Vor Werder vs. Hannover im Weser-Stadion

Jan Delay im Interview: „Die Fans wollten eine Stadionballade"

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Jan Delay hat einen neuen Werder-Song geschrieben. Das Lied wird am Samstag im Weser-Stadion vorgestellt.

Der Werder-Song von Jan Delay ist endlich fertig, am Samstag soll er erstmals im Weser-Stadion in Bremen laufen. Vorab spricht der Rapper über die Entstehung und warum er ihn nicht live performen wird.

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„Keine Panik" lautet das Motto Ihres Mentors Udo Lindenberg. Gilt das in der nächsten Saison endlich auch mal wieder für den SV Werder Bremen?

Jan Delay: „Keine Panik" ist generell ein gutes Motto – für alle Lebenslagen. Was diese Saison angeht, bin ich sehr guter Dinge. Ich bin als Fan natürlich subjektiv und möchte, dass jedes Jahr besonders wird. Aber die Konstellation bei Werder ist aktuell auch ziemlich gut.

Was macht Sie so zuversichtlich?

Jan Delay: Der Trainer! Florian Kohfeldt ist nicht nur kompetent, sondern auch sympathisch. Dadurch kann er viele Leute mitreißen – und das ist wichtig. Er ist ein guter Kommunikator. Er kann mit seinen Leuten reden und dadurch an den Schrauben drehen, die für den Erfolg der Mannschaft wichtig sind. Außerdem haben wir einfach einen geilen Kader – da hat Frank Baumann wirklich gute Arbeit geleistet!

Trauen Sie Kohfeldt eine Ära zu wie Rehhagel oder Schaaf?

Jan Delay: Ja, auf jeden Fall. Vor allem zusammen mit Frank Baumann. Das ist einfach eine geile Kombination.

Pünktlich zum Saisonstart kommt Ihr heiß ersehnter Werder-Song raus. Wie ist die grünweiße Liebe, um die es in dem Lied geht, entstanden?

Jan Delay: Ich wohne zwar in Hamburg, mein Vater kommt aber aus Oldenburg. Als Kind war ich häufiger mal bei meiner Oma. Daher hatte ich immer einen Bezug zu Werder. Ich habe mich ab der ersten Klasse für Fußball interessiert. Damals kam das Panini-Album in meine Welt, und in dem gab es den FC St. Pauli nicht. Daher wusste ich auch nicht, dass es dort einen Fußballverein gibt.

Und der HSV war keine Option?

Jan Delay: Ich war mit meinem Onkel ab und zu im Volksparkstadion, weil ich ein großer Fan von Karl-Heinz Rummenigge war. Doch als in der Westkurve pünktlich zum Anpfiff alle strammstanden, war das für mich schon ziemlich befremdlich. Ich war zwar noch klein, wusste aber, was es bedeutet. Dadurch war der HSV sofort raus. Auch die Aggressivität unter den Fans hat mich abgeschreckt. Alles zusammengerechnet war die Entscheidung klar. Und wenn man sich einmal entschieden hat, bleibt man natürlich dabei – ein Leben lang.

Wann und wie ist die Idee zum neuen Song entstanden?

Jan Delay: Dass ich mal ein Lied für Werder machen würde, war für mich schon lange klar. Seit ich solo unterwegs bin und immer mehr Leute wissen, dass ich Werder-Fan bin, beschäftige ich mich damit. Es wurde auch mehrfach an mich herangetragen. Bock hatte ich immer, aber es ist auch ein sehr großer Aufwand. Wir machen ja alles selbst: Ich schreibe den Text, komponiere es mit meiner Band, wir produzieren, schneiden, mixen – und drehen sogar das Video zusammen. Das kann man nicht mal eben so machen, darauf hätte ich auch keinen Bock. Wenn ich sowas mache, dann richtig. Daher hat es halt etwas gedauert.

Wann hat die Idee Konturen angenommen?

Jan Delay: Immer mal wieder – meistens dann, wenn Werder eine gute Phase hatte, und die waren in den letzten Jahren ja leider rar gesät. Die vergangene Rückrunde hat mich dann befeuert, und ich hatte auch endlich die Zeit, es umzusetzen.

Hätte Werder in den vergangenen Jahren besser gespielt, hätte es also schon früher geklappt?

Jan Delay: Vielleicht. Aber wahrscheinlich stimmt das nicht. Es gab vorher auch immer mal gute Phasen, da hat dann einfach die Zeit gefehlt. Ich bin natürlich kein Gut-Wetter-Fan, aber in schlechten Phasen ist der Drang einfach nicht so groß. Zudem brauche ich Ruhe und zwei Monate, um es umzusetzen. Das ist in meinem Beruf schon eine verdammt lange Zeit.

Ist es schwieriger, eine Fußballhymne zu schreiben als einen „normalen“ Song?

Jan Delay: Es ist anders, auf jeden Fall eine Herausforderung. Normale Lieder schreibe ich schon lange, das ist nichts Neues mehr für mich. Einen Fußballsong hingegen hatte ich vorher noch nie gemacht. Es sollte kein stumpfer Stadionsong werden, wie es sie schon ohne Ende gibt. Ich hatte einen gewissen Anspruch, wollte die Leute aber auch nicht mit zu viel Musiker-Nerdtum vergraulen. Trotzdem sollte er eingängig sein und Emotionen hervorrufen. Eine Kombination aus allem hinzubekommen und gleichzeitig mich als Jan Delay sowie Werder Bremen widerzuspiegeln, das war für mich die größte Herausforderung.

Die Fans hatten ja auch ein bisschen Mitspracherecht...

Jan Delay: Genau. Ich habe die Fans vorher gefragt, was sie wollen. Ich hätte auch echt Bock auf etwas Modernes und Rockiges gehabt, aber das wurde komplett weggebuht. Sie wollten eine Stadionballade. Ich habe alles gegeben und bin sehr zufrieden – sonst würde ich den Song nicht veröffentlichen.

Soll das Lied immer vor den Heimspielen laufen – vielleicht ab und zu sogar live von Ihnen gesungen?

Jan Delay: Ich hoffe, dass es regelmäßig gespielt wird, aber die Entscheidung liegt nicht bei mir. Es live im Stadion zu singen, bringt nicht viel. Der Geräuschpegel ist so hoch, das interessiert niemanden. Es sei denn, es sind besondere Anlässe – beispielsweise, wenn es etwas zu feiern gibt.

Vielleicht bei der nächsten Meisterfeier?

Jan Delay: Das wäre natürlich ein Traum. (lacht) Aber erstmal drücken wir die Daumen, dass diese Saison ein Erfolg wird – ein Europa-League-Platz wäre toll!

Die Fragen stellten Alena Staffhorst & Guido Finke

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