Ex-Werder-Bremen-Coach jetzt in Berlin

Hertha-Coach Jürgen Klinsmann über Co-Trainer Alexander Nouri: „Ich wusste: Den rufe ich an“

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Alexander Nouri, EX-Coach von Werder Bremen, trainiert ab sofort als Co. von Jürgen Klinsmann Hertha BSC.

Bremen/Berlin – Um zu verstehen, warum der neue Coach von Hertha BSC, Jürgen Klinsmann, ausgerechnet Alexander Nouri zu seinem Assistenzcoach macht, muss man die Uhr um mehr als ein Jahr zurückdrehen und einmal über den großen Teich reisen. Rüber in die USA.

Dort hatte Nouri im Sommer 2018 eine längere Bildungsreise unternommen. Hospitationen beim Seattle Sounders FC, bei Los Angeles Galaxy und den Los Angeles FC standen auf dem Programm. Sowie ein Besuch bei Jürgen Klinsmann, dem Wahl-Kalifornier. „Wir haben uns getroffen. Das war ein interessanter Austausch“, erzählte Nouri später. Offenbar so interessant, dass sich Klinsmann jetzt an den ehemaligen Chefcoach von Werder Bremen erinnerte und ihn zu seinem „Co“ für das zunächst auf ein halbes Jahr ausgelegte Engagement bei Hertha BSC macht. Gemeinsam mit Markus Feldhoff, Nouris Freund und Mitarbeiter bei Werder und dem FC Ingolstadt.

So fanden Jürgen Klinsmann und Alexander Nouri zusammen

Wieso die Wahl auf das Duo fiel? Klinsmann erklärte es am Mittwoch im Rahmen seiner Vorstellung. „Alex Nouri kam mal rüber nach Kalifornien. Ich habe ihn kennengelernt als einen sehr wissbegierigen, neugierigen jungen Trainer. Er hat seine Stationen abgearbeitet, durfte Werder Bremen trainieren, durfte den FC Ingolstadt trainieren. Was mich an ihm begeistert, ist seine Energie, seine Art und Weise der Kommunikation, seine Tuchfühlung, sich auch in die Spieler reinzudenken.“ Als klar war, dass er selbst auf die Trainerbank zurückkehren würde, „wusste ich: Den rufe ich an. Ich habe wirklich eine hohe Wertschätzung.“

Jürgen Klinsmann trainierte mit Ex-Werder-Profi Andreas Herzog die US-Nationalmannschaft

Nouri profitiert davon, dass Klinsmann nie ein Trainer mit einem festen Assistenten-Team war. Während seiner Zeit als Bundestrainer war Joachim Löw der Co-Trainer des ehemaligen Torjägers, als Nationalcoach der USA assistierten ihm unter anderem Ex-Werder-Profi Andreas Herzog und der gebürtige Mexikaner Martin Vasquez, mit dem er zuvor auch schon bei Bayern München zusammengearbeitet hatte. Damals war die Personalie Vasquez die große Überraschung, Nouri ist es jetzt auch.

Am Mittwoch wurde Jürgen Klinsmann offiziell von Manager Michael Preetz als neuer Trainer von Hertha BSC vorgestellt.

Klinsmann verdeutlichte, dass Assistenten bei ihm keine Handlanger, sondern Kollegen sind: „Die Aufgabenverteilung bei mir ist sehr direkt und unkompliziert. Die Assistenztrainer, also Alex Nouri und Markus Feldhoff im Team, bereiten die Trainingseinheiten vor, ich lasse ihnen da auch viel freie Hand in der Umsetzung. Ich beobachte, mische mich auch ein, wenn es sein muss. Aber ich habe es gerne, wenn ein Assistenztrainer das laute Wort hat auf dem Trainingsplatz, denn mich werden die Spieler oft genug hören. Dann ist es gut, wenn der Cheftrainer sich auch mal zurückhält.“

Schnittmenge zwischen Alexander Nouri und Jürgen Klinsmann sind die USA

Die große Schnittmenge zwischen Klinsmann und Nouri sind zweifellos die USA und der Fußball dort. Klinsmann hat die Entwicklung in den Staaten maßgeblich geprägt, hat im Gegenzug aber auch viele der amerikanischen Methoden adaptiert. Nouri auch. Er war nach seiner Hospitationsreise fasziniert vom „American Way of Sport“, den er schon Ende der 90er-Jahre als Spieler der Seattle Sounders kennengelernt hatte. Aus der Zeit hat Nouri noch viele Kontakte und Freunde in den USA – und diese Freunde kennen wiederum Klinsmann. Beispiel: Gregg Berhalter. Er ist Klinsmanns Nach-Nach-Nachfolger als US-Coach, Nouri wiederum bezeichnet ihn als „einen Freund“.

Dass Klinsmann sich für Nouri als engsten Mitarbeiter entschieden hat, ist zwar erstaunlich, dass sich Nouri trotz der Vergangenheit als Cheftrainer bei Werder Bremen und dem FC Ingolstadt wieder in die Rolle eines Assistenten begibt, ist es wiederum nicht. Viel zu groß ist der Name Klinsmann im deutschen und internationalen Fußball, als dass er sich die Eitelkeit hätte erlauben können, auf den Job zu verzichten. Und viel zu spannend das Projekt. Passend dazu ein Nouri-Zitat aus der Vergangenheit: „Mich interessieren neue Herausforderungen, und es ist ein Stück weit meine Persönlichkeit, neue Dinge zu erfahren.“

Alexander Nouri zurück auf der Bundesliga-Bühne

Und noch etwas hat der 40-Jährige einmal über sich gesagt: „Ich versuche viel unterwegs zu sein und nicht darauf zu warten, dass mich das Glück sucht.“ Deshalb hatte er im Sommer 2018 den Trip in die USA gebucht – inklusive Besuch bei Jürgen Klinsmann. Bei ihm hat Nouri Wissen und Erfahrung gesucht – und offenbar Glück gefunden. Wenn auch mit Verspätung.

Die Trainerkarriere des Deutsch-Iraners könnte damit wieder Fahrt aufnehmen. Zuletzt war es sehr, sehr still geworden um ihn. Seit dem Ende des 64-Tage-Engagements beim damaligen Zweitligisten FC Ingolstadt war er ohne Club gewesen. Genau ein Jahr und einen Tag nach der Entlassung hält ihm Klinsmann jetzt die Tür auf. Zurück auf die Bundesliga-Bühne. (csa)

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