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Terminator Hermann Maier verneigt sich vor Marcel Hirscher - aber nur halbherzig

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Marcel Hirscher.

Nach dem 54. Weltcup-Sieg in der "Schneeballschlacht" von Schladming gegen Henrik Kristoffersen verneigt sich Hermann Maier vor Marcel Hirscher - aber nur halbherzig.

Schladming - Der Ritterschlag des "Herminators" für Marcel Hirscher ließ nicht lange auf sich warten, doch er kam nicht von Herzen. Der große Hermann Maier ließ nur wenige Minuten nach Hirschers 54. Weltcup-Sieg in der epischen "Schneeballschlacht" von Schladming mit Rivale Henrik Kristoffersen ein Gratulationsschreiben verbreiten. Er sprach Hirscher seine "Hochachtung" aus dafür, dass er seine Erfolgsmarke eingestellt hatte - und stellte sich doch klar über den Nachfolger.

Sein "Tatendrang", schrieb Österreichs Ski-"Heiland", sei "seinerzeit nach nur vier Weltcup-Saisonen und knapp mehr als 40 Siegen an einem Sommertag abrupt gebremst worden". Ohne seinen schweren Motorrad-Unfall im August 2001, deutete Maier zwischen den Zeilen an, hätte Hirscher ihn am Dienstagabend sicher nicht eingeholt. So hat Hirscher in der Bestenliste nur noch den Schweden Ingemar Stenmark (86 Siege) vor sich.

Als Hirscher gefragt wurde, ob und wie er auf den Brief antworten werde, wich er aus. "Ich bin echt froh, dass ich es geschafft habe, Henrik zu schlagen", sagte er, das sei schwer genug gewesen. In der Tat: Der Norweger hatte sich vor über 40.000 fanatischen Fans auch nicht von Schneebällen irritieren lassen, die im Finale in seine Richtung flogen - und einen Klasselauf vorgelegt. Im Ziel schimpfte er über das "respektlose" und "gefährliche" Verhalten, Olympiasiegerin Mikaela Shiffrin nannte es bei Twitter "abstoßend". Hirscher entschuldigte sich für die "zwei, drei Deppen".

Hermann Maier.

Schladming aber, betonte er, sei "ein magischer Ort für mich". 2013 hatte er auf der Planai seine ersten beiden von inzwischen sechs WM-Goldmedaillen gewonnen. Er wohnt im nahen Abtenau, nennt das Flutlicht-Spektakel "mein Heimrennen" - dass ihm dort der 54. Sieg gelang, fand er "wahnsinnig krass. Das taugt mir voll, es sind schon Rekorde, die Gewicht haben." Von Freundin Laura Moisl gab es dafür das fast obligatorische Küsschen.

Angetrieben vom Duell mit Ausnahmetalent Kristoffersen bringt es Hirscher knapp zwei Wochen vor Olympia schon auf neun Saisonsiege - besser war er nie. Und das trotz eines Knöchelbruchs im Sommer. "Das ist so verrückt", sagte er, "vielleicht sollte ich das öfter machen. Nicht meinen Knöchel brechen, aber mehr Freizeit haben."

Die bleibt ihm aktuell kaum. "Mein Energielevel geht schon wieder Richtung Bett", sagte Hirscher eine Stunde vor Mitternacht sichtlich erschöpft, das eingeplante Bier mit Kumpel und Dakar-Sieger Matthias Walkner hatte er da noch nicht getrunken.

Am Mittwochmorgen bei der Vereidigung der österreichischen Olympia-Fahrer beim Bundespräsidenten in Wien berichtete er übermüdet: "Vor zwei Uhr war kein Heimkommen", um 6.30 Uhr habe er sich wieder aus dem Bett gequält. Dass er am Sonntag beim Riesenslalom in Garmisch-Partenkirchen schon wieder ein Weltcup-Rennen bestreiten muss, nannte er "Wahnsinn! Ich weiß, es gehört zum Geschäft, aber es ist eine Frechheit."

Wohin Hirschers Weg noch führt? Der Olympiasieg, der ihm noch fehlt, wäre der nächste Schritt. Und dann? "13 Siege und vier Weltcup-Kugeln in einer Saison - das sind Zahlen, die ich ihm jetzt absolut zutraue", schrieb Maier. Beide Rekorde hält er selbst - noch.

sid

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