Nach dem Eagles-Triumph im Super-Bowl

Philadelphia feiert Zufallsheld Foles: "Jeder hat an Nick gezweifelt"

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Eagles-Quarterback Nick Foles kann sein Glück kaum fassen.

Nick Foles hat Außenseiter Philadelphia Eagles zum ersten Super-Bowl-Triumph geführt und Titelverteidiger New England Patriots entthront.

Minneapolis/Köln - Nick Foles strahlte im grün-weißen Konfettiregen von Minneapolis über das ganze Gesicht. Gemeinsam mit seiner sieben Monate alten Tochter Lily auf dem Arm genoss der Quarterback der Philadelphia Eagles nach dem 41:33 im 52. Super Bowl gegen den Favoriten New England Patriots den bislang größten Triumph seiner Football-Karriere.

Dabei war Foles eigentlich als Ersatzmann hinter Carson Wentz für die Bank vorgesehen, doch nach dem Kreuzbandriss der Nummer eins im Dezember begann eine hollywoodreife Reise. "Jeder hat an Nick gezweifelt. Doch er machte einfach weiter. Er ist ein ganz besonderer Spieler", sagte Teamkollege Jay Ajayi.

Cheftrainer Doug Pederson, der mit seinem aggressiven und mutigen Spielzügen den Sieg des Underdogs erst möglich gemacht hatte, stand unerschütterlich hinter Foles: "Viele haben ihn abgeschrieben und dachten nicht, dass er es schaffen könnte. Ich habe immer an ihn geglaubt."

Kältester Super Bowl der Geschichte

Am bislang kältesten Super-Bowl-Sonntag der Geschichte - in Minneapolis herrschten Außentemerpaturen von minus 18 Grad - sorgten auch die Spieler im wohltemperierten US-Bank-Stadion für Rekorde. In einem von zwei hervorragend aufgelegten Offensivreihen geprägten NFL-Finale verbuchten die Teams insgesamt 1151 Yards Raumgewinn. Beide Quarterbacks brillierten sowohl im Pass- als auch im Laufspiel. Patriots Star-Spielmacher Tom Brady warf Pässe über insgesamt 505 Yards - eine Play-off-Bestmarke.

Den kleinen, aber feinen Unterschied machten am Ende die Trickspielzüge. Zum zwischenzeitlichen 22:12 fing Foles 34 Sekunden vor der Halbzeitpause im letzten Versuch einen Touchdown-Pass von Thight End Trey Burton - ein sogenannter "Philly Special". Foles, der im College auch erfolgreich Basketball spielte, ist damit der erste Quarterback, der im Super Bowl einen Touchdown-Pass warf und fing.

Schwere Ausschreitungen in Philadelphia

Erneut zeigten die Eagles gerade dann Nervenstärke, wenn es eng wurde, und verhinderten die Aufholjagd von Brady, für die der 40-Jährige beim Gegner stets gefürchtet wird. "Als wir erstmals zurücklagen, habe ich mich an meine Basketball-Zeit erinnert. Ich habe mir keine Gedanken über den Spielstand gemacht oder über die Zeit - ich habe einfach gespielt", sagte Foles. "Ich wusste einfach, dass meine Jungs ihren Job machen würden."

Nach dem Spiel kam es bei den Feierlichkeiten in der Innenstadt von Philadelphia zu schweren Ausschreitungen. Die Behörden berichteten zunächst von einer schwer verletzten Person.

Wie es bei den Patriots nach der enttäuschenden Niederlage weitergeht, ist ebenso ungewiss wie die Zukunft von Foles, der zum wertvollsten Spieler der Partie gewählt wurde. Die Eagles werden in der kommenden Saison höchstwahrscheinlich wieder auf Wentz setzen, Foles müsste entweder zurück in die zweite Reihe oder zu einem anderen Team wechseln.

Brady will weiter machen

Vor einem Einschnitt steht das dominierende Team der letzten zwei Jahrzehnte. Zwei wichtige Assistenzstrainer stehen mit ziemlicher Sicherheit vor dem Absprung. Stars wie Rob Gronkowski wollten sich nach der enttäuschenden Pleite zunächst nicht zu New England bekennen. Der 40-Jährige Brady hingegen, der seinen sechsten Gewinn der Vince Lombary Trophy nach 2002, 2004, 2005, 2015 und 2017 verpasste, betonte erneut, dass er weitermachen wolle.

Nick Foles sonnte sich erst einmal in seinem Erfolg. "Vor zwei Jahren gab es eine Zeit, da wollte ich die Schuhe an den Nagel hängen. Jetzt bin ich einfach dankbar, dass ich weitergemacht habe", sagte Foles. "Diesen Moment mit meiner Tochter, meiner Frau und meiner Familie, meinen Teamkollegen und dieser Stadt zu erleben - wir sind wirklich gesegnet."

sid

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