Biathlon-Ikone

Die Leiden des großen Björndalen: Olympia-Start ungewiss

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Der Olympia-Start des Norwegers Ole Einar Björndalen ist ungewiss. Foto: Kerstin Joensson

Ole Einar Björndalen ist eine Ikone des Wintersports. Niemand im Biathlon ist erfolgreicher als er. Aber mit fast 44 Jahren merkt auch der große Norweger, dass er nicht gegen das Alter ankämpfen kann. Sein siebter Olympia-Start in Serie ist sehr fraglich.

Oberhof (dpa) - Ole Einar Björndalen kann einem fast schon ein bisschen leid tun. Der mit acht Mal Gold erfolgreichste olympische Wintersportler läuft nur noch hinterher.

"Mister Biathlon", wie ihn nicht nur sein norwegischer Teamkollege Johannes Thingnes Bö nennt, kämpft verbissen um die Olympia-Norm. Mitleid ist sicher das Letzte, was der Altstar will. Fakt aber ist: Mit fast 44 Jahren ist Björndalen, sonst Meister der perfekten Vorbereitung auf einen Saisonhöhepunkt, nicht mehr konkurrenzfähig. Hat er den Absprung verpasst?

"Ich spüre einen sehr großen Druck. Ich habe gedacht, dass ich besser ins neue Jahr starten kann", sagte der 20-malige Weltmeister beim Weltcup in Oberhof. Auch hier wurde er nur 36. und 52. Im Gesamtweltcup ist er nur 40. In Oberhof wurde er am Sonntag nicht mal für die Staffel aufgestellt, obwohl er laufen wollte.

Der Kannibale, wie Björndalen genannt wird, ist handzahm geworden. Zu stark ist die Konkurrenz, vor allem im eigenen Team. Nicht nur der 24-jährige Johannes Thingnes Bö, der sein Sohn sein könnte, hat Björndalen längst den Rang abgelaufen.

Ursprünglich wollte der Rekordweltmeister und Rekord-Weltcupsieger nach der Heim-WM 2016 in Oslo seine Karriere beenden. Dort holte er mit 42 Jahren sensationell seine WM-Medaillen 41 bis 44 - neben Staffel-Gold sogar jeweils Silber in Sprint und Verfolgung sowie Bronze im Massenstart. "Ich glaube, dass ich weiter an der Spitze dabei sein kann", hatte er damals zum Rücktritt vom Rücktritt gesagt. Er fühle sich wie ein 20-Jähriger. Zwei Jahre später sieht's anders aus.

Was fast schon an Majestätsbeleidigung grenzen würde, könnte Realität werden. Björndalens siebte Teilnahme an Olympischen Spielen in Serie ist sehr fraglich. Seit 1994 war er immer dabei. Doch eine Sonderbehandlung bekommt die Ikone des Biathlon-Sports nicht. Name hin oder her, nur die Leistung zählt. Und die zeigt er derzeit nicht. "Es gibt keinen Freifahrtschein für ihn", sagte Norwegens Biathlon-Sportchef Per Arne Botnan. "Wenn er außer Form ist, bezweifle ich, dass er zu den Olympischen Spielen fahren wird." Am Mittwoch in Ruhpolding bekommt er im Einzel über 20 Kilometer die vielleicht letzte Chance zur Qualifikation, eventuell startet er auch noch in der Staffel.

Für die Olympia-Norm muss er zwei Mal unter die besten Zwölf oder einmal unter die Top sechs laufen. Sechs Athleten dürfen zu den Winterspielen, vier pro Rennen starten. Aber sechs Norweger haben schon mehr Weltcuppunkte als Björndalen. Einzig beim Staffelsieg in Hochfilzen lieferte er einen guten Auftritt ab.

Mit seiner für Olympia längst qualifizierten Frau Darja Domratschewa bestritt Björndalen die Vorbereitung komplett außerhalb des Teams. Norwegens Coach Siegfried Mazet soll das gar nicht gefallen haben.

Johannes Thingnes Bö hofft dennoch, dass Björndalen in Pyeongchang ab 9. Februar dabei ist. "Olympia ohne Ole ist kein Olympia", sagte er. Tarjei Bö, der wie sein jüngerer Bruder in Südkorea beste Chancen auf eine Einzelmedaille hat, leidet mit seinem einstigen Vorbild. "Es ist nicht leicht, als Freund und Teamkollege zu sehen, wie Ole mit seiner Form kämpft. Aber er weiß besser als jeder andere, was er tun muss. Ich denke, dass er es schafft, wieder in Form zu kommen", sagte Bö.

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