VfB-Trainer Ehlers im Interview

„In Oldenburg gilt: Erst arbeiten, dann erzählen. Nicht andersrum.“

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VfB-Oldenburg-Trainer Stephan Ehlers

VfB-Oldenburg-Coach Stephan Ehlers ist morgens Gymnasiallehrer, abends Regionalliga-Trainer, und zu Hause hat er auch noch jemanden, der gern Zeit mit ihm verbringen möchte. „Ein Freizeitproblem entwickle ich zumindest nicht“, scherzt er über seinen Arbeitstag. Um 6 geht‘s los, um halb 10 ist er wieder zu Hause.

Wie Ehlers, der seit vergangenem Sommer beim VfB auf der Trainerbank sitzt, seine neue Aufgabe angeht und wie man gute Spieler eigentlich davon überzeugt nach Oldenburg zu kommen, hat er nordbuzz-Redakteur Tobias Picker im Interview verraten.

nordbuzz: Moin Herr Ehlers. Beeindruckender Arbeitstag! Wie kriegen Sie das alles unter einen Hut, ohne dabei völlig kaputt zu gehen?

Stephan Ehlers: Das funktioniert alles nur, wenn das familiär mitgetragen wird. Und da ist für mich natürlich meine Frau immer die wichtigste Ansprechpartnerin. Sie hat mir das Ok für diese intensive Tätigkeit gegeben, und solange sie hinter mir steht und mir den Rücken freihält, kann man ganz viele Dinge hinbekommen.Wenigstens muss ich mir nicht überlegen, welches Hobby ich jetzt zuerst ausführe (grinst).

nordbuzz: Dazu kommt ja vermutlich, dass es in Ihrer Funktion beim VfB auch nicht damit getan ist, einfach nur eine bloße Trainingseinheit zu leiten. 

Ehlers: Momentan ist es natürlich besonders heikel und schwierig, weil wir neue Spieler suchen und der ganze Aufgabenbereich des sportlichen Leiters momentan beim Trainerteam liegt: Spieler scouten, gucken, ob wir Verstärkungen finden, ob wir Spieler abgehen können, die Organisation rund ums Team. Das bedeutet gerade vor allem eine Menge Telefonieren. Und dann müssen wir das Training natürlich auch planen, sehen, wer steht überhaupt zur Verfügung, wer ist beim Arzt, wer beim Physio.

nordbuzz: Wenn Sie neue Spieler suchen, mal ganz salopp gefragt: Wen sucht der VfB Oldenburg?

Ehlers: Wir versuchen für die Zukunft besonders Spieler zu rekrutieren, die einen festen regionalen Bezug haben. Ein Spieler also, der noch eine gute Entwicklung nehmen soll, muss eigentlich jemand sein, der hier aus unserer Region kommt, oder der hier in der Region beispielsweise studiert oder eine Ausbildung macht. Wenn wir Spieler von "außerhalb" holen, dann muss es  jemand sein, der in die erste Elf gehört. Es wäre fahrlässig, jemanden zu holen, den ich nur auf Platz 18, 19 oder 20 im Kader sehe – und der womöglich noch extra aus dem Ausland kommt. Wichtig bei Neuverpflichtungen wird sein, dass wir bei allen in Zukunft auch noch mal einen intensiven Medizincheck machen müssen. Wenn also ein Kandidat schon mit einer gewissen Verletzungshistorie kommt, überlegen wir uns ab jetzt sicher zweimal, ob wir dann nicht lieber von einer Verpflichtung absehen.

„Wir haben in Oldenburg schon gute Argumente, mit denen wir wuchern können“

nordbuzz: Und den Spieß mal umgedreht: Wie überzeugt man gute Spieler davon, nach Oldenburg zu kommen? Was hat der VfB zu bieten?

Ehlers: Glücklicherweise ist Oldenburg eine sehr attraktive Stadt mit einer hohen Lebensqualität. Das ist natürlich für viele Spieler schon mal ein Faktor. Dann ist der VfB Oldenburg ein klarer Traditionsverein mit einer großen Anhängerschaft, was den Unterschied zu eher kleineren Regionalligisten macht. Wir haben hier in Oldenburg schon eine ordentliche Tragweite. Wir werden öffentlich wahrgenommen, haben vergleichsweise hohe Zuschauerzahlen, und auch zu Auswärtsspielen fahren viel Fans mit. So was kann man in der Regionalliga wirklich nicht voraussetzen. Auch die wachsende mediale Präsenz, dass wir beispielsweise auch mal ein Live-Spiel bei Sport1 bekommen, ist ein ordentliches Faustpfand. Wir haben in Oldenburg schon gute Argumente, mit denen wir wuchern können.

nordbuzz: Das Verletzungsproblem haben Sie gerade schon angedeutet. Die Verletztenliste ist beim VfB momentan ja fast schon apokalyptisch.

Ehlers: Das kann man so sagen. Wir haben ziemlich viele Langzeitverletzte, die mit ganz unterschiedlichen Verletzungen unterwegs sind. Kreuzband-, Schambeinverletzungen, sogar ein Bandscheibenvorfall im Nackenbereich, ein Zehenbruch, Schienbeinfraktur, Innenbandriss, Meniskusschaden und so weiter.

nordbuzz: Kann man so etwas denn besser vorbeugen, oder ist das einfach Pech?

Ehlers: Insgesamt ist das sicher auch eine ganze Menge Pech. Wir haben aber auch festgestellt, dass wir da ein gewisses strukturelles Problem in dem Bereich haben. Darum haben wir uns da auch ganz neu aufgestellt. Wir haben mit Dr. Björn Jespersen einen neuen Teamarzt und einen neuen Physio. Da sind wir mittlerweile sehr gut aufgestellt. In Zukunft werden wir dann viel mehr im Bereich Prophylaxe tun. Das heißt, wir müssen die verbesserungswürdigen Bereiche der Spieler in der Athletik analysieren, uns angucken, wo welcher Spieler funktionelle Probleme hat und die dann mit gezieltem Training ausgleichen. Wenn wir zum Beispiel stärker gegen koordinative Schwächen vorgehen, heißt das auch, dass ein Spieler nicht sofort umknickt und sich die Bänder reißt.

„Wir brauchen Geduld und Beständigkeit, keinen ständigen personellen Wechsel.“

nordbuzz: Wo soll es auf lange Sicht denn hingehen für den VfB?

Ehlers: ich bin kein Freund davon, hochtrabende Ziele zu formulieren. In dieser Stadt ist das auch nicht angebracht. In Oldenburg gilt: Erst arbeiten, dann erzählen. Nicht andersrum. Sicher wollen wir wieder in höhere Tabellenbereiche, aber natürlich können wir nicht versprechen, dass das in zwei Jahren die Dritte Liga wird. Da werden auch ganz andere Summen bewegt, und am Beispiel anderer Traditionsvereine wie Meppen oder Holstein Kiel sieht man, dass es auch schon mal zehn Jahre dauern kann, um wieder in den bezahlten Fußball zu kommen. Da brauchen wir Geduld und Beständigkeit, keinen ständigen personellen Wechsel in allen Bereichen. Und wenn wir dann noch vermehrt auf Regionalität setzen, können wir sicher auch wieder die vorderen Tabellenplätze angreifen.

nordbuzz: Wie lautet die Devise für die aktuelle Saison?

Ehlers: In dieser Saison wollen wir natürlich vor allem über dem Strich bleiben und zusehen, dass wir möglichst schnell aus der unteren Tabellenregion rauskommen und mit dem Abstieg nichts zu tun haben. Dafür müssen wir uns stabilisieren und dann auch schon mal gucken, dass wir uns für die kommende Saison aufstellen. Dann können wir uns von Spielzeit zu Spielzeit verbessern, aber das wird ein langer, steiniger Weg.

nordbuzz: Die Frage mag zynisch klingen: Was machen Sie, wenn Sie mal nichts mit Fußball und nichts mit Schule zu tun haben?

Ehlers: Dann gehört die Zeit der Familie, ganz klar. Dann versuchen wir uns auch mal die Zeit zu nehmen, Essen zu gehen, Freunde zu treffen – soziale Kontakte sind natürlich auch so ein Bereich, der stark auf der Strecke bleibt. Darum muss ich natürlich die Zeit, die bleibt, intensiv nutzen.

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