acht Spieler dabei, die in ein paar Wochen fest bei der U23 spielen werden. Dann musst du eine Abwägung treffen als Trainer, ob du die Teams stark durchmischt und dadurch zwei Spiele ohne große Aussagekraft bekommst. Für mich war es heute aber wichtig, dass unsere Bundesliga-Kerngruppe von Anfang an ein gutes Gefühl miteinander bekommt.“ Die anderen dagegen bekamen vom Gegner eins übergebraten – „und für die tut es mir fast schon ein bisschen leid“, meinte Kohfeldt.

Werder Bremen: Plogmann - Beijmo, Rieckmann, Wiemann, Goller (26. Groß) - Gruev - Pudic, Straudi - Sargent, Harnik, Philipp.

Außerdem regt sich Florian Kohfeldt über ein frühes rüdes Foul an Theodor Gebre Selassie auf, dem eine Verletzungs-Pause droht. Alles, was sonst rund um Werder Bremen wichtig ist, steht in unserem Trainingslager-Ticker.

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