Nach dem Aus bei der Heim-WM

Mitspieler neben Draisaitl überfordert - Noch kein Eishockey-Nowitzki

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Leon Draisaitl ließ bei der WM sein Können aufblitzen.

In nur drei Spielen demonstrierte NHL-Star Leon Draisaitl bei der Heim-WM seinen Sonderstatus. Dennoch wurde klar: Für die Mitspieler ist er zu gut, nicht jeder kommt mit.

Köln - Enttäuscht, müde und abgekämpft stapfte Leon Draisaitl an den Kollegen vorbei in die Kabine. Nach dem Aus gegen Titelverteidiger Kanada im WM-Viertelfinale am Donnerstagabend standen Deutschlands Eishockey-Nationalspieler bis in die Nacht hinein geduldig Rede und Antwort. Deutschlands NHL-Weltklasse-Spieler aber ging wortlos und mit gesenktem Kopf an allen vorbei. Beim 1:2 gegen Kanadas NHL-Starensemble war auch Draisaitl machtlos.

„Er hat auch heute wieder alles gegeben. Man hat auch wieder gemerkt, dass der Tank etwas leer war“, sagte Bundestrainer Marco Sturm später über das in dieser Saison zum Star aufgestiegene 21 Jahre alte Mega-Talent. „Man merkt es wieder wie letztes Jahr. Es war wieder eine sehr, sehr lange Saison für Leon. Aber er wollte unbedingt kommen. Die Jungs und ich werden das nicht vergessen.“

DEB-Spieler stoßen an ihre Grenzen

Gegen Kanada war Draisaitl meistens nur dann zu sehen, wenn mal wieder ein Missverständnis im Zusammenspiel mit seinen Kollegen aus der Deutschen Eishockey Liga (DEL) offensichtlich wurde. Für das Nationalteam ist Draisaitl eigentlich zu gut. In Edmonton spielt der Ausnahmekönner unter seinesgleichen, im DEB-Team an der Seite mit den Nürnbergern Patrick Reimer und Yasin Ehliz. Beides Top-Leute in der DEL, bei der WM stießen sie aber deutlich an ihre Grenzen.

Sturm hatte sich genau überlegen müssen, zu welchen Spielertypen er Draisaitl stellt. „Es ist ja nicht so, dass jeder mithalten kann mit Leon“, hatte der Bundestrainer selbst gesagt. So mancher im Team war dann mit Draisaitls Können überfordert. Im Alleingang konnte der NHL-Star sein Team auch nicht zum Sieg schießen.

Draisaitl wollte unbedingt zur WM: „Er ist mit Herz und Seele Kölner“

103 Spiele hatte er in dieser Saison bereits in den Knochen. Doch Draisaitl flog nach dem Playoff-Aus mit seinen Oilers in der nordamerikanischen Profiliga noch zur WM. Vorigen Samstagmittag kam Deutschlands Bester Jetlag-geplagt in Frankfurt an und stand keine zehn Stunden später beim 4:1 gegen Italien sogleich auf dem Eis.

Mehr als sonst wollte der Topscorer der Oilers bei der Heim-WM für Deutschland spielen. Köln ist seine Stadt. „Er braucht ab und zu die Musik der Höhner oder früher den Karneval. Er ist mit Herz und Seele Kölner, ein kölscher Jung“, erzählte sein Vater, der frühere Nationalstürmer Peter Draisaitl, im Interview dem „Express“.

Sein Sohn selbst hatte erklärt: „Ich bin hier aufgewachsen. Ich habe hier angefangen, Eishockey zu spielen und habe viel gelernt. Natürlich ist das etwas Besonderes für mich, hier zu spielen.“ Danach redete Draisaitl nicht mehr viel. Selbst bei einer Pressekonferenz, die der Deutsche Eishockey-Bund (DEB) vor dem Viertelfinale eigens organisiert hatte, wirkten seine Aussagen gelangweilt und lustlos.

Glücklich, dass wir mit Leon einen Superstar in unseren Reihen haben

Draisaitl hat in dieser Saison einen Leistungs-Quantensprung hinter sich. Zur neuen Spielzeit winkt ein mehrjähriger Vertrag bei den Oilers, der pro Jahr rund sechs Millionen Dollar bringen soll. Aus dem Supertalent ist ein Star geworden. Sowohl in der NHL als auch beim DEB genießt er einen Sonderstatus. Das merkt man ihm an.

Seit seinen ersten Auftritten im DEB-Trikot als 18-Jähriger 2014 betont der ehrgeizige Draisaitl, der Dirk Nowitzki des Eishockeys werden zu wollen. Davon ist der Hochveranlagte noch ein gutes Stück entfernt. „Wir sind glücklich, dass wir mit Leon einen Superstar in unseren Reihen haben, der in der Kabine keiner ist“, sagte DEB-Präsident Franz Reindl nach dem WM-Aus. So locker er im Kreise der Nationalmannschaftskollegen sein mag, so verkrampft wirkt er teilweise noch in der Öffentlichkeit.

dpa

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