Sampler zum 120-jährigen Vereinsbestehen

Sänger Tjalf Hoyer im „Mein-Werder“-Interview: „Werder ist ein Riesenthema – wie die Liebe“

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Tjalf Hoyer ist Sänger der Band Afterburner und koordiniert den Werder-Sampler zum Jubiläum.

Afterburner-Sänger Tjalf Hoyer spricht im „Mein-Werder“-Interview über seine grün-weiße Leidenschaft, die Besonderheiten von Fußball-Songs und den Sampler zum 120-jährigen Vereinsbestehen.

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Herr Hoyer, Sie arbeiten derzeit mit viel Engagement am Sampler zum 120-jährigen Bestehen des SV Werder. Für dieses Benefiz-Projekt konnten Sie große Namen gewinnen. Wie haben Sie das gemacht? 

Tjalf Hoyer: Wenn ich Musiker für den Sampler angefragt habe, war die erste Frage immer: Wie stehst du zu Werder, was verbindet dich mit dem SVW? Jeder, der in Bremen und umzu aufgewachsen ist, hat eine Beziehung zu Werder, die in der Regel auch positiv konnotiert ist. Wenn man dann noch mit den ebenfalls an der Platte beteiligten Werder-Botschaftern Jan Delay, Johannes Strate und Wigald Boning wuchern kann und es klar ist, dass die Platte in die karitative Richtung geht, sind die Leute im Boot. Die Verkaufserlöse werden komplett an die Werder-Stiftung fließen.

Und wie lief es, wenn Sie jemanden kontaktiert haben, der nicht ganz so eng mit Werder verbunden ist? 

Hoyer: Mit den Künstlern, die zwar Berührungspunkte mit Werder hatten, sich jedoch nicht unmittelbar im Fußballkontext sahen, habe ich mich auf einen Tee oder ein Bierchen hingesetzt und ihnen erzählt, was wir bei Werder im sozialen Bereich bewegen. Dass zum Beispiel Flo Mega und die Band Rhonda dabei sind, freut uns riesig. Genauso genial ist es, dass die Jungs von Gloria mitwirken und Klaas Heufer-Umlauf natürlich auch singen wird. Er würde sich jetzt vielleicht nicht als Riesenfan bezeichnen, besitzt als Oldenburger aber klar Sympathien in Richtung Werder. Bassist Mark Tavassol ist ein richtiger Grün-Weißer. Werder ist mehr als ein reiner Fußballklub und schwebt nicht wie ein Raumschiff über der Stadt. Als Verein wissen wir, was in Bremen abgeht und sind hier tief verwurzelt. Wir arbeiten schon seit Jahren im sozialen Bereich. Mit solchen Aspekten kannst du Künstler natürlich überzeugen.

Wie ist überhaupt die Idee entstanden, einen Werder-Sampler zu veröffentlichen? 

Hoyer: Zu Jahresbeginn hatte ich mit Werder gesprochen, weil ich unser Lied „Wir sind Werder Bremen“ in einer „ewigen Version“ mit kosmetischen Textveränderungen noch einmal auflegen und Werder zum 120. Geburtstag schenken wollte. Im gemeinsamen Austausch haben wir die Idee weitergesponnen und Werder gab dann sehr bald den Anstoß dazu, das Ganze noch etwas größer zu denken, sodass wir schließlich bei der Vision eines Samplers landeten. Ein Künstler, ein Song – so lautete schnell die Idee. Wobei „Lebenslang Grün-Weiß“ und „Wir sind Werder Bremen“ wahrscheinlich als Bonustracks auf der Platte sein werden, weil ein Jubiläums-Sampler ohne diese beiden Titel nicht vollständig wäre.

Ansonsten produziert aber jeder Künstler extra einen neuen Song für die Platte? 

Hoyer: Genau, das ist der Plan. Die Original Deutschmacher haben wir gewonnen, auf dass sie noch einmal was Neues machen. Der Werder-Song von „De fofftig Penns“ ist schon etwas älter, war aber noch nie auf einer Platte. Deshalb war einer unserer ersten Gedanken, „Gröön Un Witt“ mit rauf zu nehmen. Bei Jan Delay steht natürlich schon fest, dass „Grün-Weiße Liebe“ auf dem Sampler sein wird.

Und die anderen Lieder? Sind die schon fertig? 

Hoyer: Nein, die sind voll in Arbeit. Teilweise gibt es noch nicht einmal einen Arbeitstitel. Wir jonglieren mit Demos. Die stilistische Bandbreite wird groß sein. Wir haben allen gesagt: Macht das, wofür ihr steht. Manche sind sehr nah dran am Thema Fußball, manche gehen das Thema etwas anders an. So wie Flowin Immo. Bei Immo steht der Arbeitstitel tatsächlich schon: „Das Körper-W“. Vor dem Pokalfinale 2009 hatten wir vom Fanclub in Berlin eine recht große Party auf die Beine gestellt. Immo hat damals einen DJ mitgebracht und seinen Freestyle-Rap zelebriert. Dabei entstand dann das „Körper-W", und die ganze Halle war in entsprechender Bewegung. Jahrelang habe ich danach noch mit Leuten über diesen Moment gesprochen. Immo habe ich daher mit einem konkreten Auftrag kontaktiert: Wir brauchen jetzt das „Körper-W“ von dir. Er hat zum Glück sofort zugesagt.

Hat überhaupt jemand abgesagt? 

Hoyer: Nein, das ist das Schöne. Alle haben zugesagt und sind an Bord geblieben. Deshalb ist auch jetzt schon klar, dass wir eine Doppel-LP machen müssen, damit wir so viele Lieder überhaupt auf das Vinyl gepresst kriegen. Die LP wird auf 1899 Vinylplatten limitiert sein, dazu gibt es eine CD, die in größerer Auflage erscheinen wird. Nach Möglichkeit wollen wir im Sinne des sozialen Aspekts ja auch ein bisschen was in Richtung Charts bewegen – mal gucken, wie es kommt.

Das ist ein ambitioniertes Ziel. 

Hoyer: Durch die Popularität der Künstler und die Qualität der Beiträge werden wir einen Standard setzen in Sachen Fußballplatte, den es bislang so nicht gibt. Da rede ich jetzt weniger von mir, sondern mehr von Jan Delay und Johannes Strate, Rhonda, Flo Mega oder auch Versengold, die letztes Jahr auf Platz zwei der Albumcharts standen. Ich bin mir sehr sicher, dass es erstmal keinen vergleichbaren Fußball-Sampler in Deutschland geben wird. Mit Afterburner haben wir immer wieder mal ein bisschen recherchiert und festgestellt: Viele Fußball-Musikalben sind ziemlich miserabel, da ist oft nur Mallorca-Mucke am Start. Dieses ewige „Wir sind die Geilsten, die Schönsten und Stärksten“. Das kannst du vielleicht Donald Trump unterjubeln, aber wir Bremer fahren darauf nicht ab.

Worauf fahren die Bremer denn ab? Was muss ein guter Werder-Song haben? 

Hoyer: Der muss eine authentische Beziehung zu Werder darstellen. Und die Töne sollten gerade sein. (lacht) Authentizität ist der absolute Schlüssel. Man kann ganz gut heraushören, wie nah man an dem Thema dran ist und wie sehr einen Werder berührt. Textlich muss es gar nicht unbedingt nur um Fußball gehen. Man könnte auch einen Song darüber machen, was man erlebt, wenn man im Viertel hinter dem Tresen steht und Bier ausschenkt, während Werder spielt. Von Grillmaster Flash erwarten wir etwas sehr Erdiges zum Thema.

Um neue Songs zu entdecken, gehört zu „Lauter Werder“ auch ein Bandcontest. Bis zum 10. Oktober können Musiker ihre Werder-Songs einschicken an lauter@werder.de. Was für Voraussetzungen muss ein Lied erfüllen, um es auf die Platte zu schaffen? 

Hoyer: Die einzige Voraussetzung ist, dass der Song die eben angesprochene Beziehung zu Werder darstellt – egal, auf welche Weise. Stilistisch sind wir völlig offen. Du musst halt was spüren und dich als Künstler angesprochen fühlen. Und ganz wichtig: Die eingeschickten Lieder müssen nicht GEMA-frei sein, eine Urheberschaft darf natürlich angemeldet werden. Der Contest ist für mich persönlich mit der wichtigste Bestandteil des Samplers. Wir sind total gespannt zu hören, was sich da draußen im Bereich Werder-Musik noch so tummelt.

Mit Ihrer Band Afterburner hat ja auch alles durch einen Werder-Song-Wettbewerb von Radio Bremen angefangen… 

Hoyer: Ich stand mit unserem Schlagzeuger 2004 im Frühling in der Ostkurve und Arnd Zeigler hat ins Mikro gesagt: „Leute, wir erleben eine besondere Saison. Habt ihr nicht mal Bock das Ganze musikalisch zu verpacken?“ Da gab es unsere Band schon sechs Jahre und wir hatten bisher nicht eine Sekunde darüber nachgedacht, mal einen Werder-Song zu machen. Wie dumm! Dieser Moment im Stadion war eine Art Erweckung. Wir haben dann „Wir sind Werder Bremen“ und „Deutscher Meister SVW“ aufgenommen. Danach bin ich nicht mehr davon abgekommen. Inzwischen habe ich ein ganzes Notizbuch voller Ideen für Werder-Lieder.

Was sind das für Ideen? 

Hoyer: Werder ist im Prinzip ein Riesenthema – wie die Liebe, um es etwas überspitzt zu sagen. Und es gibt Musiker, die haben ihre ganze Karriere damit verbracht, Lovesongs zu machen. Am Anfang hatte ich auch gedacht: Fußballsongs sind schwierig – vielleicht kannst du ein, zwei gute hinbekommen. Wenn man dieses Fansein aber mal komplett durchdenkt, merkt man, dass man über 1000 Dinge schreiben kann. Ich habe schon mal einen Song gemacht über die verzweifelte Situation, wenn du draußen in der Schlange stehst, und das Spiel aber schon längst angepfiffen ist – da drehst du als Fan fast durch.

Und nun hoffen Sie, dass durch den Band-Wettbewerb noch mehr Bands ihre Leidenschaft für Werder entdecken? 

Hoyer: Ja, und was ich mir auch wünschen würde, wären mehr weibliche Stimmen. Zum Glück sind wir in einer Zeit angekommen, in der man die Frauen in der Kurve nicht mehr mit der Lupe suchen muss. Und das sollte auch die Platte abbilden. Falls das dieses Mal noch nicht klappt, dann bei der nächsten. Wie viele Songs durch den Wettbewerb letztlich auf die Platte kommen, ist noch offen. Das entscheidet eine musikalisch kompetente Jury, zu der auch ein musikaffiner Spieler gehören wird.

Der eben angesprochene Afterburner-Song „Wir sind Werder Bremen“ läuft mittlerweile direkt nach jedem Werder-Sieg im Weserstadion. Wie kam es zu dieser Ehre? 

Hoyer: Mit dem Song haben wir lange eine Art Schattendasein geführt, bis „Wir sind Werder Bremen“ dann unmittelbar nach dem Abpfiff beim Pokalsieg 2009 im Berliner Olympiastadion gespielt wurde. Ich stand damals mit meinem Fanklub in der Kurve und mir blieb die Spucke weg. Seit diesem Moment ist der Song komplett im Verein angekommen, auch wenn wir ihn schon 2004 in der Double-Saison aufgenommen hatten. So was ist nun mal nicht planbar. Für eine Hymne brauchst du auch ein Ereignis, das Emotionen bündelt. Dass das Stadion und auch die Kurve den Song nun nach einem guten Spiel singen – ein Traum.

Sie sind Werder-Fan seit Kindheitstagen. Um die Frage aufzugreifen, die Sie den Künstlern gestellt haben: Wie sind Sie selbst denn zu Werder gekommen? 

Hoyer: Ich bin in Vegesack geboren und im Landkreis Osterholz aufgewachsen. Für uns Kids im Bremerland waren die Helden Rehhagel, Völler und Co. – das Weserstadion war gefühlt vor der Haustür. Einer meiner Onkel war früher zudem echter Kutten-Fan. Mein Vater hat bei der Sportschau immer sehr gejubelt, wenn Werder ein Tor geschossen hat. Das hat mich als Kind geprägt. Irgendwann waren wir drei dann gemeinsam zum ersten Mal im Stadion. Ich wurde also ganz klassisch familiär mit Werder sozialisiert.

Zur Person 

Tjalf Hoyer (40) ist Sänger der Band Afterburner und selbstständiger Bildungsunternehmer. Der passionierte Fußballer und Marathonläufer fungiert seit 2013 als Werder-Botschafter. In dieser Funktion koordiniert er den Sampler "Lauter Werder", der zum 120-jährigen Vereinsbestehen im Februar 2019 veröffentlicht wird.

Dass Werder-Fans auch abseits der Musik wortgewandt sind, haben sie kürzlich bewiesen und sind nun für den „Fußballspruch des Jahres“ nominiert. „Grün weiße Liebe“, der lang angekündigte Werder-Song von Jan Delay, hat für viel Aufmerksamkeit gesorgt. Die Hymne geht durchs Ohr direkt ins Rauten-Herz. "MoAubameyang" und "MegaBit" sorgen für Furore: Darum haben die E-Sport-Profis von Werder Bremen aber nur so kurze Vertrags-Laufzeiten.

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