EWE-Baskets-Profi im Interview

Rickey Paulding: „Ich bin stolz darauf, Oldenburg zu repräsentieren“

+
Original und Fälschung: Rickey Paulding empfindet es als Ehre, eines der Gesichter Oldenburgs zu sein.

Er ist das unbestrittene sportliche Aushängeschild Oldenburgs. Niemand ist in der Basketball-Bundesliga einem Verein länger treu als er. Deutscher Meister, Pokalsieger – mit den EWE Baskets Oldenburg hat er alles gewonnen. Wenn er das Spiel an sich reißt, steht die Halle Kopf. Die Rede ist – natürlich – von Rickey Paulding. Bevor der 34-Jährige in seine bereits 11. Saison mit den Donnervögeln startet, haben wir uns mit ihm getroffen. Zu einem ganz persönlichen Gespräch über die Vorzüge Oldenburgs, seine Familie, seine Baseball-Leidenschaft, Chris Kramer und eine besondere Flagge in seiner amerikanischen Heimat.

Direkt nach dem ersten Training der Saison hat sich Rickey Paulding für uns Zeit genommen. Man kauft ihm ohne weiteres ab, dass er sich darauf freut, nach der Sommerpause wieder in der Halle zu stehen. Er ist gut gelaunt, lacht viel und ist für jeden Spaß zu haben.

nordbuzz: Moin Rickey, Du hast gerade Dein erstes Training nach der Sommerpause absolviert. Wie war's?

Rickey Paulding: Super! Es ist schön, wieder in Oldenburg zu sein und die ganzen neuen Spieler zu treffen. Es fühlt sich wirklich gut an, wieder im Training-Center zu sein.

nordbuzz: Wie lange warst Du in den Ferien?

Paulding: Ungefähr sechs Wochen, aber das hat nicht gereicht (lacht). Aber im Ernst: Es ist okay, ich habe mich während des Sommers viel entspannt, in unserem Haus in Missouri bei der Familie.

nordbuzz: Hältst Du Dich während der besonders Sommerpause fit oder steht einzig die Regeneration im Vordergrund?

Paulding: In diesem Sommer stand tatsächlich fast kein Basketball auf dem Programm, ich brauchte eine Pause. Aber ich habe einen Trainer, mit dem ich im körperlichen Bereich mehrmals in der Woche gearbeitet habe.

nordbuzz: Am 30. September geht’s wieder los, Du startest dann bereits in Deine 11. BBL-Saison mit den EWE Baskets Oldenburg. Hättest Du jemals gedacht, dass Du so lange hier bleiben würdest?

Paulding: Ehrlich gesagt, nein. Die Baskets waren die erste Mannschaft, bei der ich länger als ein Jahr geblieben bin. Aber meine Frau und ich sind der Meinung, dass Oldenburg der beste Ort ist, wo unsere Kinder aufwachsen können.

„Ich bleibe hier, solange mein Körper mitspielt“

nordbuzz: Gab es einen bestimmten Moment, an dem Ihr diese Erkenntnis hattet?

Paulding: Ja, das war nach dem Gewinn der Meisterschaft im Jahr 2009. Danach haben wir uns entschieden, so lange wie möglich hierzubleiben. Und jetzt sind es schon über zehn Jahre, verrückt. Aber es passt einfach alles: Der Basketball in Oldenburg ist super und das Familienleben ist schön. Ich bleibe hier, solange mein Körper mitspielt.

Rickey Paulding im Gespräch mit nordbuzz-Redakteur Lars Kattner.

nordbuzz: Dein Vertrag läuft noch bis 2019. Gibt es Pläne für die Zeit danach?

Paulding: Nicht wirklich. Wahrscheinlich gehen wir zurück nach Amerika, zu unserer Familie. Wir haben ein sehr enges Verhältnis. Und für die Kinder ist es auch wichtig, viel Kontakt mit der Familie zu haben. Aber konkrete Pläne habe ich nicht, was nach 2019 passieren könnte. Vielleicht hänge ich noch ein Jahr dran, wenn der Verein mich dann noch haben will…

nordbuzz: Dirk Nowitzki ist bereits 39 Jahre alt und spielt noch immer…

Paulding: Irgendwann kommt der Punkt, an dem man nur noch von Jahr zu Jahr schaut, den habe ich bald erreicht (lacht). Denn so eine Saison kann physisch und psychisch schon hart werden.

nordbuzz: Du hast Deine Kinder bereits angesprochen. Sind sie eher „Deutsche“ oder „Amerikaner“?

Paulding: Ich glaube, sie sind eher deutsch und fühlen sich damit auch sehr wohl (lacht). Aber das ist ja auch kein Wunder, immerhin haben sie einen Großteil ihres Lebens hier verbracht.

„Oldenburg ist ein sicherer Platz für die Kinder“

nordbuzz: Was schätzt Du an Deutschland am meisten?

Paulding: Ich mag besonders das Leben hier in Oldenburg, weil es so einfach ist. Es ist ein sicherer Platz für die Kinder, alles läuft irgendwie sehr strukturiert ab. Gerade für Kinder sind feste Strukturen sehr wichtig. Wir können ihnen gewisse Freiheiten lassen, aber sie wissen trotzdem, was erlaubt ist und was nicht. Das ist in den USA – je nachdem, wo am lebt – anders. Es kann für Eltern sehr schwierig sein, die Kinder auf den richtigen Weg zu bringen.

nordbuzz: Ist es eigentlich richtig, dass Du am Fahnenmast vor Deinem Haus in der Nähe von Kansas City manchmal sogar die Flagge der Stadt Oldenburg aufziehst?

Paulding: Ja, das stimmt, wir haben diese Flagge. Vor einigen Jahren während der Play-Offs ist meine Frau nach Hause gefahren, als sie mit unserem dritten Kind schwanger war. Ein Freund von uns hat ihr die Flagge mitgegeben, damit sie uns auch von Amerika aus unterstützen kann.

nordbuzz: Und was haben die Nachbarn dazu gesagt?

Paulding: Die wissen ja, dass ich in Deutschland spiele, aber natürlich haben sie nachgefragt und waren neugierig. So wurde auch schnell das Eis gebrochen, gut für das Zusammenleben mit der Nachbarschaft.

„Ein seltsames Gefühl, an dem riesigem Bild von mir vorbeizufahren“

nordbuzz: Du stehst eigentlich nicht so gerne im Rampenlicht, trotzdem bist Du ein Aushängeschild der Stadt Oldenburg. Wie gehst Du damit um?

Paulding: Damit komme ich schon klar (lacht). Es ist eine große Ehre und ich bin dankbar dafür. Aber natürlich ist es schon ein bisschen seltsam, wenn ich zum Beispiel an dem riesigen Bild von mir bei der Arena vorbeifahre und Menschen mich darauf ansprechen. Aber ich mag es, denn jeder hier ist so nett zu mir und meiner Familie. Deswegen bin ich stolz darauf, Oldenburg zu repräsentieren.

nordbuzz: Wenn Du nicht in der Halle bist, wo und wie verbringst Du deine Zeit am liebsten?

Paulding: Wenn ich Zeit habe, gehe ich zu den Fußball- oder Basketballspielen meiner Kinder oder sogar zum Training. Wenn das Wetter gut ist, sind wir gerne draußen in den vielen Parks. Da spielen wir normalerweise Baseball, meine Kinder sind große Fans davon.

nordbuzz: Und wie ist es um Deine Baseball-Skills bestellt?

Paulding: Als ich jünger war, habe ich gespielt, aber nicht sehr gut. Aber ich liebe diesen Sport und schaue sehr gerne zu.

„Vor den Spielen suche ich immer den Augenkontakt mit meiner Frau“

nordbuzz: Dürfen sich Oldenburg und die BBL denn bereits auf einen „Paulding-Junior“ freuen?

Paulding: Abwarten, sie fangen gerade erst mit dem Basketballspielen an. Dafür sind sie ziemlich gut im Fußball – aber Ihr Lieblingssport ist Baseball.

nordbuzz: Bist Du auch manchmal in Bremen unterwegs?

Paulding: Absolut! Meine Frau liebt Starbucks… aber in Oldenburg gibt es keinen. Den Besuch verbinden wir dann mit einem Ausflug und gehen shoppen oder ins Kino.

nordbuzz: Viele Sportler sind abergläubisch, pflegst Du auch besondere Rituale vor den Spielen?

Paulding: Bei mir ist es nicht ganz so schlimm. Aber bevor es losgeht, suche ich immer den Augenkontakt mit meiner Frau. Dann kann das Spiel beginnen.

nordbuzz: Kommen wir zum Sportlichen. Im Kader hat es einen großen Umbruch gegeben. Wie sehr bist Du als Kopf des Teams gefragt, aus den Einzelspielern ein echtes Team zu bilden?

Paulding: Zunächst muss ich mich darum kümmern, dass sich jeder willkommen fühlt. Wer Fragen zu Oldenburg und dem Leben hier hat, dem helfe ich gerne. Und ich zeige den Neuen, wie wir spielen – hart und gemeinsam. Aber letztlich ist es immer das gleich: Wir spielen zusammen als Team Basketball – das, was wir unser Leben lang getan haben.

„Als Freund verstehe ich die Entscheidung von Chris Kramer“

nordbuzz: Nach fünf gemeinsamen Jahren wirst Du ohne Deinen genialen Partner und Freund Chris Kramer spielen, der in Litauen angeheuert hat. Traurig?

Paulding: Das erste Training ohne ihn war schon komisch, das hat sich seltsam angefühlt. Als Spieler möchte ich ihn natürlich in meinem Team haben, aber als Freund verstehe ich seine Entscheidung und bin stolz auf ihn. Als Basketballer bin ich dagegen traurig, aber wir haben eine gute Mannschaft und starke Jungs, die ihn ersetzen können.

nordbuzz: Wie oft habt Ihr noch Kontakt?

Paulding: Normalerweise sprechen wir fast jeden Tag miteinander oder schreiben uns Nachrichten.

nordbuzz: Wo geht die sportliche Reise mit den Baskets in dieser Saison hin?

Paulding: Die Play-Offs sollten immer unser Ziel sein. Schön wäre es, unter den Top-Fünf zu landen. Noch ist es natürlich schwer zu sagen, wo wir am Ende stehen. Erstmal müssen wir uns als Team finden und hoffen, dass wir von Verletzungen verschont bleiben. Und natürlich wollen wir so agieren, dass die Fans stolz auf uns sein können.

nordbuzz: Hast Du auch ein persönliches Ziel, nachdem Du in Deutschland ja schon alles an Titeln gewonnen hast?

Paulding: Ich bin jetzt so nah an Derrick Allen dran, dem besten All-Time-Scorer der BBL. Ihn würde ich gerne überholen, bevor meine Karriere zu Ende ist.

Das könnte Dich auch interessieren

Kommentare