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Geht ein Werder-Kapitän in die türkische Provinz – der Junuzowitz

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Übereinstimmenden Medienberichten zufolge liegt das Angebot von Trabzonspor für Junuzovic zwischen 3 und 4 Millionen Euro, Werder fordert mehr.

Der Poker um Zlatko Junuzovic geht in die finale Phase: Werders Kapitän ist offenbar nicht abgeneigt, zum türkischen Erstligisten Trabzonspor zu wechseln, der SVW wird den Österreicher wohl gehen lassen – vorausgesetzt die Ablösesumme stimmt. Übereinstimmenden Medienberichten zufolge liegt das Angebot von Trabzonspor zwischen 3 und 4 Millionen Euro, Werder fordert mehr. Aber selbst wenn die Türken nachbessern sollten, ein guter Deal wäre es allenfalls für Trabzonspor.

3,5 Millionen sind besser als gar nichts, könnte man meinen, schließlich hat Junuzovic nur noch ein Jahr Vertrag, 2018 kann er ablösefrei wechseln. Und überhaupt: Reisende soll man ja bekanntlich nicht aufhalten – eine im Fußballgeschäft gängige Floskel mit Berechtigung. Junuzovic den Wechselwunsch auszuschlagen, könnte sich negativ auf die Performance des Mittelfeldspielers auswirken. „Zladdi“ spielt dann gut, wenn er Vertrauen spürt, wenn er Lust auf Fußball hat. Ein quengeliger Junuzovic wäre indes ganz bestimmt keine große Hilfe. Also ziehen lassen?

Markt ist „heißgelaufen“

Problem aus Werder-Sicht: Der Markt ist „heißgelaufen“ (Baumann). Heißt, es gibt nicht viel fürs Geld. Was könnte Werder also selbst mit 4 oder 5 Millionen anstellen? Inwiefern wäre es für Werder ein guter Deal, seinen Kapitän und Leistungsträger ziehen zu lassen, wenn die Ablösesumme nicht ausreicht, um adäquaten Ersatz zu verpflichten und schon gar nicht, um die vakanten Positionen in der Innenverteidigung und im zentralen Sturm zu besetzen? Aus meiner Sicht gibt es bei diesem Deal nur einen Gewinner: Trabzonspor – die Türken bekommen einen fertigen Spieler für vergleichsweise wenig Geld.

Und Junuzovic? Ich frage mich jetzt schon eine ganze Weile, was ihn zu Trabzonspor ziehen könnte. Aufgrund der aktuellen politischen Lage ist die Türkei derzeit nicht mal mehr ein beliebtes Reiseziel. Den Lebensmittelpunkt in die Türkei zu verlegen, ist – positiv ausgedrückt – mutig, zumal Junuzovic Familie hat und stolzer Vater eines knapp einjährigen Sohnes ist. Außerdem ist Trabzon mit rund 240.000 Einwohnern wahrlich keine Metropole, sondern eher türkische Provinz. Wenn es einen abenteuerlustigen Kicker in die Großstadt nach Istanbul zieht, kann ich mich da ja noch halbwegs reindenken, aber Trabzon? Die sportliche Perspektive ist indes ganz okay: Als Sechster der türkischen Süper Lig spielt Trabzonspor zwar nicht international – die Ambitionen, in Europa mitzumischen, sind aber groß. Der Klub feiert in dieser Saison sein 50-jähriges Bestehen, zum Jubiläum wurde gar der Titelgewinn als Ziel ausgegeben, wenngleich das ein wenig vermessen sein dürfte.

Junuzovics letzter großer Vertrag?

Bleibt als Argument noch Geld. Junuzovic wird im September 30 Jahre alt, womöglich ist sein nächster Vertrag sein letzter. Verständlich, dass er das Optimum herausholen möchte, um für die Fußballrente bestmöglich aufgestellt zu sein, klar. Aber macht es jemanden, der sich in seinem Leben um Geld keine Sorgen mehr machen muss, glücklicher, wenn er noch mehr Geld verdient? Das kann ich freilich nicht beurteilen, glauben will ich das aber nicht.

Für viele Werder-Fans mutet die Posse um Junozovic derweil wie ein schlechter Scherz an. Insbesondere die kolportierten Angebote der Türken sorgen bei den Bremer Anhängern für Missstimmung. „Viel zu wenig“, so der Tenor, in den sozialen Medien ist gar vom „Junuzowitz“ die Rede. Fragt sich nur, wer im Falle eines Wechsels zuletzt darüber lacht – ich vermute, Trabzonspor.

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