DSV-Testfahrer Andreas König im Interview

20 Jahre Carving-Technologie: Revolution durch eingebaute „Servo-Lenkung“

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Andreas König (45 Jahre) ist beim Deutschen Skiverband (DSV) oberster Verbraucherschützer und auch Chef der Ski-Tests.

Wer Skifahren lernen möchte, hat es einfacher und schneller mehr Spaß als früher - dank der Carving-Technologie, die nun 20 Jahre alt wird. Das Interview mit DSV-Testfahrer Andreas König.

Genau vor 20 Jahren eroberte der Carving-Ski den alpinen Skisport. Eine neue Bauweise und eine neue Fahrtechnik haben das Skifahren revolutioniert. Die „Rocker-Technologie“ – eine steifere und nach oben gezogene Bauweise der Skischaufel – hat in der Folge für eine Evolution gesorgt. Das Ergebnis heute: Wer Skifahren lernen möchte, hat es einfacher und schneller mehr Spaß als früher. Und: Versierte Skifahrer schätzen die neuen Technologien und haben ihre alten Ski längst zum alten Eisen gelegt. Anlässlich 20 Jahre Carving-Ski haben wir bei einem nachgefragt, der sich richtig gut auskennt – Andreas König (45 Jahre) ist beim Deutschen Skiverband (DSV) oberster Verbraucherschützer und auch Chef des DSV-Ski-Tests.

Was für einen Ski fahren Sie denn persönlich und haben Sie einen Ausflugs-Tipp zum Skifahren?

Andreas König (lacht): Als Skitester fahre ich manchmal jeden Tag einen anderen Ski. Spaß beiseite! Privat fahren ich einen „Sport-Carver“ und wenn es die Wetterlage – zum Beispiel mit viel Neuschnee erlaubt - einen „Allmountain Ski“. Der „Carver“ verfügt über einen Drehradius von 14 Metern und ein leichtes Handling. Ein „Allmountain Ski“ ist etwas breiter gebaut, hat dadurch mehr Auftrieb und macht bei viel Schnee einfach Freude. Zur Frage „Ausflugtipp“: Ich wohne praktischerweise in Bad Tölz – in zehn Minuten bin ich im Skigebiet Brauneck und auch der Achensee mit dem Skigebiet „Christlum“ ist von mir aus gut erreichbar. Ich schätze es, möglichst früh im Ski-Gebiet zu sein, dann ist einfach noch nicht so viel los. Der frühe Vogel fängt den Wurm.

Der Alpin-Ski heute und vor 20 Jahren ist nicht zu vergleichen. Was hat sich denn technisch im Breitensport alles getan?

König: Revolution und Evolution! Zwei Technologien haben den alpinen Skisport grundlegend verändert. Der Carving-Ski ist mehr oder weniger talliert, lässt sich mit einer etwas anderen Technik leichter fahren und verfügt somit über eine eingebaute „Servo-Lenkung“. Die Carving-Technik hat den Breitensport im Bereich des alpinen Ski-Fahrens komplett revolutioniert. Eher eine Evolution war die Einführung der „Rocker“-Technologie. Die Schaufel an der Ski-Spitze ist verwindungssteifer und etwas mehr nach oben gezogen. In der Praxis bedeutet das, dass sich die Kontaktfläche des Ski ganz nach Fahrweise verändert. Wer eher gemächlich unterwegs ist, kann auf weniger Auflagefläche, ausreichend Führung und ein leichtes Drehverhalten zählen. Wer sich wie Felix Neureuther sportlich nach vorne legt und rasant unterwegs ist, bei dem wir die Auflagefläche größer und somit die Führung besser. Nach wie vor ist man also sicher unterwegs!

Ist das richtig - Alpin Skifahren ist viel einfacher geworden?

König: Ja! Der Mehrwert des modernen Ski ist für den Verbraucher erheblich gestiegen. Skifahren ist einfacher geworden – das kann man so kurz und knapp mit gutem Recht sagen.

Dennoch: Gibt es auch Gefahren und worauf sollte ich als Breitensportler unbedingt achten?

König: Es wird immer behauptet, dass die Anzahl der Skiunfälle über die Jahre gestiegen sei. Die Statistik sagt etwas komplett anderes: Die Skiunfälle sind eindeutig zurückgegangen. Was dagegen richtig ist: Die Rettungshubschrauber sind mehr unterwegs. Das liegt daran, dass das Netz der Luftrettung über die Jahre deutlich ausgebaut worden ist. Zum Thema „Carving-Ski“ sei auch noch eines gesagt: Der Ski lässt sich einfacher als herkömmliche Modelle fahren, doch man sollte die Fahrweise seinem Können und seiner Fitness anpassen. Aufmerksamkeit ist beim Skifahren das A und O.

Ski-Stars wie Viktoria Rebensburg sind von den Carving-Skiern begeistert.

Wie finde ich heutzutage den passenden Ski vor mich - welche Anhaltspunkte gibt es, auf die ich selber achten sollte?

König: Bitte informieren Sie sich vorab! Der Deutsche Ski-Verband (DSV) bietet zum Beispiel unter https://www.ski-online.de/tipps-infos/dsv-skitest.html einen guten Überblick. Selbstverständlich kann man weitere Fachmedien konsultieren. Jeder Ski enthält zudem alle wichtigen Informationen über seine Fahreigenschaften. Wer sich in eine Fachgeschäft begibt, wird gut beraten. Es ist jedoch hilfreich, sich mit einem gewissen Vorwissen und seinen eigenen Zielen beraten zu lassen.

Alpiner Ski-Sport und Wetter! Ist das nur gefühlt so oder auch tatsächlich so - der Winter kommt immer später und es gibt weniger Schnee?

König: In den letzten fünf Jahren ist der Schnee tatsächlich immer später gefallen, dafür aber auch länger geblieben. Heuer gab es zum Beispiel sogar im Mai noch einmal kräftig Schnee. Ob das ein Trend ist, lässt sich natürlich noch nicht sagen.

Wie sieht Ihrer Meinung nach die Zukunft des Alpinen Skifahrens aus?

König: Vielfalt ist angesagt! Wer eine Woche Skifahren bucht, möchte nicht mehr nur Skifahren, sondern eben auch andere Angebote nutzen. Neben dem alpinen Skisport sind seit Jahren das Schneeschuhwandern, das Rodeln, das Schlittschuhlaufen, aber auch die Fahrt mit dem Pferdeschlitten oder Wellness-Angebote immer mehr im Kommen. Ski-Gebiete schließen sich immer mehr zusammen und bieten eine „Ski-Schaukel“. Mit einer Skikarten werden riesige Gebiete erschlossen. Abwechslung ist dann einfach garantiert.

Die Fragen stellte Bodo-Klaus Eidmann.

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