Im Viertelfinale der Heim-WM

Wie gegen die USA: Das DEB-Team plant Coup gegen Kanada

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Bereit für die ultimative Herausforderung? Penalty-Held Frederik Tiffels (3. v. l.) und seine Kollegen treffen im WM-Viertelfinale auf Kanada.

Köln - Als krasser Außenseiter geht das DEB-Team ins WM-Viertelfinale gegen die Eishockey-Giganten aus Kanada. Doch chancenlos sehen sich Trainer Marco Sturm und  Co. nicht.

Dem bislang besten WM-Spiel gegen Lettland muss nun ein überragendes gegen Kanadas Eishockey-Künstler folgen. Nach dem emotionalen Viertelfinal-Einzug halten Deutschlands Cracks selbst die Sensation gegen den Titelverteidiger für möglich. „Es ist jetzt nicht so, dass man nervös werden muss, nur weil es Kanada ist“, sagte der beim 4:3-Penaltydrama gegen Lettland überragende Torhüter Philipp Grubauer vor dem WM-Highlight am Donnerstag (20.15 Uhr/Sport1). „Wir müssen ruhig bleiben, wir können auch Eishockey spielen. Wenn wir unser Spiel spielen, dann können wir auch mithalten.“

Bundestrainer Marco Sturm ging sogar noch einen Tick weiter und beschwor den überraschenden WM-Auftaktsieg vor knapp zwei Wochen gegen ein ebenfalls starkes US-Team. „Man hat es auch gegen die Amis gesehen, man kann auch große Nationen schlagen. Wir haben absolut nichts zu verlieren“, sagte Sturm, der sein Team mit einem freien Nachmittag für einen weiteren Meilenstein in seiner noch jungen Ära belohnte. Am Tag vor dem Viertelfinale stand nur etwas Stretching im Hotel, aber kein Eis-Training auf dem Programm. „Ich hoffe, dass die Jungs jetzt einfach ein bisschen runterkommen.“

Ehrhoff erinnert an 2010

Das nervenaufreibende Duell am Dienstagabend vor 18.797 begeisterten Zuschauern in der ausverkauften Kölner Arena gegen starke Letten ließen beim deutschen Kapitän Christian Ehrhoff schon wieder Erinnerungen an 2010 aufkommen. „Die Stimmung ist schon wieder genauso toll“, schwärmte der frühere NHL-Verteidiger.

Vor sieben Jahren hatte Deutschland beim bislang letzten Heim-Turnier ebenfalls ein Entscheidungsspiel um den Einzug in die K.o.-Runde - damals gegen die Slowakei - gewonnen. Dem folgte zwei Tage später der größte Erfolg seit Olympia-Bronze 1976: Der WM-Halbfinal-Einzug durch ein 1:0 gegen die Schweiz. Der Gegner diesmal ist allerdings ungleich stärker. „Es kommt einiges auf uns zu“, meinte Sturm.

Grubauer soll aufblühen wie Greiss

Der Bundestrainer setzt vor allem auf seinen von den Washington Capitals nachnominierten Keeper: „Wir brauchen wieder einen Grubauer, einen Torhüter, der wie in Spiel eins Greiss alles hält und für eine Sensation sorgt.“ Der 25 Jahre alte Rosenheimer war nach Washingtons Playoff-Aus in der NHL eingeflogen worden und erst am Samstag in Frankfurt am Main gelandet. Nach der Verletzung des eigentlich zum WM-Stammkeeper auserkorenen Thomas Greiss und den Fehlern von Ersatzmann Danny aus den Birken hat die Auswahl des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB) nun wieder einen sicheren Goalie.

„Wenn man solche Spiele hat, braucht man einen erstklassigen Torwart, und den haben wir heute gehabt“, lobte Sturm den neben dem bislang überragenden NHL-Verteidiger Dennis Seidenberg gegen Lettland besten Mann. „Er hat super gehalten. Er hat Ruhe ins Spiel gebracht und war sensationell im Shootout. Er war da, wenn man ihn brauchte.“

Sturm: „Andere Mannschaft als in Russland“

Sturm hofft gegen das NHL-Starensemble Kanadas, das die Gruppe B in Paris souverän gewann, auch auf einen Lerneffekt aus dem vergangenen Jahr. 2016 hatte Sturm das deutsche Team bei seiner ersten WM als Coach ins Viertelfinale geführt. Dort unterlag die DEB-Auswahl Gastgeber Russland mit 1:4. Auch weil niemand so recht an eine Überraschung geglaubt hatte. „Ich denke schon, dass eine andere Mannschaft auftritt als letztes Jahr in Russland“, sagte Sturm. „Man lernt ja immer aus Niederlagen. Ich hoffe, dass die Jungs auch aus diesem Viertelfinale gelernt haben. Wir brauchen uns nicht verstecken, wir haben eine tolle Gruppe.“

Schon zweimal stand Deutschland in der Vergangenheit dicht vor der Sensation. 2003 in Turku schoss Eric Brewer Kanada im WM-Viertelfinale erst in der Overtime mit 3:2 zum Sieg. Noch spannender war das Olympia-Viertelfinale 1992. Damals wurde selbst die ARD-Tagesschau für das Penaltydrama von Meribel verschoben.

Zehn Millionen TV-Zuschauer sahen zu, als beim Penalty von Peter Draisaitl der Puck Kanadas Keeper Sean Burke passierte, in Richtung Tor trudelte und dann auf der Torlinie liegen blieb. Deutschland unterlag 3:4. Drei Jahre später kam Draisaitls Sohn Leon auf die Welt. Der inzwischen 21 Jahre alte Filius ist nun einer der besten Spieler der Welt und hat am Donnerstag die Chance, Revanche zu nehmen.

dpa

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