Leichtathletik-WM

Nur Bronze im letzten Rennen für Usain Bolt - Harting verpasst Medaille deutlich

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Usain Bolt.

Leichtathletik-Superstar Usain Bolt ist ausgerechnet zum Abschied seiner Karriere vom Sprintthron gestoßen worden.

London - Supersprinter und Showman Usain Bolt hat im letzten 100-Meter-Rennen seiner einzigartigen Karriere das gewohnte Gold verpasst. Der 30 Jahre alte Jamaikaner musste sich bei den Leichtathletik-Weltmeisterschaften in London am Sonntagabend seinem langjährigen Dauerrivalen Justin Gatlin und Newcomer Christian Coleman (beide USA) geschlagen geben. Auch Diskus-Altmeister Robert Harting beugte sich bei seiner letzten WM der übermächtigen Konkurrenz.

Bolt kam wie schon im Vorlauf und Halbfinale schlecht aus dem Startblock und rannte seinen härtesten Konkurrenten hinterher: Am Ende siegte der frühere Dopingsünder Gatlin, der vom Publikum regelmäßig ausgepfiffen wurde, in 9,92 Sekunden vor dem 21-Jährigen Colemann (9,94). Eine Hunderstelsekunde dahinter kam Bolt als Dritter ins Ziel - ein ungewohntes Bild für die Sportwelt. Fair umarmte der Jamaikaner Gatlin aber unmittelbar nach dem Finale und ließ sich dennoch feiern.

Der 35 Jahre alte Gatlin hatte bei Olympia in Rio de Janeiro als Zweiter noch das Nachsehen. Diesmal vergoss er Freudentränen noch auf der Bahn. So verpasste Bolt zum zweiten Mal bei einer WM den Titel im Sprint: Mit seinem Fehlstart-Malheur von Daegu/Südkorea 2011 hatte seinem Landsmann Yohan Blake zum Titel verholfen. Am kommenden Samstag will Bolt mit seinen Kollegen aus Jamaika noch mal Staffelgold holen. Auf einen Start über 200 Meter verzichtet er - und nach London ist Schluss.

Harting verpasst Medaillenplätze deutlich

Robert Harting, der dreifache Weltmeister und Olympiasieger von 2012, verpasste die erste Medaille für das 71-köpfige deutsche Team deutlich. Mit 65,10 Metern kam der 32 Jahre alte Berliner auf Rang sechs und musste mit ansehen, wie Andrius Gudzius aus Litauen mit 69,21 überraschend Gold gewann. Der Schwede Daniel Stahl holte mit zwei Zentimetern weniger Silber, Bronze ging mit 68,03 Metern an den Amerikaner Mason Finley.

„Bei solchen Wettkämpfen braucht man totale Kontrolle, das war heute nicht der Fall. Ich hatte technische Probleme, und dann kann man nicht voll werfen“, sagte Harting. Sein jüngerer Bruder Christoph, Olympiasieger von 2016, hatte das WM-Ticket verpasst.

Für einen Paukenschlag im 100-Meter-Vorlauf hatte am Vormittag Gina Lückenkemper gesorgt. Die 20-Jährige aus Dortmund kam nach 10,95 Sekunden ins Ziel und legte damit die schnellste Zeit aller Konkurrentinnen vor. „Das ist großartig. Ich bin absolut sprachlos nach dem Rennen gewesen“, sagte die EM-Dritte über 200 Meter. „Es war mein Traum unter elf Sekunden bei diesen Weltmeisterschaften zu laufen.“ Damit erreichte Lückenkemper bereits ihr Ziel Halbfinale, ist nun aber auch eine Anwärterin auf den Endlauf an diesem Sonntag.

Lückenkemper ist erst die siebte deutsche Sprinterin, die unter 11 Sekunden über die 100-Meter-Distanz blieb. Zuletzt war dies 1991 Katrin Krabbe mit 10,91 Sekunden gelungen. Den deutschen Rekord hält seit dem 8. Juni 1983 Marlies Göhr in 10,81 Sekunden.

Im Siebenkampf der Frauen liegt Carolin Schäfer nach dem ersten Tag auf Medaillenkurs. Die Frankfurterin führt nach vier Disziplinen mit 4036 Punkten das Klassement an. Topfavoritin und Rio-Siegerin Belgierin Nafissatou Thiam aus Belgien folgt auf Platz zwei mit 4014 Zählern.

Ganz souverän meisterte der zweifache Weltmeister David Storl die Qualifikation. Gleich im ersten Durchgang wuchtete der 27-Jährige Leipziger die Kugel 21,41 Meter weit und empfahl sich damit für das Finale an diesem Sonntag. Nur der Neuseeländer Tomas Walsh war mit starken 22,14 Metern besser. „Mit so einem Stoß, der so kontrolliert über 21,41 Meter geht - das macht natürlich Spaß“, sagte Storl.

Erster Weltmeister von London: Mo Farah holt erneut Gold über 10.000 m

Im stimmungsvollen Olympiastadion sorgte Farah unterdessen schon am ersten Tag für einen emotionalen Höhepunkt. Der 34-Jährige gewann in Jahresweltbestleistung von 26:49,51 Minuten seinen sechsten WM-Titel und bescherte den Gastgebern einen Traumstart. Farah hatte sich mit seinem Doppel-Triumph bei den Olympischen Spielen in London 2012 ein Denkmal auf der Insel gesetzt, in Rio gelang ihm die Wiederholung seines Erfolgs. In der kommenden Saison will der Brite zum Marathon wechseln.

Für Lauf-Hoffnung Konstanze Klosterhalfen (Leverkusen) verlief das WM-Debüt erfolgreich: Über 1500 m zog die 20-Jährige ins Halbfinale am Samstag (20.35 Uhr) ein. Die U23-Europameisterin kam in 4:03,60 Minuten ins Ziel und erreichte ebenso wie Hanna Klein (Schorndorf/4:09,32) die nächste Runde.

"Ich war zu ungeduldig und habe nicht gewartet", sagte Klosterhalfen, die früh die Tempoarbeit übernommen hatte und am Ende noch von einigen Konkurrentinnen überholt wurde: "Das Halbfinale wird hart." Zudem erklärte sie, bei der WM nicht über die 5000 m an den Start zu gehen.

Bei den Stabhochspringerinnen erreichte Vize-Europameisterin Lisa Ryzih (Ludwigshafen) als einzige deutsche Athletin das Finale. Die 28-Jährige übersprang 4,55 m im ersten Versuch. Die deutsche Rekordhalterin Silke Spiegelburg (Leverkusen) schied mit übersprungenen 4,35 m ebenso aus wie die erst 21 Jahre alte WM-Debütantin Friedeline Petershofen (Potsdam/4,20).

Der deutsche Meister Julian Howard (Karlsruhe) verpasste deutlich das Finale im Weitsprung. Der 28-Jährige, der seine Bestleistung in diesem Jahr auf 8,15 m verbessert hatte, kam nicht über 7,72 m hinaus und blieb deutlich unter der geforderten Weite (8,05).

sid

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