Ermittler über Doping-Krise

McLaren vom "fortwährenden Leugnen" Russlands enttäuscht

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Richard McLaren (l.) mit IOC-Generaldirektor Christophe De Kepper.

Ermittler Richard McLaren hat sich vom "fortwährenden Leugnen" Russlands in der Doping-Krise enttäuscht gezeigt.

Vier Tage vor der Entscheidung des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) über einen möglichen Ausschluss des Riesenreichs von Olympia in Pyeongchang (9. bis 25. Februar) forderte der Kanadier eine umfassende Strafe.

"Ich denke, die Russen haben einige Anstrengungen unternommen", sagte McLaren im Sportgespräch des Deutschlandfunk: "Was mich enttäuscht, ist ihr fortwährendes Leugnen. Und dass sie nicht bereit sind, tiefer zu graben, um wirklich aufzubrechen, was im Land passiert."

McLaren deckte systematisches Doping in Russland auf

Der Jurist hatte mit seinen Untersuchungen zum russischen Doping im Auftrag der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) für Aufsehen gesorgt. Nach seiner Einschätzung profitierten von 2011 bis 2015 rund 1000 russische Athleten vom Dopingsystem im Riesenreich. Aufgrund seiner Ermittlungsergebnisse sperrte das IOC mittlerweile 25 russische Athleten, die bei den Winterspielen 2014 in Sotschi am Start waren, lebenslang für Olympia, darunter Skilanglauf-Olympiasieger Alexander Legkow.

Angesichts der zuletzt überraschend harten Strafen durch die Oswald-Kommission machte McLaren in der Haltung des IOC einen Wendepunkt aus. "Das IOC steht jetzt vor der Entscheidung, welche Maßnahmen es gegen das Kollektiv verhängt, wenn überhaupt. Und bisher sind es nur die Athleten. Aber wegen der starken Wortwahl in der Entscheidung (zu Legkow, Anm. d. R.) werden sie jetzt Schwierigkeiten haben zu sagen, dass es keine kollektive Verantwortung gibt."

WADA in Besitz russischer Daten

Recht gelassen sah McLaren einem möglichen Boykott der russischen Mannschaft entgegen, falls diese in Pyeongchang unter neutraler Flagge starten müsse. "Bei einem Boykott von Russland ist das IOC aus dem Schneider. Denn dann werden sie sagen können: 'Wir müssen jetzt gar nichts mehr machen, sie haben sich ja selbst freiwillig von den Spielen ausgeschlossen.'"

Vor wenigen Wochen hatte die WADA erklärt, in Besitz von Daten aus dem Moskauer Anti-Doping-Labor gekommen zu sein. Kurz darauf hatte sie die russische Anti-Doping-Agentur RUSADA weiter als nicht regelkonform eingestuft. McLaren verriet, dass seinem Team die Daten bereits bekannt waren: "Damit kann man die Methode des Verschwindenlassens positiver Proben im Moskauer Labor bestätigen."

SID

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