Leichtathletik-WM in London

Schwache WM-Zwischenbilanz: Auch Molitor wirft an Medaille vorbei 

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Richtig erfolgreich läuft es für die deutschen Leichtathleten bei der WM nicht. Silber durch Siebenkämpferin Carolin Schäfer ist die mäßige Ausbeute nach fünf von zehn Tagen. Auch Titelverteidigerin Katharina Molitor (Speer) und Raphael Holzdeppe (Stabhoch) gingen leer aus.

London - Katharina Molitor klatschte kurz dem Publikum zu, dann schüttelte die entthronte Speerwurf-Weltmeisterin enttäuscht den Kopf. Die Leverkusenerin hatte alles versucht, aber es hat nicht gereicht für einen großen Abschied von der WM-Bühne. Zwei Jahre nach ihrem Gold-Coup von Peking verpasste die 33-Jährige eine weitere Medaille um rund anderthalb Meter.

Molitors 63,75 m reichten in London nur zu Platz sieben. Gold gewann die Altmeisterin und Weltrekordlerin Barbora Spotakova aus Tschechien mit 66,76 m - zehn Jahre nach ihrem ersten WM-Titel steht die zweimalige Olympiasiegerin wieder ganz oben auf dem Podium.

Bei den deutschen Meisterschaften in Erfurt hatte sich Holzdeppe dem 18-Jährigen Bo Kanda Lita Baehre (Leverkusen) geschlagen geben müssen. Auch in London kam er einfach nicht in Tritt und schaute bereits nur zu, als es für die Favoriten erst richtig los ging. Holzdeppe hatte eigentlich nur Ende Juni mit 5,80 Metern beim Meeting in Hof geglänzt. „Zuerst hatte ich Materialprobleme und ich habe das Material von Kohlefaser auf Glasfaser gewechselt. Dieser Wechsel hat einige Zeit in Anspruch genommen“, erklärte er kürzlich und verwies auf gebrochene Stäbe. „Als dieser Wechsel überstanden war, wurde ich jedoch krank und lag nach Shanghai mit Fieber im Bett.“ Dennoch sprach Holzdeppe im Vorfeld der WM unverdrossen vom „Projekt Gold“: „Ich habe die letzten Jahre gezeigt, dass ich auf den Punkt meine Leistung abrufen kann und bin davon überzeugt, dass ich es auch dieses Jahr wieder schaffen werde.“ Beim Saisonhöhepunkt lieferte er nun das ab, was die Stabartisten als „Salto nullo“ bezeichnen.

Nachdem Molitor im vergangenen Jahr trotz des WM-Titelgewinns 2015 und der damit verbundenen Wild Card vom DLV nicht für die Olympischen Spielen 2016 in Rio nominiert wurde, gelangen ihr keine großen Würfe mehr. Nach London reiste sie mit der Saisonbestleistung von 62,26 Metern - mehr als fünf Meter weniger als bei ihrem WM-Triumph. Als nimmermüde erwies sich Barbora Spotakova. Die Tschechin gewann mit 66,76 Metern ihr zweites WM-Gold nach zehn Jahren.

Nach 20 von 48 Entscheidungen blieb das DLV-Abschneiden damit bisher äußerst mager. Neben WM-Silber für Carolin Schäfer im Siebenkampf gab es nur noch wenige Lichtblicke, aber einige große Enttäuschungen. Positive Eindrücke hinterließen vor allem einige junge Talente in dem von einem Generationswechsel geprägten deutschen Team im Jahr eins nach den Olympischen Spielen in Rio.

So konnte Sprinterin Gina Lückenkemper zwar nicht ins 100-Meter-Finale flitzen, jedoch im Vorlauf umso mehr glänzen: Mit 10,95 Sekunden lief sie die schnellste Zeit seit 26 Jahren und hinterließ eine verheißungsvolle Spur in Richtung der Olympischen Spiele 2020 in Tokio. Über 200 Meter wusste zudem Rebekka Haase zu überzeugen: Sie erreichte als Schnellste ihres Vorlaufs am Dienstag in 22,99 Sekunden die Vorschlussrunde. Auch die jungen 1500-Meter-Starterinnen machten Spaß: Deutschlands Laufhoffnung Konstanze Klosterhalfen schied erst im Halbfinale aus. Dafür wurde Hanna Klein in ihrem Windschatten unerwartet Elfte im Endkampf.

Enttäuschend war der K.o im Kugelstoßen des Weltmeisters von 2013 und 2015, David Storl, der bereits in der Qualifikation scheiterte. Außerdem musste sich im Diskuswurf der Olympiasieger und dreimalige WM-Gewinner Robert Harting nur mit Rang sechs begnügen. Schwach präsentierte sich der deutsche Rekordhalter Julian Reus, der über 100 Meter in mäßigen 10,25 Sekunden im Vorlauf ausschied.

„In der zweiten WM-Hälfte sind wir traditionell immer erfolgreicher gewesen“, sagte DLV-Präsident Clemens Prokop und hofft, dass noch ein paar Trümpfe bis Sonntag stechen. Dazu zählen die Speerwerfer um Olympiasieger Thomas Röhler, Hindernis-Ass Gesa Krause oder Zehnkämpfer Rico Freimuth. Bei der WM 2015 in Peking holten die DLV-Asse insgesamt acht Medaillen, bei den Rio-Spielen waren es drei.

Besorgnis hatte ein im WM-Quartier der deutschen Athleten grassierender Magen-Darm-Virus ausgelöst. Für alle seit Montag anreisenden DLV-Starter sind deshalb andere Unterkünfte in London besorgt worden. „Das ist eine reine Vorsichtsmaßnahme“, erklärte Verbandssprecher Peter Schmitt. So wurden auch die drei Speerwerfer um Röhler vorsorglich woanders untergebracht.

Insgesamt hatten nach Angaben des WM-Organisationskomitees 30 Menschen über Magen-Darm-Probleme geklagt, in neun Fällen kam es zu einer Erkrankung. Bei Labortests wurde zudem bei zwei Personen der Norovirus nachgewiesen. Er führt zur akuten Magen-Darm-Erkrankung.

dpa

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