Vor Leichtathletik-WM in London

DLV-Präsident Prokop: „Medaillen nicht alleiniger Maßstab“

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Welcome to London: DLV-Boss Clemens Prokop posiert vor der Towerbridge.

Das deutsche Team reist mit wenigen Medaillen-Anwärtern zur Leichtathletik-WM in London. Das ist für DLV-Präsident Clemens Prokop aber kein Problem.

London - Nach 16 Jahren als Präsident des Deutschen Leichtathletik-Verbandes wird Clemens Prokop im November aufhören. „Ich blicke zufrieden zurück“, bilanziert der 60 Jahre alte Jurist im Interview der Deutschen Presse-Agentur vor seiner letzten WM in London als DLV-Spitzenfunktionär. Es sei in seiner Amtszeit gelungen, nach anfangs schwierigen Jahren die deutsche Leichtathletik „in den Kreis der Weltspitze“ zurückzubringen und dem DLV in der Sportpolitik „eine wahrnehmbare Geltung“ zu verschaffen.

Nach den nur drei Medaillen bei den Olympischen Spielen 2016 in Rio erwartet er an der Themse, dass die DLV-Asse „wieder besser abschneiden“ - wenn auch nicht so gut wie bei der WM 2015 mit acht Edelplaketten. Generell hält Prokop nicht viel vom Medaillenzählen, obwohl der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) mit der Reform des Spitzensports das Ziel verfolgt, künftig mehr Medaillen zu holen.

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„Medaillen nicht als alleinigen Maßstab nehmen“

„Die Bewertung sportlicher Leistung an der Zahl der Medaillen auszurichten, wird den Athleten nicht gerecht“, meinte Prokop. Damit sei nicht gemeint, überhaupt keine gewinnen zu wollen. „Natürlich streben wir logischerweise an, möglichst viele Medaillen und möglichst viel goldene zu holen“, stellte er klar. „Ich wehre mich nur, die Medaille als alleinigen Maßstab für Leistung zu nehmen.“

Große Hoffnungsträger sind auch für ihn die drei Speerwerfer Thomas Röhler, Johannes Vetter und Andreas Hofmann, die die Weltrangliste anführen. Kann das Trio auch Gold, Silber und Bronze holen? „Es wäre ein Tag von geschichtlicher Bedeutung“, sagte Prokop. „Doch die deutschen Speerwerfer kämpfen nicht allein.“ Abgesehen von ihrer sportlichen Leistungsfähigkeit überzeugen sie ihn auch als Persönlichkeiten: „Sie sind momentan die herausragenden Botschafter der deutschen Leichtathletik. Wir sind froh und stolz, sie zu haben.“

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Hoffnung auf deutschen Jahrhundertrekord im Speerwerfen

Sportlich traut er einem von ihnen aber auch den Weltrekordwurf über die 98,48 Meter des Tschechen Jan Zelezny hinaus zu. „Ich bin bei der Bewertung von Leistungen in Rekorden vorsichtig. Grundsätzlich, kann ich mir aber schon vorstellen, dass einer der deutschen Werfer den Jahrhundertrekord angreifen kann“, meinte er.

Zumindest als Präsident des Organisationskomitees der EM 2018 in Berlin wird Prokop der deutschen Leichtathletik verbunden bleiben. Die EM sei aber nicht nur „für die Athleten eine große Motivation“, auch über das Sportliche hinaus ein Zeichen zu setzen. „Es soll ein Fest der europäischen Leichtathletik werden und eine Würdigung der europäischen Ideale gerade in einer Zeit, in der nationale Tendenzen immer stärker werden“, sagte er. „Wir wollen das auch als politisches Thema aufgreifen und ganz gezielt über den Sport hinaus die Werte Europas in allen Bereichen zelebrieren.“

dpa

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