Vier (+ ein Ösi) sind Werder Bremen – Die nordbuzz-Kolumne

Borowski: „Wenn sich Max Kruse weiter so präsentiert, wird Jogi schon anrufen“

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Die nordbuzz-Kolumnisten (v.l.): Laura Wontorra, Tim Borowski, Tobias Holtkamp, Sebastian Prödl und Moritz Cassalette.

In der wöchentlichen nordbuzz-Kolumne „Vier (+ ein Ösi) sind Werder Bremen“ schreiben unsere Experten im Wechsel über den SVW. Werder-Legende Tim Borowski, TV-Moderatorin Laura Wontorra, der österreichische Nationalspieler und Ex-Bremer Sebastian Prödl, Sportjournalist Tobias Holtkamp und NDR-Bundesliga-Reporter Moritz Cassalette spielen sich die Bälle zu: mal emotional, mal analytisch, aber immer authentisch.

In dieser Ausgabe schreibt Tim Borowski.

Was da gerade bei Werder Bremen passiert, ist schon verrückt: Nach der 0:1-Niederlage gegen Gladbach am 20. Spieltag stand das Team auf dem Relegationsrang, nur vier Punkte vor Schlusslicht Darmstadt und satte 17 Zähler hinter der Hertha auf Platz sechs. Und nun, rund neun Wochen später? Muss ich nicht viel zur Tabelle sagen, die wird sich jeder Werder-Fan ungläubig mehr als ein Mal angeschaut haben. Dass solche Serien möglich sind, habe ich selbst erlebt. Und natürlich habe ich gehofft, dass es so kommen wird. Aber dass es so eine Mega-Serie wird, damit haben wir doch alle nicht gerechnet. Von mir aus kann es bis zum letzten Spieltag so weitergehen.

Im Grunde waren die Punkte ja auch nötig – siehe Mainz oder Augsburg. Dort hat sich die Situation genau in die andere Richtung entwickelt. Eine Richtung, mit der sich Werder fast nicht mehr beschäftigen muss. Ich sage bewusst fast, denn nach unten ist mit nun 39 Punkten noch nicht alles durch. Im Grunde fehlt noch der eine Punkt. Deswegen ist es sinnvoll, das ganze noch mit ein bisschen Demut zu betrachten, obwohl natürlich jeder weiß, was nach oben noch möglich ist.

Jetzt können sich die Spieler den Lohn der harten Arbeit abholen

Tim Borowski (36) spielte elf Jahre als Profi für den SV Werder Bremen, seinem einzigen Bundesliga-Verein, abgesehen von einem kurzen Intermezzo beim FC Bayern München. 2004 gewann der ehemalige deutsche Nationalspieler mit Werder das Double. Bei der WM 2006 wurde er mit dem DFB-Team Dritter, 2008 Vize-Europameister.

Die herrschende Euphorie kann in jedes weitere Spiel bis zum Saisonende mitgenommen werden. Motivationsprobleme, weil vielleicht der größte Druck raus ist, dürfte es deswegen nicht geben, im Gegenteil: Jetzt können sich die Spieler den Lohn der harten Arbeit abholen. Die aktuelle Konstellation bietet alle Möglichkeiten, deswegen würde ich nichts großartig ändern. Fakt ist: Der Abstieg ist theoretisch zwar noch möglich, aber wenn auch der fehlende Punkt geholt ist, dann heißt es: volle Kraft voraus! Ob es dann für Europa reicht, wird sich zeigen. Das Team hat zuletzt vor allem mit einer kompakten Mannschaftsleistung überzeugt. Ein Spieler hat sich dennoch besonders in den Vordergrund gespielt: Max Kruse. Nach seiner Verletzung ist er wieder richtig spielfit. Er sieht drahtig und austrainiert aus, kann das Tempo über die volle Spielzeit variieren und setzt seine Mitspieler hervorragend und uneigennützig ein. Im Moment passt es einfach: Die Jungs unterstützen ihn, er kann sich frei entfalten und gibt das in Form von guten Leistungen zurück. Und was man nicht vergessen darf: Max ist mittlerweile 28 Jahre alt, ein erfahrener Hase, der einiges in der zweiten und ersten Liga erlebt hat, das macht sich natürlich irgendwann mal bemerkbar.

Mein Rat: Einfach so weitermachen und den Erfolg mit der Mannschaft genießen

Bei seinen Leistungen ist es kein Wunder, dass sein Name wieder mit der Nationalmannschaft in Verbindung gebracht wird. Ich denke auch, dass Jogi Löw ihn auf dem Zettel hat, vielleicht auch mit Blick auf den Confed-Cup. Ich kann mir vorstellen, dass er dort diskutiert wird. Aber an Stelle von Max würde ich mich mit diesem Thema gar nicht so intensiv beschäftigen. Warum? Er ist aktuell in bestechender Form und strahlt echte Spielfreude aus. Wenn er sich weiter so präsentiert, wird Jogi Löw schon anrufen. Und wenn nicht, sollte er auf keinen Fall enttäuscht sein. Mein Rat: Einfach so weitermachen und den Erfolg mit der Mannschaft genießen – dann öffnen sich einige Türen vielleicht automatisch.

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