„Reiflicher überlegen, was man sagt“

Ihr könnt aufhören zu überlegen: Baumann hat das Wortspiel der Woche schon abgefeuert

+
Baumann bei der Mitgliederversammlung von Werder Bremen

Werder-Sportchef Frank Baumann hat sich mit einem Wortspiel bei der Jahreshauptversammlung erstmals deutlich gegen die scharfe Kritik von TV-Kommentator Marcel Reif gewehrt. Applaus. War auch nötig nach dem missglückten Gag über die „besseren Trainer“. Der Spruch des Abends kam aber trotzdem von einem Club-Mitglied.

„Ich habe noch einen gut gemeinten Rat an die sogenannten Experten: Sie sollten sich zukünftig vielleicht etwas besser informieren, bevor sie aus der Ferne etwas bewerten“, sagte Baumann am Montagabend vor den 325 stimmberechtigten Mitgliedern des Stammvereins zunächst und holte dann zum Wortspiel aus, das er offenbar direkt an TV-Kommentator Reif richtete: „Künftig vielleicht etwas reiflicher überlegen, bevor man was sagt.“ Er bekam dafür großen Applaus. 

Hintergrund: Reif hatte Baumann unter anderem für seine Wortwahl nach der Entscheidung, Florian Kohfeldt bis zum Winter auf der Trainerbank arbeiten zu lassen attackiert. „Irrsinn“ hatte Reif dem Werder-Manager vorgeworfen und von „Realsatire“ gesprochen. Werders Sportchef hatte zuvor eingeräumt, dass möglicherweise „bessere Trainer“ als Kohfeldt auf dem Markt gewesen seien. Baumann hatte damit allerdings wohl nur verdeutlichen wollen, dass internationale Top-Trainer nicht nach Bremen zu locken seien. „Wir haben mit einem kleinen Kreis Gespräche geführt. Aus diesem Favoritenkreis haben wir uns für den Besten entschieden“, sagte Baumann am Montag nun.

Der Spruch des Abends...

... kam aber trotzdem von einem Club-Mitglied, das feststellte: „Wir haben die besten Werder-Fans in ganz Deutschland.“ Widerspruch gab es nicht.

Was bei der Jahreshauptversammlung sonst noch wichtig war

WIRTSCHAFTLICHES ERGEBNIS 

Zum zweiten Mal nacheinander präsentierte Clubchef Klaus Filbry einen wirtschaftlichen Gewinn. 700 000 Euro betrug das Plus im Geschäftsjahr 2016/2017 nach knapp drei Millionen Euro im Vorjahr. Der Umsatz stieg auf 123,5 Millionen Euro: Rekord für eine Spielzeit ohne internationalen Wettbewerb. „Transfererlöse bedingen den Umsatzerfolg“, sagte Filbry und kündigte an: „Wir möchten profitabel arbeiten. Wir wollen jedes Jahr einen Gewinn von einer bis drei Millionen Euro erwirtschaften.“ 

SPORTLICHE UND STRATEGISCHE ZIELE 

Aktuell steht Werder mit acht Punkten aus zwölf Spielen auf dem Relegationsplatz. Werders Anspruch ist das nicht. „Erstes Ziel ist der Bundesliga-Verbleib. Wir möchten eigentlich jedes Jahr einen einstelligen Tabellenplatz erreichen“, sagte Filbry und bekannte gar: „Der Traum Europa ist natürlich da.“ Die Eigenkapitalquote soll künftig wieder auf 30 Prozent der Bilanzsumme steigen. Nach vier wirtschaftlich schwierigen Jahren war das Eigenkapital nach 2011 von einst gut 38 Millionen Euro nahezu gen null geschrumpft. 

SCHAAF-RÜCKKEHR 

Werder will den Posten eines Technischen Direktors schaffen, der sich um die Ausbildung der Trainer im Club und das Erarbeiten einer allgemein gültigen Spielphilosophie kümmert. Diesen Posten soll möglichst der langjährige Werder-Coach Thomas Schaaf ausüben. „Ich bin davon überzeugt, dass diese Position eine Schlüsselposition einnehmen wird. Nicht zuletzt, wenn es uns gelingen sollte, einen Mann wie Thomas Schaaf zu verpflichten“, sagte Sportchef Frank Baumann und bestätigte: „Die Planungen zur Einführung dieser Position laufen.“ 

BEKENNTNIS PRO KOHFELDT 

Werders junger neuer Chefcoach bekam viel Rückendeckung. Filbry traut dem 35-Jährigen nicht nur den Klassenverbleib, sondern auch einen Erfolg im DFB-Pokal zu. „Ich bin mir sicher, mit diesem Team werden wir die Klasse erhalten und vielleicht sogar nach Berlin fahren“, sagte Filbry. Baumann verteidigte den zunächst befristeten Vertrag als Cheftrainer als „unserer Situation entsprechend“. Obwohl er Gespräche mit anderen Kandidaten geführt habe, sei er von Kohfeldt überzeugt: „Wir haben mit einem kleinen Kreis Gespräche geführt. Aus diesem Favoritenkreis haben wir uns für den Besten entschieden.“

Mit Material von dpa

Alicante statt Bielefeld: Werder ändert Pläne für den Winter. Nach 4:0-Gala gegen Hannover 96: Kruse und Kohfeldt warnen vor zu viel Euphorie.

Das könnte Dich auch interessieren

Kommentare